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February 27, 2010

20 Thesen zur Subversion der Metropole

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20 thesen – PDF

von plan b bureau

These 1

Wir definieren Metropole als die kompakte Gesamtheit von Territorien und heterogenen Dispositiven, die an jedem Punkt von einer trennenden Synthese durchzogen wird: Tatsächlich gibt es keinen Punkt in der Metropole, an dem es nicht zur gleichen Zeit potenziell Kommando und Widerstand gibt, Herrschaft und Sabotage. Einen antagonistischen Prozess zwischen zwei Seiten, deren Beziehung in Feindschaft besteht, die gleich eines Nervensystems die Metropole bis in die feinsten Kapilare durchzieht. Einerseits besteht die Metropole (als buchstäblicher Sitz der Herrschaft) in der Ausübung eines Kommandos, das auf jedes andere Territorium ausstrahlt – deswegen gibt es überall ein bisschen Metropole. Sie ist der Raum, in dem und über den hinaus sich die Intensität und Konzentration von Dispositiven der Unterdrückung, Ausbeutung und Herrschaft auf höchstem Niveau und in maximaler Ausbreitung ausdrückt. In der Metropole kollabieren und enden Stadt und Land, Modernität und zweite Natur. In der Metropole bilden Industrie, Kommunikation und Spektakel eine produktive Einheit. Der Regierung ist die Aufgabe gegeben, die soziale Kooperation, die ihre Grundlage bildet, zu verbinden und zu kontrollieren, um durch die biopolitischen Apparate Mehrwert abzuschöpfen. Andererseits ist die Metropole die Gesamtheit von Territorien, in denen eine Vielfalt subversiver Kräfte -singulär, allgemein, kollektiv – es schafft, einen tendenziell besser und horizontal organisierten Antagonismus gegen das Kommando zum Ausdruck zu bringen. Es gibt weder Orte noch Nicht-Orte in der Metropole, es gibt Territorien, die von imperialen Kräften militärisch besetzt sind, Territorien kontrolliert von Bio-Macht und Territorien, die beginnen, Widerstand zu leisten. Manchmal, sehr häufig, passiert es, dass diese drei Typologien des Territoriums sich durchdringen, ein anderes Mal trennt sich die letztere von den anderen beiden, und noch ein anderes Mal tritt sie in Krieg gegen sie. Die Banlieu steht sinnbildlich für dieses “dritte” Territorium: Aber wenn es wahr ist, dass es überall ein bisschen Metropole gibt, dann gibt es auch überall ein bisschen Banlieu. Ln der metropolitanen Verbreitung des communitären Lebens lebt die Intensität der revolutionären Vorstellung des kommenden Communismus.

These 2

In den metropolitanen Kämpfen definiert der biopolitische Streik die grundlegende Ausdrucksform der Strategie des Angriffs, die nicht befriedete Formen-des-Lebens gegen die Metropole des Kommandos einsetzen. Die Verweigerung von Arbeit kann heute nichts anderes sein als die Weigerung, Teile des Lebens, Bröckchen von Zuneigung und Fetzen von Wissen an den kybernetischen Kapitalismus abzutreten. Der Kampf gegen den Kapitalismus heute ist der direkte Abzug von Körpern aus der Ausbeutung und der Angriff auf die Rendite, Guerilla gegen Gentrification und gewalttätige Aneignung der Commune, Sabotage der Dispositive der Kontrolle und Destabilisierung der Repräsentanz des Politischen und des Sozialen. Aber auch und genauso direkt wildes Experimentieren der Formen-des-Lebens, der Aufbau von Communen, das Einverleiben von Glück und die sich ausbreitende Dynamik der Wünsche. So wie die Körper – sei es als Singularität oder als Bevölkerungen – Ziel der biopolitischen Polizei und der Ausbeutung sind, so ist die Singularität der Körper einziger Ausgangspunkt für jeden humanen Streik, biopolitisch, psychisch, generell, gegen die Metropole: In der Singularität als Form-des-Leben lebt dieses Unregierbare, das der Biomacht widersteht. Die feministische Demonstration vom 24. November, die radikalste, die 2007 in Italien auf der Straße war, war ein wunderbarer Ausdruck dafür*. Der kapitalistischen Initiative kann zuvorgekommen werden, wenn die verbreitete Verweigerung der Singularitäten an eine metropolitane Organisierung der Autonomien gekoppelt wird, die sich dazu befähigen, aus rebellischen Formen-des-Lebens aufständische Multituden zu machen. Wenn die Singularitäten als Körper der Commune aufstehen, kann das Unregierbare zum revolutionären Prozess werden.

