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November 3, 2010

Einführung in die Apokalypse

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apokalypse – PDF

+ + + Die Apokalypse ist da + + + Das Spektakel des Grünen Kapitalismus: Von Märkten und CO²-Märkten + + + Ökologischer Faschismus

“Die Parole ‘Revolution oder Tod!’ ist nicht länger der lyrische Ausdruck des revoltierenden Bewusstseins, in unserem Jahrhundert ist sie das letzte Wort des wissenschaftlichen Denkens. Sie trifft zu auf die Gefährdung der Art wie auf die Unmöglichkeit der Individuen, sich zu verbünden. In dieser Gesellschaft, in der die Selbstmordrate bekanntlich steigt, mussten die Experten unter Zögern zugeben, dass sie 1968 in Frankreich auf nahezu Null gefallen war. Dieser Frühling bescherte uns zudem, ohne genau dafür auf die Barrikaden zu gehen, einen schönen Himmel, da einige Autos abgefackelt wurden und es allen anderen am Benzin fehlte, die Luft zu verpesten. Wenn es regnet, wenn über Paris falsche Wolken hängen, lasst uns niemals vergessen, dass die Regierung Schuld daran ist. Die entfremdete industrielle Produktion macht den Regen. Die Revolution macht den Sonnenschein.”

Guy Debord, Ein kranker Planet (1971)

Die Apokalypse ist da

Insgeheim verlangt es uns alle danach, dass diese Welt zu einem Ende kommt. Der Mythos des Fortschritts war immer schon die große Illusion der westlichen Zivilisation gewesen, die Idee, dass der Fluss der Geschichte sich anschwellend und endlos in die Zukunft erstrecken würde.

Unseren Eltern machte die Zivilisation das Angebot von Häusern am Stadtrand, Computern und Autos. Und die Zivilisation lieferte sie. Den Kindern dieser ArbeiterInnen versprach die Zivilisation Leben auf dem Mond, künstliche Intelligenz und endlosen Frieden. All dies ist fehlgeschlagen. Während unsere Eltern noch immer verzweifelt glauben, dass sie die Hypotheken eines Tages zurückzahlen werden und glücklich in Rente gehen können, ist ihren verlorenen Kindern klar, dass dies eine Lüge ist. Die Welt bietet uns nichts an: Keine Jobs, keine Rast, keine Zukunft – nur Angst. Immer und immer wieder werden wir nicht nur mit den Bildern unseres eigenen Todes, sondern mit Bildern der totalen Zerstörung konditioniert wie die Ratten. Vom Einsturz des World Trade Centers zur Invasion von Außerirdischen, vom Gespenst des Atomkriegs zu Löchern in der Ozonschicht – und nun von schmelzenden Gletschern – schlagen diese Bilder ihre Wurzeln in unser Sein selbst. Sie sind nicht mehr als moderne Projektionen einer tiefsitzenden Phantasie aller Religionen: Der Apokalypse.

Die Apokalypse ist vor allem die Beziehung, die wir zu unserer Zeit haben. Die Apokalypse ist immer ein singuläres Ereignis in der Zukunft, so dass wir trotz einer Stimmung des bevorstehenden Untergangs eine seltsame Erleichterung darüber empfinden, dass die Dinge exakt so weiter laufen können wie bisher, vielleicht auf unbestimmte Zeit. Es gibt davon zwei geringfügig abweichende Varianten: Entweder wird diese Welt durch eine neue, eine glänzende und perfekte Welt ersetzt werden, oder sie wird ganz einfach enden, und überhaupt nichts wird darauf folgen. Immer aber geht das apokalyptische Denken davon aus, dass die gegenwärtige Welt an irgendeinem Punkt vollkommen zerstört werden wird. Somit gibt es keinen Grund, für diese Welt Sorge zu tragen, sie zu bewahren, sie zu erhalten.

Tatsächlich kann man diesen Planeten vergewaltigen, ohne auch nur ein Schuldgefühl zu hegen. Die Vision der Apokalypse rechtfertigt das Handeln der Ölbarone und Kohlefürsten, immer weiter Kohlendioxid (CO²) auszustoßen, um die gegenwärtige Lebensweise aufrecht zu erhalten und damit schnelles Geld zu machen. In eben diesem Wahnsinn paaren sich die christlichen apokalyptischen Kulte mit Interessen der Magnaten der fossilen Brennstoffindustrie. Eine zweite Option sieht im Staat den einzig möglichen Heilsbringer, der die Apokalypse verhindern kann, wenn nicht auf immer, so doch für ein paar Jahre mehr. Auf diese Art verlegt die apokalyptische Zeit jede Chance auf Veränderung weit in die ferne Zukunft, entnimmt unserem Leben jegliche Tatkraft, vergibt sie an irgendein übernatürliches oder wissenschaftliches Ereignis und negiert so die Möglichkeit einer allzu menschlichen Revolution in der Gegenwart.

