translationcollective

February 6, 2010

Auf den Punkt gebracht

Filed under: deutsch — translationcollective @ 11:35 pm

vom Unsichtbaren Komitee

Im französischen Original verteilt auf der Großdemonstration zum Generalstreik in Paris am 30. Januar 2009

Alle sind sich einig. Es wird krachen. Mit düsterem oder kühnen Blick räumt man in den Fluren der Nationalversammlung ein, was man gestern in der Kneipe nachgeplappert hatte. Man gefällt sich in der Einschätzung der Risiken. Schon werden ausführlich präventive Operationen beschrieben, menü-orientierte Rasterung des Territoriums. Bei den Festlichkeiten zum Jahreswechsel wurde Kurs genommen auf eine Zäsur: „Das ist das letzte Jahr, in dem es Austern gibt!“ Damit das Fest nicht komplett von der Tradition der Randale überlagert wird, sind 36000 Bullen und 16 Hubschrauber im Einsatz – entsandt von Innenministerin Alliot-Marie, die während der SchülerInnen-Demonstrationen im Dezember zitternd auf das kleinste Anzeichen griechischer Ansteckung lauerte. Man hört hinter den beruhigenden Äußerungen immer deutlicher das Geklirr der Vorbereitungen eines offenen Krieges. Niemand kann seine kalt und pragmatisch angekündigte Ausführung mehr ignorieren, die sich nicht mehr die Mühe macht, sich als Maßnahme der Befriedung darzustellen.

Die Zeitungen listen gewissenhaft die Gründe für die plötzliche Beunruhigung auf: Da ist die Krise, natürlich, mit ihrer explosiven Arbeitslosigkeit, ihrem aus Hoffnungslosigkeit und Sozialplänen geschnürten Paket, ihren Skandalen um Kerviel oder Madoff. Da ist das Scheitern des Schulsystems, dem weder die Produktion von ArbeiterInnen mehr gelingt, noch die Eichung von BürgerInnen – nicht einmal mehr bei den Kindern der Mittelklasse. Da ist das Unbehagen einer Jugend, so sagt man, der keinerlei politische Vertretung entspricht, und die für nichts gut ist als mit einem Rammbock die kostenlosen Fahrräder zu demolieren, die man ihr freundlicherweise zur Verfügung stellt.

All diese Themen der Beunruhigung sollten jedoch in einer Epoche, in welcher der vorherrschende Modus des Regierens schlicht in der Verwaltung von Krisensituationen besteht, nicht unüberwindbar erscheinen. Außer um feststellen, dass das, was der Macht gegenüber tritt, weder eine weitere Krise, noch aufeinander folgende chronische Probleme sind – mehr oder weniger seit langem erwartete Unregelmäßigkeiten – sondern eine einzigartige Gefahr, die sich auf den Punkt in einer Form des Konflikts niederschlägt, und in Positionen, die nicht verwaltbar sind.

Diejenigen die, überall, diese Gefahr sind, sollten sich weniger müßige Fragen stellen, sondern die nach den Gründen und Wahrscheinlichkeiten von Bewegungen und Konfrontationen, die ohnehin stattfinden werden. Darunter die folgende: Auf welche Weise klingt das griechische Chaos in der französischen Situation nach? Ein Aufstand hier kann nicht als einfache Verlagerung dessen gedacht werden, was dort geschehen ist. Der weltweite Zivile Krieg hat noch immer lokale Eigenheiten und eine Situation des generalisierten Aufruhrs würde in Frankreich bewirken, dass andere Inhalte verpuffen.

Die griechischen AufrührerInnen hatten es mit einem schwachen Staat zu tun und verfügten gleichzeitig über eine große Popularität.

Es darf nicht vergessen werden, dass sich die Demokratie vor gerade einmal 30 Jahren mit Hilfe einer Praxis der politischen Gewalt gegen das Obristen-Regime durchgesetzt und neu konstituiert hat. Diese Gewalt, die Erinnerung daran liegt nicht so weit zurück, scheint für die meisten GriechInnen noch immer selbstverständlich. Sogar die Mogule der lokalen Sozialistischen Partei haben in ihrer Jugend Molotov-Cocktails ausprobiert. Die klassische Politik wiederum weiß sich diesen Praktiken sehr gut anzupassen und ihre ideologische Einfalt bis ins Innere des Aufstands zu propagieren. Wenn der griechische Kampf – trotz offensichtlicher Überforderung der Polizei – nicht auf der Straße entschieden und beendet wurde, so hat seine Neutralisierung anderswo stattgefunden. Tatsächlich ist nichts so aufreibend und fatal wie diese klassische Politik mit ihren vertrockneten Ritualen, ihrem gedankenlosen Denken, ihrer kleinen abgeschlossenen Welt.