These 3

Die Taktik der Blockade ist wesentlich für die Wirksamkeit des biopolitischen Streiks, sobald er tatsächlich metropolitan wird, sobald er die Besonderheiten überschreitet und sich ausbreitet: als Paralyse der Kontrolle, als Blockade der Zirkulation, als Virulenz der Anti-Haltungen, als Aussetzen der Produktion und Reproduktion, als Unterbrechung der Fabrik der Kommunikation. Kurz: als Verhinderung des normalen Laufs der kapitalistischen Wertschöpfung. Mit der Blockade wird es möglich, die Verallgemeinerung des biopolitischen Streiks zu erkennen. Die Piqueteros in Buenos Aires und der Aufstand gegen CPE in Frankreich haben die Organisierungskraft und -kapazitat der Blockade offensichtlich gemacht. Die Blockaden sind materielles Zeichen für die Sezession von Kapital und Biomacht. Jede rnetropolitane Blockade befreit andere Straßen, andere Passagen, andere Leben: Die metropolitane Blockade ist notwendig für den Aufbau und die Verteidigung des Exodus.

These 4

Die Sabotage antwortet auf die Notwendigkeit, die Destabilisierung der Regierung mit der strukturellen Zerstörung des Kommandos zu vereinen, und so die metropolitane Blockade zu verstärken. Sie interveniert auf unterschiedlichen Ebenen ins Leben der Metropole: von der anonymen Singularität, welche die Rhythmen von Produktion und Zirkulation des Werts bremst, bis zur auf den Punkt genauen verwüstenden Intervention in einem erklärten Konflikt. Im ersten Fall ist die Sabotage ein spontan diffuses Verhaltnis gegen die Arbeit, im zweiten Fall ist sie die Intelligenz der Subversion, welche die Mediation des Konflikts in der Gouvernementalität quer durchbricht. Die subversive Wissenschaft der Metropole definiert sich in der Tat auch als Wissenschaft der Sabotage.

These 5

Wenn biopolitischer Streik, Sabotage und Blockade zusammenkommen, kreieren sie die Voraussetzungen der metropolitanen Revolte. Der metropolitane Aufstand wird möglich, wenn die Kette spezifischer Kämpfe und die Häufung der Revolte zur umfassenden Strategie wird, die Territorien, Existenzen, Maschinen und Dispositive überrollt (oder mit sich reißt…).

These 6

Die sozialen Zentren, die Freiräume, die Häuser und die communisierten Territorien sollten sich heute der politischen Kritik der Multitude aussetzen und sich in Gesellschaften wechselseitiger Hilfe verwandeln. Wie im 18.und 19. Jalir-hundert könnten diese territorialen Zusammenschüsse nicht nur Solidarität zwischen den Singularitäten bieten, nicht nur die Wechselseitigkeit von Formen-des-Lebens und die Organisierung spezifischer und genereller Kämpfe, sondern auch ein Gewebe des Bewusstseins der Singularitäten wie der Communitäten darüber, dass sie gleichfalls unterdrückt und ausgebeutet werden. Mit diesem politischen Akt entsteht die Commune als Prozess, in dem sich Freundschaft und Wechselseitigkeit zwischen allen Ausgebeuteten in eine Commune des Widerstands verwandeln. Heute kann jeder sozialisierte Raum zu dem Raum werden, in dem sich die rebellischen Intensitäten verdichten, zu autonomer Organisierung in und gegen die Metropole. Prekansierte, ArbeiterInnen, Schwule, Studierende, Frauen, Lesben, Lehrerinnen, MigrantInnen, Queer, Kinder, alle Singularitäten müssen sich auf diese Räume beziehen können, um revolutionäre Formen-des-Lebens zu kreieren und sich zu organisieren, auf dass sie ungreifbar werden für die biopolitische Polizei. Die communitären Elemente – die Kassen gegenseitiger Hilfe, alltägliches Wissen, Wohnprojekte, gemeinsam genutzte Gärten, sebstverwaltete Werkzeuge der Produktion und Reproduktion, die Leidenschaften und die Affekte – müssen wieder gewonnen, erfunden, konstruiert und denjenigen zur Verfügung gestellt werden, die sich entscheiden, in Widerstand zu treten, in den Streik, in die Revolte. Die Gesamtheit all dieser Elemente wird Territorium nach Territorium die Commune des 21. Jahrhunderts konstituieren.