Es gibt eine fatale Schwachstelle der apokalyptischen Zeit: Was, wenn die Apokalypse nicht das Ende der Zeit, sondern die Zeit des Endes ist? Was, wenn die Zeit des Endes das Hier und Jetzt ist? Die Apokalypse liegt nicht in der Zukunft, sie findet statt im gegenwärtigen Moment.

Die jähe Wirklichkeit der Apokalypse kann von niemandem angezweifelt werden, der oder die über einen längeren Zeitraum irgendeine Verbindung zu diesem Planeten unterhält, wie jene, die einen Garten haben. Nur in der verpuppten und betonierten Metropole, wo jede Verbindung zum weiten Feld nicht-menschlichen Lebens vor langer Zeit gekappt wurde, ist es möglich, nicht zu bemerken, dass sich die nicht-menschliche Welt in einem Stadium fortgeschrittener Zerstörung befindet. Seit Beginn der Aufzeichnungen stellte sich die Frage des Überlebens des Planeten niemals auf derart krasse Weise, und nie zuvor wurde solchen Nachrichten mit derartiger Gleichgültigkeit begegnet. Solange die Apokalypse nicht genau jetzt stattfindet, lächeln wir, zucken mit den Achseln und setzen unseren Alltag fort. Unsere Gesellschaft behauptete, von wunderbaren Kräften besessen zu sein. Diese Wunder nahmen perverse Formen an. Die Fische haben das Meer verlassen: Bald wird es in der Nordsee keinen Kabeljau mehr geben, denn die sich erwärmenden Ozeane vernichten das Plankton, das der Kabeljau frisst. Fruchtbares Land wird zur Wüste: Das Trockenfallen des riesigen Ogallala Grundwasserreservoirs, gewaltige Hitzewellen in Frankreich, Feuer in Griechenland. In diesem Zeitalter von Milch und Honig zu träumen ist absurd: Die Honigbienen verschwinden, hinterlassen leere Stöcke und bedrohen sogar die Zukunft der Blumen. Unsere Milch ist mit Wachstumshormonen belastet, unsere Kinder kommen immer früher in die Pubertät. Es gibt nichts Reines in dieser Welt, nicht einmal das Wasser aus den Flüssen können wir trinken. Unsere Vorfahren wären über alle Maßen schockiert, dass es eine so kurze Zeit brauchte, die Welt für die Menschheit unbewohnbar zu machen. Und das ist nur das Offensichtliche.

Die Apokalypse könnte allzu wirklich sein. Wenn Wissenschaft die neue Religion ist, so stellen die Wissenschaftler die gegenwärtige Entsprechung der Propheten dar, und der Klimawandel ist ihre sekuläre Apokalypse. Es ist daher verlockend, den Klimawandel als reine Rhetorik abzutun, als eine Art kollektiver Wahnvorstellung, die möglicherweise mit schändlichen Absichten propagiert wird. Aber die Wissenschaft hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Religion: Wissenschaft besteht aus zu prüfenden Hypothesen, die sich in Folge als richtig oder falsch herausstellen, womit Wissenschaft in einer stets eingeschränkten und doch stetig zunehmenden Annäherung an die Realität besteht. Selbst heute, da Mystizismus weit mehr als Wissenschaft die Welt beherrscht – man muss nur die Verkaufszahlen der Bücher über Physik mit denen über Astrologie vergleichen – gibt es einen heimlichen Verdacht, dass Wissenschaft tatsächlich eine Rolle spielt. Ihre Hypothesen führten zu allem Möglichen, von Heilstoffen gegen Malaria bis hin zu unbemannten Drohnen in Afghanistan. Von daher ist es ein Grund zur Besorgnis, wenn die Wissenschaftler selbst anfangen, wie verrückte Propheten über die Apokalypse zu sprechen. Das neue Hobby der Wissenschaft besteht darin, uns wie Erbsenzähler vorauszusagen, wie viele Jahre uns noch bleiben: Fünfzig, zwanzig, zehn, fünf.

