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February 19, 2010

Green Peace // Green Police

Filed under: deutsch — translationcollective @ 12:22 pm

green peace green police – PDF

Folgendes Communiqué wurde Samstag, den 12. Dezember 2009 von einem Teil des Schwarzen Blocks bei der Demo gegen den Klimagipfel COP15 zum Bella Center in Kopenhagen verteilt. Kurz nach Erscheinen des Textes werden bei Börse und Außenministeriums die Scheiben eingeschlagen. Als die Polizei daraufhin Leute festnehmen will, hindern einige Climate Justice Action AktivistInnen den Schwarzen Block handgreiflich daran, sich dem »System Change Not Climate Change« Block anzuschließen. Der COP15 ist vorbei, die Diskussion der europäischen autonomen Bewegung über das Interne Policing und den Code der »Gewaltfreiheit« von Climate Justice Action (u.a. getragen von Gruppen der Interventionistischen Linken IL) hat gerade erst begonnen…

Green Peace // Green Police

ZWISCHEN TAUSENDEN LEUTEN, die die Welt retten wollen, treffen wir uns zur Demo zum Bella Center, doch irgend etwas stimmt nicht. Die Parolen klingen einfach zu bekannt. »Traditionelles Wissen und neue Technologien müssen Hand in Hand gehen.« Haben wir das Gleiche nicht auf Werbetafeln überall in der Stadt gelesen?

ALLE SPIELEN IHRE ROLLE AUF DEM GIPFEL, wie in einem Film. Auf verschiedenen Versionen der gleichen Bühne, die sich vor allem durch ihr unterschiedliches Budget unterscheiden. Das Gebäude des Klimaforums erinnert an einen Mix aus Raumstation und Kunstgalerie. Zwischen Graffiti, Drogen und Reggae-Music ist der Traum in Christiania schäbiger, doch unterhaltsamer.

Im sterilen und opulenten Bella Center schließlich arbeiten NGOs mit den Delegierten hart an einem Vertrag, uns alle zu retten. Draußen erzählen die gleichen Gesichter über Lautsprecher dass wir »politischen Druck« ausüben sollen, um die Verhandlungen zu beeinflussen.

ES SCHEINT EINE GEMEINSAME LOGIK ZU GEBEN zwischen den Delegierten der Regierungen, den NGOs, welche die Demo kontrollieren und selbst den radikalen ökologischen AktivistInnen: wir alle retten die Menschheit zusammen. Wer würde dafür nicht kämpfen wollen? Und selbst, wenn Du es nicht willst, hast Du überhaupt eine Wahl? Niemand scheint Zeit zu haben kurz innezuhalten & nachzudenken was wir hier retten sollen, was die Menschheit bedeutet.

Was beinhaltet der Glaube an die Existenz einer einzigen politischen Einheit, die uns alle verbindet? In der vereinten befriedeten Welt, die als Image durch Kopenhagen geistert wird Politik obsolet. Was, wenn die Mobilisierung der gesamten Stadt und selbst der Proteste nichts anderes als eine enorme Peacekeeping-Operation ist?

IN ZEITEN DES KRIEGES steht hinter jedem Aufruf zur Einheit der Aufruf zur Unterwerfung. Alle sind sich einig, dass der Kapitalismus in der Krise steckt, dass bisherige Formen der Verwaltung nicht ausreichen werden. Dieser Gipfel ist der vielleicht bislang offensichtlichste Hinweis auf die Gestalt der kommenden Verwaltung, in der die Beteiligung aller obligatorisch sein wird. Dieser Schritt könnte als Social Engineering beschrieben werden. Als eine utopische Anstrengung ein vollkommen kontrolliertes Leben zu produzieren – eine total berechenbare Existenz – indem sie uns vergessen machen, dass es einige Kämpfe gibt, die sich nicht auf Machtspiele reduzieren lassen, dass Freundschaften manchmal mehr sind als Ökonomie. Dieser lebendige Überschuss kann nicht beschrieben, er kann nur erfahren werden. Was allerdings beschrieben werden kann ist die Art und Weise, in der diese Operation der Reduzierung funktioniert: Zunächst wird unser Leben in verschiedene quantifizierbare Stückchen zerteilt, um uns die frisch defragmentierte, domestizierte Version anschließend als the real thing wieder zu verkaufen: »Hope in a bottle«.

DIE BEGEISTERUNG MIT DER ALLE POLITISCHEN STRÖMUNGEN zur Ökologie konvertieren lehrt uns einiges über die wahre Natur dieser neuen grünen, universellen Religion. Vom Herzen des Bella Centers bis zum leidenschaftlichsten Aktivisten ist, jenseits aller Unterschiede im Tonfall, der gleiche Aufruf zu hören: uns selbst zu unterwerfen. Im Namen des Lebens selbst alles zu opfern, was das Leben lebenswert macht. Die Gegenwart zu vertagen, um die Zukunft zu retten.
Unser Verlangen zu kontrollieren und, vor allem, das zerbrechliche Gleichgewicht nicht zu stören. Ökologie setzt das gleiche Konzept der Existenz voraus, das auch die Polizei kennzeichnet: Die Gefahr lauert überall, an erster Stelle in uns selbst.

Wenn der Erfolg des Gipfels von der Beteiligung der Bevölkerung im Zentrum einer jeden Stadt abhängt,

WOHIN DENKT IHR SOLLTEN WIR GEHEN?

Wenn die Polizei in all ihren Formen die neue Essenz der globalen Politik darstellt,

WAS DENKT IHR SOLLTEN WIR TUN?


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