translationcollective

October 9, 2010

Die Leute haben gesagt, es reicht.

Filed under: deutsch — translationcollective @ 7:58 pm

Ein Text aus dem Generalstreik in Barcelona, Ende September 2010

Die Behörden behaupten, dass es eine Anti-System-Gruppe war, Jugendliche in der Ästhetik von Hausbesetzern…

Aber nein. Wir waren wir…

Dieses wir, dem die Polizeibusse der Stadt über Stunden hysterisch nachjagten, ohne uns finden zu können. Dieses wir, das applaudierte, als die Scheiben der Corte Ingles (spanische Shopping-Center-Kette) eingeschlagen wurden.

Dieses wir, das in der ersten Versammlung, die in der enteigneten Bank am Plaza Catalunya stattfand, das Wort ergriff und sagte: “Ich bin fast fünfzig Jahre alt. Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet, jetzt bin ich seit fast vier Jahren im Streik. Ich bin verzweifelt, aber diese Besetzung hat das Lächeln in mein Gesicht zurückkehren lassen.”

In der demokratischen Diktatur kann alles gesagt werden und taugt doch zu nichts.

Ja, sicher. Doch das riesige Banner, das am größten Gebäude der Stadt verkündet: “Die Banken ersticken uns, die Chefs beuten uns aus, die Politiker belügen uns, CCOO und UGT verkaufen uns… Verpisst Euch!” ist eine allzu unerträgliche Wahrheit für die Macht.

Denn obendrein kamen mit jedem Mal mehr und mehr Leute. Es gab keine Fahnen oder einfache Parolen, an die niemand glaubt. Der Diskurs der Linken wurde hinter sich gelassen. Die mit einem prekären Leben ergriffen das Wort, und also kam die ganze Verzweiflung zum Vorschein, ebenso der immense Wille, neue Wege zu erfinden, um gemeinsam Widerstand zu leisten. Um diesem Gefängnis zu entkommen, zu dem das Leben geworden ist. “Verpisst Euch!” war ein Schrei der Wut. Aber nach und nach organisierte sich dieser Schrei, breitete sich aus, gedieh… tausende Stimmen hatten ihre eigene Stimme.

Für die Franco Diktatur wurde jeglicher Konflikt, irgendeine Störung der Öffentlichen Ordnung, stets von einer Minderheit verursacht; die Art, sie zu disqualifizieren bestand darin, sie als das Werk von “Studenten” darzustellen. Ein Student war gleichbedeutend damit faul zu sein. Heute insistiert die demokratische Diktatur wie gehabt darauf uns als Minderheit zu bezeichnen, wenngleich sie uns in diesem Fall Vandalen und Krawallmacher nennt. Sie wollen nicht wissen, dass diese Minderheit – dieses wir, das gegen diese Realität rebelliert – es ist, die Geschichte macht. Die Franco Diktatur ist (zum Teil) gefallen. Wir wissen auch, dass dieses System der Unterdrückung und des Elends früher oder später so durchlöchert sein wird wie ein Schweizer Käse. Denn tausende Leute werden tausend Wege hinaus erfinden.

Und es wird fallen.

Sie haben den Tag. Wir haben die Nacht. Sie können uns nicht identifizieren, sie werden niemals wissen, wer wir sind. Von daher haben wir nicht so große Angst.

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