Für jene, die sich erinnern können, dass unser Planet nicht nur in der politischen Geschichte, sondern auch in der geologischen Zeit lebt, hat eine Welle massiven Aussterbens begonnen, ein Ereignis, das treffenderweise als “anthropogenes” Artensterben bezeichnet wird. Im kommenden Jahrzehnt werden nahezu die Hälfte aller Arten verschwunden sein. Liegt darin vielleicht die Quelle des vagen Schuldgefühls und der Unfähigkeit, andere Arten auch nur zu würdigen, solange sie nicht in Comics oder Käfigen sitzen? Das einzige vergleichbare Artensterben der Erdgeschichte fand zu Ende des Paläozoikums vor fast zweihundertfünfzig Millionen Jahren statt. Damals starb nahezu alles Leben im Meer und dreiviertel aller Landtiere. Ursache dieses früheren “Großen Sterbens” war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung der Erde um 5-6 Grad. Große Vulkanausbrüche in Sibirien entließen enorme Mengen CO² und andere Treibhausgase in die Luft, was zu einer Erwärmung des Erdklimas führte, die bewirkte, dass das weit gefährlichere, im Eis gebundene, Methan freigesetzt wurde – ein Gas, das die zwanzigfache Wirksamkeit von CO² aufweist. Es besteht fortwährende Furcht, dass wir bald in Kreisläufe positiver Rückkopplungseffekte eintreten, dass Ereignisse wie die Zerstörung der Regenwälder zu einem unaufhaltsamen, explosionsartigen Hochschnellen der CO²-Emissionen führen, was den Klimawandel unausweichlich katastrophisch werden lässt. Schon heute haben wir Beweise, dass in Folge des Klimawandels der Permafrostboden in Sibirien abschmilzt, und das auf einer Fläche von Deutschland und Frankreich zusammen, und vielleicht bald schon Milliarden Tonnen Methan freigeben wird: Ein “Tipping-Point”, ein qualitativer Umschlagpunkt, geradewegs hinein in die Biokrise. Zum jetzigen historischen Zeitpunkt besteht die Apokalypse in einem sehr realen Artensterben, das verbunden ist mit etwas, das man nur als ein religiöses Zeitverständnis bezeichnen kann.

Um diese beiden verschiedenen Phänomene auseinander zu halten, können wir die tatsächliche, durch die extreme ökologische Zerstörung hervorgerufene Welle des Artensterbens “Biokrise” nennen, während wir den Begriff der “Apokalypse” für die vorgestellte Möglichkeit vom Ende der Welt reservieren sollten. Die Biokrise ist das Wahre im apokalyptischen Falschen.

Es gibt zweifellos etwas Religiöses in jenen Überzeugungen, mit den Berichten von schmelzenden Gletschern als Entsprechung zur flammenden Predigt und einem Emissionshandel, der an den Handel mit Ablassbriefen erinnert. Und es liegt eine Gefahr in der sekulären Hysterie über den Klimawandel: Die “Führer der Welt” wissen nur allzu gut, dass die Apokalypse der mächtigste aller Diskurse ist, geeignet, jede Gräueltat zu rechtfertigen. Im gleichen historischen Moment, in dem sich der Klimawandel zu einem realen Artensterben auswächst, ist er an etwas gekoppelt, das man nur als neuen religiösen Diskurs bezeichnen kann, eine apokalyptische Vision, die lange Zeit von der Aufklärung in Schach gehalten wurde. Da sich jedoch die Wissenschaft selbst vom sekulären Erlöser zum Schöpfer der Atombombe drehte, ist die Hoffnung auf eine strahlende Zukunft objektiv Irrsinn. Alles, worauf wir hoffen können, ist auf irgendein definitives “Ende” dieser Situation.

Die Apokalypse findet nicht in der Zukunft statt, sie findet hier und jetzt statt. Sie ist nicht das Ergebnis unserer persönlichen Sünden und sie ist nicht die “kollektive Verantwortung der Menschheit”. Der Klimawandel (oder Gott, oder was auch immer) bewirkt die Apokalypse. Die Apokalypse, das anthropogene Artensterben, die reale Biokrise allen Lebens, begann mit dem Anbruch unserer gegenwärtigen Lebensform: dem Kapitalismus.