In Frankreich waren die exaltiertesten sozialistischen BürokratInnen niemals etwas anderes als strenge Versammlungs-UnterwanderInnen und langweilige Verantwortungsträger. Hier läuft vielmehr alles darauf hinaus, die geringste Ausprägung politischer Intensität zunichte zu machen. Dies erlaubt es, die BürgerInnen weiterhin den RandaliererInnen gegenüber zu stellen. Überhaupt kann sich einer unendlichen Sammlung künstlicher Gegensatzpaare bedient werden: NutzerInnen versus Streikende, BlockadenbrecherInnen versus GeiselnehmerInnen, brave Leute versus Lumpenpack – eine quasi-linguistische Maßnahme, die einhergeht mit den quasi-militärischen. Die Aufstände im November 2005 und, vor anderem Hintergrund, die sozialen Bewegungen im Herbst 2007 haben einige Beispiele für dieses Vorgehens geliefert. Das Bild der versammelten Studierenden von Nanterre, die unter »Allez les bleus« Rufen die polizeiliche Räumung ihrer Mitstudierenden beklatschten, gibt uns also nur einen winzigen Vorgeschmack auf das, was uns die Zukunft bereithält.

Es versteht sich von selbst, dass die Verbundenheit der FranzösInnen mit dem Staat – als Hüter universeller Werte und letzter Schutzwall gegen die Katastrophe – eine Krankheit ist, die man sich nur schwer vom Hals schaffen kann. Allerdings handelt es sich vor allem um eine Fiktion, die nicht länger andauern kann. Selbst unsere Regierenden betrachten den Staat jeden Tag ein wenig mehr als nutzlose Blockierung, da sie ja zumindest den Konflikt auf sich nehmen, militärisch. Sie haben keinerlei Probleme, Eliteeinheiten des Terrorismusbekämpfung einzusetzen, um Unruhen in den banlieues niederzuschlagen oder ein von den Angestellten besetztes Postverteilzentrum zu befreien. In dem Maße, in dem der Wohlfahrtsstaat weiter bröckelt, tritt der Gegensatz zwischen den VerehrerInnen der Ordnung und ihren GegnerInnen offen zu Tage. Alles, was die französische Politik bislang einfrieden konnte, ist dabei, sich zu entfesseln. Unter all dem, was sie einst unterdrückt hat, wird sie sich nicht wieder aufrichten. Wir können auf eine Bewegung zählen, die in der fortgeschrittenen Zersetzung der Gesellschaft den nihilistischen Atem vorfindet, der notwendig ist, sie zu ganz anderen Grenzen zu treiben.

Eine revolutionäre Bewegung breitet sich nicht durch Ansteckung aus, sondern durch Resonanz. Etwas, das an dieser Stelle entsteht, hallt wider in der Druckwelle dessen, was an jener Stelle entstanden ist. Ein Körper, der von etwas widerhallt, tut dies auf seine eigene Art und Weise. Ein Aufstand ist nicht vergleichbar mit der Ausbreitung einer Pest oder eine Waldbrandes – einem linearen Prozess, der nach einem initialen Funken von einem Ort zum nächsten überspringt. Es handelt sich vielmehr um etwas, das wie eine Musik Gestalt annimmt. Den Brandherden eines Aufstands, seien sie auch verstreut in Zeit und Raum, gelingt es, den Rhythmus ihrer eigenen Schwingung durchzusetzen und immer weiter auszubauen – bis jegliche Rückkehr zur Normalität nicht mehr wünschenswert oder gar denkbar ist.

Wenn wir vom Empire sprechen, benennen wir die Dispositive der Macht, die präventiv, chirurgisch, jegliches revolutionäre Werden einer Situation ausschalten. Diesbezüglich ist das Empire kein Feind, der uns gegenübersteht. Es ist ein Rhythmus, der sich aufdrängt, eine Art und Weise, die Realität ablaufen und vergehen zu lassen. Es handelt sich also weniger um eine Ordnung der Welt, als um deren traurigen, drückenden und militärischen Lauf.

Was wir von der Partei der Aufständischen hören, ist der Entwurf einer ganz anderen Komposition, einer andere Bahn des Realen, die sich von Griechenland bis in die französischen banlieues ihren Einklang sucht.