These 7

Die einzige Sicherheit, welche die nicht resignierten Formen-des-Lebens wollen, Iiegt im Ende von Unterdrückung und Ausbeutung. Das materielle und ethische Elend, in das die Biomacht Millionen Männer und Frauen zwingt, ist die Quelle der Unsicherheit, die in den Metropolen herrscht und die Bevölkerungen regiert. Andererseits sollte man nicht in die Falle tappen, nach Rechten zu fragen, das heißt mehr Regierung und daher mehr Nicht-Freiheit: Das einzige Recht der Commune stellt sich her und bestimmt sich durch seine revolutionäre Ausübung. Jeder Wunsch, jedes Bedürfnis, jede Notwendigkeit, welche die Formen-des-Lebens in der Multitude ausdrücken können, ist ihr Recht. Indern sie Recht setzen, setzen sie das Recht ab.

These 8

Ohne Bruch gibt es keine Möglichkeit, die Fluchtlinien über das Kommando hinaus zu führen. Jeder Bruch entspricht einer Kriegserklärung der rebellischen Formen-des-Lebens an das metropolitane Königreich: Erinnert euch an Genua 2001. In der Metropole ist eine Asymmetrie zwischen Biomacht und den Formen-des-Lebens in Kraft, das ist offenkundig, aber genau diese Asymmetrie kann zur wichtigen Waffe der metropolitanen Guerilla werden: Im Zusammenprall der Formen-des-Lebens mit dem Kommando entsteht ein Überschuss, der sobald er sich mit Kraft und Stärke ausdrückt, zur revolutionären Organisierung des Commune-Lebens werden kann.

These 9

In der Metropole leitet die Artikulation und Verkettung der unterschiedlichen Kräfte – und nicht die Mediation, die ihren Intensitäten die Spitze abbricht – das Spiel der subversiven Allianzen. Der Aufbau und die Realisierung der Revolte in Rostock gegen die G8 2007 hat die Stärke dieses ,,Spiels” gezeigt. Autonomie als strategische Anleitung für die Sezzesion von der Biomacht bedeutet die metropolitane politische Komposition alles Gering-Werdens zum Commune-Werden, eine horizontale Ausbreitung von Gegensteuerungen, die sich einzig auf einer konkreten Ebene positionieren und sich niemals als transzendentale Einheit herstellen. In der Metropole gibt es kein revolutionäres Subjekt: Es gibt eine konkrete Ebene der Subversion, die jede Singularität zwingt, sich zu positionieren, Partei zu ergreifen.

These 10

Der wichtige Teil jeder metropolitanen sozialen Bewegung ist der Überschuss, den sie produziert. Der Exzess in all seinen Formen ist Ausdruck der Wahrheit des Kampfes. Was in jedem Kampf übrig bleibt, ist immer eine gemeinsame Wahrheit.

These 11

Ohne geteilte Sprache gibt es niemals die Möglichkeit, irgendwelchen Reichtum zu teilen. Die Commune der Sprache wird nur in und von den Kämpfen gebildet.

These 12

Eine der größten Gefahren für die autonomen Formen-des-Lebens ist es, der technischen Trennung von Leben und Politik zu frönen, von Existenzverwaltung und Subversion, von Handelswaren und communitärer Nutzung, von Verlautbarung und materieller Wahrheit, von Ethik und blindem, selbstbezogenem Aktivismus. Die Verwechslung dessen, was communitär ist, mit dem, was uns im Eigentum festhält, im Individualismus und im Zynismus, muss in der Praxis besiegt werden, das heißt durch eine communitäre Ethik, die im Konflikt geschmiedet wird. Das Persönliche ist biopolitisch, die Politik ist unpersönlich.

These 13

Die metropolitanen Architekturen der Autonomie sind alle horizontal. Sie liegen mit jeder sie konstituierenden Linie eng an der Form-der-Organisierung an, und andersrum. Die Linien der Macht sind in all ihren Formen und überall wo sie auftauchen alle vertikal, genau dadurch trennen sie die Singularitäten von der Commune. Diese Architekturen sind zu desertieren, zu umzingeln, zu neutralisieren und, wenn möglich, zu attackieren und zu zerstören. Die einzig mögliche Vertikalisierung der metropolitanen Autonomie liegt im Clash mit der Herrschaft.