Alle wissen, dass es die Aufgabe unserer Generation ist, die existierende Ordnung zu stürzen, aber so, wie die frühen Christen das Ende des Feudalismus in religiösen statt in politischen Begriffen beschrieben, ist unsere Generation unfähig, die offenkundige Notwendigkeit der Revolution anders als in der wissenschaftlichen Sprache des katastrophischen Klimawandels auszudrücken. Die engste Parallele zu unserer Ära sind daher die Bauernkriege des späten Mittelalters, als bäuerliche Aufständische das, was im Grunde das Verlangen nach einer sozialen Revolution war, in religiösen Begriffen fassten. Es dauerte Generationen, bis sich die Sprache der Menschenrechte herausbildete aus den Äußerungen der Bettler-Könige und ketzerischen Priester, dass Gott noch im niedrigsten Bauern gegenwärtig ist. Vielleicht liegt daher eine gewisse Ironie darin, wenn ein “Klimacamp” zur Reduzierung des CO²-Ausstoßes Blackheath besetzt, wo Jahrhunderte zuvor Wat Tyler und seine aufständische Bauernarmee beinahe die englische Monarchie stürzten: Die erste der gescheiterten Revolutionen der Moderne. Wie Engels feststellte, sollte es Jahrhunderte dauern, um eine ökonomische Sprache zu schaffen, die den Kampf Thomas Müntzers für “omnia sunt communia” – Alles ist Gemeinsames – in einer Weise auszudrücken vermochte, die ohne Gott verstanden werden konnte. Der erste Schritt, die gegenwärtige Ordnung zu stürzen, ist kein anderer: Aus der Sprache des katastrophischen Klimawandels eine neue Sprache des Aufstands zu formulieren.

Es gibt eine geheime Bedeutung der Apokalypse. Sie ist nicht das Ende der Zeit, sondern das Ende dieser Zeit. Nicht das Ende der Welt, sondern das Ende dieser Welt.

Der Kapitalismus ist nicht mehr als das historisch kontingente Verhältnis von uns selbst zu unserer Zeit. Die Apokalypse ist ein Mythos, der es der gegenwärtigen Katastrophe Kapitalismus erlaubt, ungebremst weiterzumachen. Indem das Ende der Zeit in die Zukunft projiziert wird, geht alle menschliche Tatkraft im Hier und Jetzt verloren. Wenn die Apokalypse auf ewig in der Zukunft liegt, wird unsere Gegenwart auf ewig eingefroren. Jegliche Tatkraft kann nur an irgendeinen deus ex machina vergeben werden, sei es Gott oder der Staat, der die Apokalypse hervorrufen und sie zugleich für immer verhindern wird. Die kleine Verschiebung besteht darin, den Blick von der Apokalypse zu lösen, sich der Unermesslichkeit der Biokrise in der Gegenwart Gewahr zu werden und zu handeln, um die Zerstörung des Lebens durch den Kapitalismus zu verhindern. Die Tatkraft kehrt zurück, unser Verhältnis zu unserer Zeit wendet sich und selbst die Geschichte wird erlöst. Die Vergangenheit wandelt sich von der Geschichte gescheiterter Revolutionen in die Geschichte der Revolutionen – der Bauernrevolten, der Pariser Commune, des Spanischen Bürgerkriegs, der Kämpfe der Seminolen und der Ludditen – die jederzeit in einen tatsächlichen Bruch gipfeln kann. Die Zukunft wandelt sich von einem trostlosen Nichts in eine fortwährenden Serie von Chancen des Lebens, sich durchzusetzen. Die Gegenwart wandelt sich von einem gefrorenen Moment der Verzweiflung ins Hier und Jetzt, durchzogen von Intensität. Mit dieser kleinen Verschiebung kehrt eine bestimmter Beschleunigung des Blutes zurück, die seit langem von der Welt verschwunden geglaubt wurde, denen gegeben, deren Leben für das Überleben der kommenden Generationen gegeben wird. Daher gibt es nicht nur die Möglichkeit der Revolution, vielmehr tauchen wirkliche Revolutionäre auf, und mit ihnen eine Art der Erlösung, die nicht in der Zukunft liegt, sondern im Hier und Jetzt.

Das Spektakel des Grünen Kapitalismus: Von Märkten und CO²-Märkten

Es ist einfach anzunehmen, dass es keine Alternative zu unserer Form des Lebens gibt, dass die Art und Weise, wie wir im derzeit leben, einfach die Widerspiegelung der Art und Weise ist, wie die Dinge sind.