Von jetzt an ist offenkundig, dass Krisensituationen der Herrschaft willkommene Gelegenheit zur Re-strukturierung bieten. Ohne allzu sehr zu lügen kann Sarkozy daher ankündigen, dass die Finanzkrise dem „Ende einer Welt“ entspreche, und dass für Frankreich im Jahr 2009 ein neues Zeitalter anbreche. Dieser Schwindel der Wirtschaftskrise sei im Grunde genommen etwas Neues. Die Gelegenheit zu einem schönen Epos, in dem wir, alle gemeinsam, die Ungleichheiten zur gleichen Zeit wie die Klimaerwärmung bekämpfen würden. Für unsere Generation, die in der Krise geboren wurde und nichts anderes kennen gelernt hat – sei es die wirtschaftliche, finanzielle, soziale oder ökologische Krise – ist es, das müssen Sie zugeben, relativ schwierig das anzuerkennen. Wir beziehen uns nicht auf den Schlag der Krise, dem »Wir werden ganz von vorn anfangen« und dem »Es wird reichen, den Gürtel für einige Zeit enger zu schnallen«. Ehrlich gesagt ruft die Bekanntgabe katastrophaler Arbeitslosenzahlen bei uns keinerlei Gefühlsregung hervor. Die Krise ist eine Art und Weise zu regieren. Zu einem Zeitpunkt, da diese Welt von nichts mehr zusammengehalten scheint als der endlosen Verwaltung ihres völligen Zusammenbruchs.

Man würde uns gern hinter dem Staat sehen, mobilisiert, solidarisch mit einem unwahrscheinlichen Flickwerk an Gesellschaft. Abgesehen davon, dass wir es derart verabscheuen erneut auf sie zu treffen, diese Mobilisierung, könnte es gut sein, dass wir uns eher dazu entschließen, den Kapitalismus endgültig niederzuschlagen.

Was sich im Krieg befindet, sind nicht die verschiedenen Arten die Gesellschaft zu verwalten; es sind vielmehr, unreduzierbar und unversöhnlich, die Ideen vom Glück und deren Welten. Die Macht weiß das, wir auch. Die Reste der Militanten [In Frankreich: GewerkschafterInnen, AktivistInnen, BürgerrechtlerInnen], jedesmal zahlreicher und jedesmal weniger identifizierbar, raufen sich die Haare, um uns besser in die kleinen Kästen in ihren kleinen Köpfen stecken zu können. Dennoch strecken sie die Arme nach uns aus, um uns besser ersticken zu können; mit ihrem Scheitern, ihrer Lähmung, ihren debilen Problemen. Wahlen als »Übergang«… Sie werden niemals etwas anderes sein als diejenigen, die uns jedes Mal ein wenig mehr entfernen von der Möglichkeit des Kommunismus. Glücklicherweise finden wir uns weder mit Verrat noch mit Enttäuschungen lange ab.

Die Vergangenheit hat uns viel zu viele schlechte Antworten gegeben, um länger nicht zu wissen, dass es die Fragen selbst waren, die schlecht sind.

Daher geht nicht darum zu ENTSCHEIDEN zwischen:

dem Fetischismus der Spontaneität ODER der Kontrolle durch die Organisation

der Bastelei der aktivistischen Netzwerke ODER dem Taktstock der Hierarchie

dem verzweifelten Handeln im Jetzt ODER dem verzweifelten Warten auf später

dem Einklammern dessen, was hier und heute zu erleben und auszuprobieren ist, im Namen irgendeines Paradieses, das immer mehr einer Hölle ähnelt, je weiter man sich davon entfernt ODER dem gewaltsamen Wiederbeleben von Kadavern, um sich davon zu überzeugen, dass das Pflanzen von Karotten ausreichen könnte, um uns aus diesem Albtraum herauszuholen.

Wahl der Qual.

Die Organisationen sind Hindernisse auf dem Weg, sich zu organisieren.

In Wahrheit gibt es keinen Abstand zwischen dem was wir sind, dem was wir tun und dem was wir werden. Die Organisationen – politische oder gewerkschaftliche, faschistische oder anarchistische – beginnen stets damit, diese Aspekte der Existenz praktisch voneinander abzutrennen. Anschließend haben sie leichtes Spiel ihren dummen Formalismus als einziges Mittel gegen eben diese Trennung darzustellen. Sich zu organisieren heißt nicht, der Ohnmacht eine Struktur zu geben. Vor allem bedeutet es Bande zu knüpfen, Bande, die nicht neutral sind, fürchterlich ausgerichtete Bande. Der Grad der Organisierung bemisst sich nach der Intensität Teilens, materiell und geistig.