These 14

Die Form-der-Organisierung in den aktuellen historischen Bedingungen kann nichts anderes sein als die Form-des-Lebens. Sie ist die nicht normative Regulierung der Commune für die Commune. Disziplin bedeutet hier nichts anderes als communitäre Organisierung der Nicht-Disziplinen. Die Form-der-Organisiening ist die Ebene der Konsistenz, wo Singularitäten und Multitude zirkulieren, Affekte und Wahrnehmungen, Produktionsmittel und Wünsche, Banden von FreundInnen und unfolgsame Künstlerinnen, Waffen und Wissen, Liebe und Traurigkeit: eine Multitude von Flüssen, die in eine politische Komposition eingehen, welche die Stärke aller wachsen lässt und gleichzeitig die Stärke der Feinde vermindert. Die Verbreitung von Horizontalität der Organisierung bei Zentralisierung des Ziels, das ist die Disziplin, die wir als Kunstgriff des revolutionären Prozesses vorschlagen, als Aufbau der Partei der metropolitanen Subversion.

These 15

In der Metropole sind die Individuen nur der körperliche Reflex der Biomacht, im Gegensatz dazu sind die Singularitäten die einzigen Formen lebendiger Gegenwart, die werden können. Die Singularitäten lieben und hassen, während die Individuen diese Leidenschaften nicht leben können, außer durch die Vermittlung der Show, auf dass sie regiert und neutralisiert werden, noch bevor sie gegenwärtig werden. Das Individuum ist die grundlegende Einheit der Biomacht, während die Singularität die kleinste Einheit bildet, aus der jede Praxis der Freiheit anfangen kann. Das Individuum ist der Feind der Singularität. Die Singularität ist, was wir für gewöhnlich sein könnten.

These 16

Der Moment ist gekommen, die Kategorie der “Bürgerschaft” zur Diskussion zu stellen, dieses Erbe urbaner Modernität, das an keinem Ort mehr existiert. In der Metropole BürgerIn zu sein, bedeutet nur, in der biopolitischen Rechnung der Gouvernementalität vorzukommen, zuzustimmen zur ,,Legalität” eines Staates, einer Nation und einer Republik, die nicht existieren, außer als Lebensnerven der organisierten Repression des Empire. Die Singularität geht über die Bürgerschaft hinaus. Kampf um eine eigene Singularität statt einer Bürgerschaft – das ist die Parole, die zum Beispiel die MigrantInnen jeden Tag mit ihrem Blut an die Mittelmeerküsten schreiben, in die Revolten in den Abschiebeknästen, an die Metallmauer, die Tijuana von San Diego trennt, oder an die Membran zwischen Fleisch und Beton, welche die Slums der Roma von den glitzernden Inner Cities der Schande trennt. Die Bürgerschaft ist bereits zur Treueprämie der Ordnung des Empire geworden. Die Singularität, sobald sie kann, lebt glücklich ohne sie. Nur die Singularitäten können die Mauern, Grenzen, Membranen, Einschränkungen zerstören, die von der Biomacht als Infrastrukturen der Herrschaft errichtet wurden.

These 17

So wie die kapitalistische Rendite parasitär aus der Ausbeutung der metropolitanen sozialen Kooperation entsteht, so entspricht die Politik der parasitären Rendite der Regierung aus den Formen-des-Lebens der Multitude: Die gewalttätige oder “demokratische” Erpressung von Zustimmung, die öffentliche private Nutzung der Commune, die missbräuchliche Ausübung einer leeren Souveränität über die Gesellschaft, das sind die Wege, auf denen die politische Rendite im Schatten der Wolkenkratzer des globalen Kapitals fett wird. In der Metropole bleibt als Möglichkeit die Commune auszuüben und als multitudinäre Frist ihrer Aneignung nur das Politische. Wenn man “den Punkt an dem es kein zurück mehr gibt” erreichen will, sollte man nie Politik machen. Die Politik ist immer eine Form der Regierung. Das Politische ist manchmal revolutionär.

These 18

Die biopolitische Metropole wird ausschliefilich durch Governance verwaltet. Die Bewegungen, die autonomen Kräfte, diejenigen, die sich die Subversion der gegenwärtigen Situation wirklich wünschen, haben aber verstanden, dass man zu Beginn eines Kampfes nicht den Fehler machen darf, sofort mit der Governance zu verhandeln, sich an ihre “Runden Tische” zu setzen, ihre Art der Korruption zu akzeptieren und damit zu ihrer Geisel zu werden. Im Gegenteil muss man ihr von Anfang an den Ort der Konfrontation aufzwingen. Die Fristen und sogar die Modalitäten des Kampfes. Nur wenn das Kräfteverhältnis zum Vorteil der metropolitanen Autonomie umgekehrt wird, nur aus einer Position der Stärke heraus wird es möglich, über ihre Kapitulation zu verhandeln. Der wundervolle Aufstand von Copenhagen** zeigt, dass es möglich ist, sobald man die Initiative ergreift und auf die eigene Art beharrt.