Dieses alltägliche Verständnis beinhaltet die nicht allzu versteckte Grundannahme, dass die Gegenwart sich unendlich in die Zukunft ausdehnen wird, was zugleich einen gewissen Komfort und ein Gefühl des Eingesperrtseins bietet. Die Zukunft wird ewig währen. Oder zumindest tat sie das. In Zeiten der Krise kehrt ein Raum der Freiheit zurück, die Möglichkeit eines Bruchs mit dem Bestehenden öffnet sich. Die Geschichte, lange Zeit in traurige Lehrbücher verbannt, kehrt frisch und lebendig zu uns zurück. Wegzuschieben, was uns am Nächsten ist, unsere Form des Lebens selbst, sie objektiv zu betrachten – das mag unmöglich erscheinen. Doch das ist es nicht: Der erste Schritt besteht darin, unserer Form des Lebens einen Namen zu geben, sie als etwas Endliches in Zeit und Raum zu identifizieren, als etwas, das enden kann. Und diese andauernde Gegenwart, deren einziger Vorzug in der Gewissheit ihrer eigenen Zerstörung besteht, hat einen Namen: Kapitalismus.

Kapitalismus basiert auf einer Gleichung, die so einfach ist, das jedes Kind sie verstehen kann: Technologie plus menschliche Arbeit plus Rohstoffe schafft Waren. Diese Waren können entweder weitere Technologien für die Produktion sein – ansonsten als Kapital bekannt – oder Waren für den Konsum. Das eiserne Gesetz des Werts besagt, dass alles zur Ware werden kann, zu einem gewissen Wert getauscht, der, verkörpert als Geldwert, im Preis steckt. Waren werden nicht getauscht, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um mehr Wert für den Kapitalismus anzuhäufen. Als trivialen Nebeneffekt der industriellen Produktion erzeugen die Warenströme Ströme von CO², und folglich ist die Zerstörung unseres gesamten Ökosystems in dieser kleinen Gleichung des Kapitalismus enthalten. Die sich konstant verkleinernde Terme in unserer Gleichung sind die endlichen “natürlichen” Ressourcen unserer Erde, die sich an ihrem wilden asymptotischen Ende in das real mögliche Aussterben der großen Mehrheit des gegenwärtig existierenden Lebens auf diesem Planeten übersetzen.

Die unausweichliche Logik des Kapitalismus ist es daher, alle Bereiche des Lebens zu kolonisieren und allem Gemeinsamen einen Privateigentümer und einen Wert zuzuweisen. Diese zweifache Operation muss stattfinden, damit die frisch bewertete Ware auf dem Markt getauscht werden und mehr Profit produzieren kann, wodurch sie Wert und Kapitalismus ausweitet. Der Klimawandel ist schlicht symptomatisch dafür, das der Kapitalismus die Grenzen seiner Expansion in die Welt der natürlichen Ressourcen erreicht, die vor dem Kapitalismus entstanden ist. Von daher passt es, dass eine totalisierende Krise wie der Klimawandel mit einem totalisierenden Produktionssystem, wie es der Kapitalismus ist, Hand in Hand geht. CO²-Emissionen sind ein Nebenprodukt des Kapitalismus, wie Fäkalien ein Nebenprodukt der menschlichen Ernährung sind, da die energieintensiven fossilen Brennstoffe die primäre Quelle der billigen Energie sind, die sich der Kapitalismus zunutze macht. Doch auch ein Stopp der CO²-Emissionen könnte die vom Kapitalismus verursachte, totalisierende Biokrise nicht aufhalten.

CO²-Emissionen und Klimawandel sind nur ein Symptom der vom Kapitalismus verursachten Zerstörung. Klimawandel als isoliertes Phänomen zu betrachten ist albern. Selbst wenn das Verbrennen fossiler Brennstoffe keinen Klimawandel verursachen würde, wäre es noch immer krebserregend für Menschen, würde es weiterhin die Ozeane und die Atmosphäre verschmutzen, todbringende Autos und Raketen antreiben und das Rohmaterial für alles mögliche stellen, von der Einweg-Plastiktüte bis zu nutzlosem Spielzeug. Der Kahlschlag der Regenwälder reduziert nicht nur die Fähigkeit des Planten, CO² zu binden, er rottet unzählige Arten aus, vertreibt Indigene aus ihrem Zuhause, zerreißt ihre Lebensformen und zerstört noch die Möglichkeit der Freude, die viele Menschen daran haben, draußen zu sein.

Während ein “grüner”, CO²-neutraler Kapitalismus zwar unwahrscheinlich, aber durchaus möglich sein könnte, würde auch ein solcher CO²-neutraler Kapitalismus die lebendigen natürlichen Ressourcen unerbittlich in totes Kapital verwandeln.