Schon jetzt also: »Sich auf materieller Ebene organisieren, um ein Auskommen zu haben, sich auf materieller Ebene organisieren, um anzugreifen.« Auf dass überall eine neue Vorstellung des Kommunismus Gestalt annehme! Im Schatten der Kneipen, Druckereien, besetzten Häuser, Treppenhäuser, Bauernhöfe und Sporthallen können offensive Komplizenschaften entstehen; ausgehend von diesen Komplizenschaften erfährt die Welt unvermittelt so etwas wie eine betontere Wendung. Diesen wertvollen heimlichen Einverständnissen dürfen die Mittel nicht verweigert werden, die sie zur Entfaltung ihrer Kraft benötigen.

Dort verortet sich die wirklich revolutionäre Möglichkeit der Epoche. Die immer zahlreicheren Scharmützel sind insofern Furcht erregend, als sie jedes Mal aufs Neue Gelegenheit geben für Komplizenschaften solcher Art, manchmal kurzlebig, aber manchmal auch unvergänglich. Hier geht es sicherlich um eine Art akkumulativen Prozess. In dem Moment, in dem Millionen junger Menschen es sich zu Herzen nehmen zu desertieren und diese Welt zu sabotieren, muss man dumm wie ein Bulle sein, darin eine Finanzzelle, einen Anführer oder eine Leichtsinnigkeit zu sehen.

Zwei Jahrhunderte Kapitalismus und Handelsnihilismus haben zu den krassesten Fremdartigkeiten geführt, sich selbst, den anderen, den Welten gegenüber. Das Individuum, diese Fiktion, zersetzt sich in der gleichen Geschwindigkeit, in der sie real wird. Kinder der Metropole, lasst uns wetten: dass sich auf der Grundlage tiefgreifendster Einfachheit der Existenz die immer wieder zugrunde gerichtete, immer wieder gebannte, Möglichkeit des Kommunismus entfaltet.

Letztlich sind wir mit einer ganzen Anthropologie im Krieg: mit der Idee des Menschen selbst.

Der Kommunismus also Voraussetzung und Experiment, Teilen einer Empfindsamkeit und Ausarbeitung des Teilens, Offenkundigkeit des Gemeinsamen und Aufbau einer Kraft. Der Kommunismus als Matrix eines Sturmangriffs, sorgfältig, kühn, gegen die Herrschaft. Als Aufruf und als Name für all die widerständigen Welten in der imperialen Befriedung, für all die unreduzierbaren Solidaritäten in der Herrschaft der Waren, für all die Freundschaften, die die Notwendigkeiten des Krieges auf sich nehmen. KOMMUNISMUS. Wir wissen, dass dies ein Begriff ist, der mit Vorsicht zu gebrauchen ist. Nicht aus dem Grund, weil er in der großen Parade der Worte aus der Mode gekommen wäre. Sondern weil unsere schlimmsten Feinde ihn benutzt haben und das weiterhin tun. Wir bestehen darauf. Bestimmte Worte gleichen Schlachtfeldern, deren Bedeutung ein Sieg ist, der, revolutionär oder reaktionär, notwendig aus einem großem Kampf hervorging.

Aus der klassischen Politik zu desertieren bedeutet den Krieg auf sich zu nehmen, der sich auch auf dem Gebiet der Sprache verortet. Oder vielmehr auf der Art und Weise, wie die Worte, die Gesten und das Leben verbunden werden, untrennbar. Dass immense Kräfte aufgeboten wurden, um einige junge, kommunistische Bauern wegen Terrorismus einzusperren, die angeblich an der Redaktion der Insurrection qui vient (Der kommende Aufstand) beteiligt waren, geschah nicht, weil es sich um ein „Meinungsdelikt“ handelte, sondern weil sie auf eine Art und Weise daran festhalten in der gleichen Existenz Handeln und Denken zu ver-körpern. Und das wird im Allgemeinen nicht verziehen.

Man klagt diese Leute weder dafür an, etwas geschrieben zu haben, noch dafür, die geheiligten Flüsse, welche die Metropole versorgen, materiell angegriffen zu haben. Es geht vielmehr darum, dass jene Flüsse an der Dichte eines Denkens und einer politischen Position hätten Schaden nehmen können. Dass ein Handlung an dieser Stelle Sinn machen könnte, gemäß einer anderen Beschaffenheit der Welt als der wüstenartigen des Empire. Der Anti-Terrorismus gibt vor, die mögliche Entstehung einer „Vereinigung von Übeltätern“ anzugreifen. Was aber in Wirklichkeit angegriffen wird, ist die Entstehung einer Situation. Die Möglichkeit, dass sich hinter jedem Gemüsehändler schlechte Absichten verstecken und hinter jedem Gedanken die Handlung, zu der er aufruft. Die Möglichkeit, dass sich eine politische Idee ausbreitet, anonym aber anknüpfbar, verbreitet und unkontrollierbar, die nicht in die Rumpelkammer der Meinungsfreiheit ein-sortiert werden kann.