These 19

In der Metropole entsteht genau in dem Moment, in dem die Arbeit überflüssig geworden ist, das Paradox, dass alle immer arbeiten müssen, intensiv von der Wiege bis zur Bahre, und vielleicht auch danach; es ist klar, dass der Arbeitszwang immer offensichtlicher eine politische Verpflichtung ist, über die Bevölkerungen verhängt, um sie fügsam und folgsam zu machen, reihenweise Waren zu produzieren und individuell beschäftigt zu sein mit der Produktion des Selbst zum imperialen Untertan. Wir kämpfen für die Negation der Arbeit und die Schaffung anderer Produktions- und Reproduktionsformen des Lebens, die nicht unter das Joch des Lohnes verpflichten, die sogar sprachlich vom Kapital nicht definierbar sind, die mit und in der Commune anfangen und enden. Das metropolitane Existenzgeld kann nur dann ein Fakt der Commune werden, wenn die Praktiken der Aneignung und die territoriale Ausbreitung der Autonomie auf massive Weise ein neues Kräfteverhältnis erzwingen. Bis zu diesem Punkt ist es kaum möglich, dass aus diesem Existenzgeld – wie z.B. in Form des sogenannten lokalen und regionalen BürgerInneneinkommens gefordert – etwas anderes wird als ein weiterer Schritt in die Aufsplitterung der Commune und in die Hierarchisierung von Formen-des-Lebens. Außerdem lehrt uns die autonome Erfahrung der 60er und 70er Jahre, dass eine egalitäre Forderung nur dann Sinn macht, wenn wir bereit sind, unser Leben selbst in die Commune einzubringen, es im Kampf zu risikieren. In unserer Geschichte hat es nie eine ökonomische Forderung gegeben, die nicht unmittelbar politisch war: Wenn die Arbeiterinnen sagten “Mehr Lohn für alle” war das zu verstehen als “Mehr Macht für alle”, heute bedeutet “Grundeinkommen für alle” “Geteilte Stärke fur alle”. Als Singularitäten, die die Seite der Subversion gewählt haben, müssen wir uns die Mühe machen, die Commune zuerst zwischen uns aufzubauen und zu teilen. Das ist es, was uns stark machen wird.

These 20

In der Commune der RebellInnen ist eine neue emotionale Bildung auf dem Weg, ihr Erfinden und mikrophysisches Experimentieren steht auf der Tagesordnung jeder wahren revolutionären Erfahrung, die heute gegen das Empire kämpft. Man wird über Freundschaft, Liebe, Bruderschaft und Schwesternschaft nicht mehr reden können, außer als Teil Nehmende der voranschreitenden Strategie des Aufstands gegen die Biomacht und für die Commune. In dem Moment, in dem eine Freundschaft beginnt, in dem eine Liebe zu einer Kraft der Commune wird oder eine Bande sich bildet, um die Herrschaft zu bekämpfen, zeigt sich der Feind am Horizont. Die Zerstörung der kapitalistischen Metropole kann nur die Frucht einer nicht reduzierbaren Liebe sein, einer gemeinsamen Anstrengung aller Singularitäten, die mit Freude gegen die Priester des Leids aufgestanden sein werden, gegen die gedungenen Mörder, die die Türme des Kommandos verteidigen. Der kommende Communismus wird von diesen Formen-des-Lebens der Multitude geboren, die sich für die Seite der Commune entschieden haben, gegen die Biomacht.

“Macht Pläne. Seid bereit”

+ + + +

* Hunderttausende Frauen wenden sich in Rom gegen das rassistische Ausschlachten eines Mordes nach einer Vergewaltigung durch Presse, Polizei und Regierung. Nachdem die Frauen klarstellen, dass dies nicht in ihrem Namen geschieht, dass Gewalt gegen Frauen keine Nationalität hat, dass Sicherheitspolitik nicht die Antwort ist auf die Alltäglichkeit dieser Gewalt, sondern eine Diskussion über das Patriarchat stattfinden muss, entschließen sich die Behörden gegen ein ad hoc geplantes Sondergesetz zur Abschiebung von Rumäninnen.

** Die Kämpfe zum Erhalt des autonomen Jugendzentrums Ungdomshuset

20 Thesis on the Subversion of the Metropolis

20 Tesi sulla sovversione della metropoli

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