Es kann kaum mehr Zweifel geben, dass es an erster Stelle die Jugend sein wird, die die Macht wie die Wilden angehen wird. Die vergangenen Jahre, von den Unruhen im Frühjahr 2001 in Algerien hin zu denen im Winter 2008 in Griechenland sind nichts als eine Aufeinanderfolge von Warnungen in dieser An-gelegenheit. Diejenigen, die vor dreißig oder vierzig Jahren gegen die Moral ihrer Eltern aufbegehrt haben, werden es nicht versäumen, dies auf einen erneuten Generationenkonflikt zu reduzieren, wenn nicht gar auf einen vorhersehbaren Effekt der Flegeljahre.

Die einzige Zukunft einer „Generation“ ist es, die vorangegangene zu sein; auf einem Weg, der unausweichlich zum Friedhof führt.

Die Tradition will es so, dass alles mit einer „sozialen Bewegung“ beginnen soll. Besonders in einem Moment da die Linke, deren Zerfall nicht weiter verlängert wird, scheinheilig versucht sich auf der Straße wieder Glaubwürdigkeit zu schaffen. Allein, sie hat kein Monopol mehr auf die Straße. Dafür muss man nur sehen, wie bei jeder neuen Mobilisierung von SchülerInnen – wie bei allem, was die Linke noch zu unterstützen wagt – die Kluft weiter auseinander klafft zwischen ihren jämmerlichen Forderungen und dem Grad an Gewalt und Entschlossenheit der Bewegung.

Aus dieser Kluft müssen wir einen Graben machen.

Wenn wir eine „soziale Bewegung“ auf die die nächste folgen und sie einander jagen sehen, offenbar ohne etwas zu hinterlassen, so ist doch festzustellen, das darin etwas fortbesteht. Ein Lauffeuer verbindet das, was sich in jedem dieser Ereignisse nicht beiseite schieben ließ, weder durch die absurde Zeitlichkeit einer Gesetzesrücknahme noch durch irgend einen anderen Vorwand. Stück für Stück, ihrem eigenen Rhythmus folgend, sehen wir etwas wie eine Kraft Gestalt annehmen. Eine Kraft, die ihre Zeit nicht erleidet, sondern durchsetzt, schweigend.

Es ist nicht mehr die Zeit den Zusammenbruch vorherzusehen oder seine erfreuliche Möglichkeit zu erläutern. Früher oder später wird er eintreten; es gilt sich darauf vorbereiten. Es geht nicht darum, das Schema dafür zu entwerfen, was ein Aufstand sein sollte, sondern darum, die Möglichkeit der Aufruhrs auf das zurückzuführen, was sie nie hätte aufhören sollen zu sein: der lebendige Schwung der Jugend ebenso sehr wie die populäre Weisheit. Unter der Bedingung, dass man sich zu bewegen weiß, ist das Fehlen eines Schemas kein Hindernis, sondern eine Chance. Für die Aufständischen ist dies der einzige Raum, der ihnen das Wichtigste garantieren kann: die Initiative zu behalten. Es gilt einen gewissen Aufmerksamkeit zu erregen, zu unterhalten, wie man ein Feuer unterhält, ein gewisses taktisches Fieber, das sich, wenn der Augenblick gekommen ist, sogar jetzt sofort, als entscheidend offenbart, als konstante Quelle der Entschlossenheit. Bereits jetzt tauchen bestimmte Fragen auf, die gestern noch grotesk oder antiquiert erscheinen konnten; sie gilt es zu erobern. Nicht, um sie endgültig zu beantworten, sondern um sie mit Leben zu füllen. Sie erneut gestellt zu haben, ist übrigens kein geringer Verdienst des Aufstands in Griechenland:

Wie wird aus einer Situation allgemeiner Unruhen eine aufständische Situation? Was tun, wenn die Straße errungen ist, weil die Polizei dort dauerhaft geschlagen wurde? Verdienen es die Parlamente noch immer, gestürmt zu werden? Was heißt es praktisch, die Macht auf lokaler Ebene anzusiedeln?

Wie sich entscheiden? Wie weiter bestehen?

WIE SICH WIEDER FINDEN?

Mise au Point

A point of clarification

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