Wenn es nicht das CO² ist, wird es die Vergiftung des Wassers, die Zerstörung der Atmosphäre, des Lebens selbst sein, das dem Heißhunger des Kapitals nach der Reproduktion von Waren geopfert wird, selbst wenn dies das Ende für die Reproduktion des Lebens bedeutet. Der Kapitalismus ist der Ursprung der Biokrise, jener jüngsten und letzten Krise des Kapitalismus.

Die Logik der Krise ist die Logik des Kapitalismus, und der Kapitalismus befindet sich seit Jahrzehnten in einem Zustand der Krise, auch wenn dies erst in der Finanzkrise von 2008 offenkundig wurde. Als bei weitem produktivstes soziales System, das die Welt je gesehen hat, bedingt der Kapitalismus eine Über-Produktion, die zu einer Über-Akkumulation von Kapital führt. In jedem Sozialsystem, das sich um das Überleben der Menschheit und der Welt dreht, würde dies als ein Wunder angesehen werden: Die Hungrigen könnten ernährt, die Obdachlosen mit Wohnraum versorgt werden, die Kreativität der Menschheit wäre nicht an rein materielle Sorgen gefesselt. Doch in der perversen Logik des Kapitalismus bedeutet die Über-Produktion eine Krise: Es wird schwerer und schwerer Profit zu machen, wenn die Waren immer billiger gemacht und den ArbeiterInnen immer weniger gezahlt wird. Der einzige Weg aus der Krise ist es entweder, einen Krieg zu führen, der Kapital zerstört – die Weltkriege waren offensichtlich die Lösung der Weltwirtschaftskrise – oder durch irgendeine Form der Hexerei neue Waren zu erfinden.

Nur ein Ereignis nahezu göttlichen Ausmaßes ist in der Lage, den Glauben an Kapitalismus und Staat wieder herzustellen, und glücklicherweise ist ein Wunder im Anzug: Der katastrophische Klimawandel.

Von Greenpeace bis Obama wird als Lösung des Klimawandels, wenig überraschend, die Expansion des Kapitalismus in die Atmosphäre angepriesen, der CO²-Handel. Indem Kohlendioxid auf magische Weise ein Wert beigemessen wird, der getauscht werden kann, sollen die CO²-Emissionen sinken. Dies aber widerspricht allen vorangegangenen Erfahrungen ebenso wie den Grundsätzen des Kapitalismus selbst. Die Schaffung eines weiteren Marktes wird zweifellos zu einer Ausweitung der kapitalistischen Produktion führen, was die ökologische Zerstörung nur beschleunigen wird. Während der Kapitalismus herausgefunden hat, wie einfache materielle Bedürfnisse wie Schuhe oder Kohle mit einem Wert versehen werden können, wird der Preis für CO² schlicht aus dünner Luft gemacht. Nur allzu deutlich erinnert der CO²-Preis im Emissionshandel an das Bewerten von “Risiken” an den Finanzmärkten. Dieses Unvermögen, einen adäquaten Wert zu bestimmen, ist schlicht und einfach das Rezept für einen zügellosen Boom von Betrug und Spekulation, gefolgt von einem durchschlagenden Crash. Der Markt für CO² ist nicht anders als der Finanzmarkt, wie das Scheitern des Emissionshandels der EU, eines Produkts des Kyoto-Protokolls, schon jetzt in aller Klarheit demonstriert. CO²-Märkte bedingen mehr Produktion, und somit mehr CO², was wiederum das kollektive Todesurteil in der Biokrise bedeutet. Wie kann Kohlendioxid ein Preis zugeschrieben werden? Wie kann man die fortwährende Existenz des menschlichen Lebens, wie wir es kennen, mit einem Preis versehen? Der Markt verlangt nach Antworten auf diese Fragen. Ein Auto niederzubrennen ist ökologisch nachhaltiger als der CO²-Handel; es ist genau die Herstellung und der Fluss von Waren, der die Zukunft des Lebens auf diesem Planeten bedroht.

Es muss sich um eine nahezu religiöse Kraft handeln, die die Leute im Bann des Kapitalismus hält.

Diese Kraft wird von Guy Debord “Spektakel” genannt – Werbung, Fernsehen, Blogs, Webseiten, Videospiele – das nichts weiter ist, als eine Ansammlung von Bildern, die als offenbarte Religion des Kapitalismus dient. Sartre merkte an, dass er niemals Perfektion sah, bevor er einen Film gesehen hatte. Die Welt der Werbung ist so zentral für uns wie die Welt von Christus und seinen Engeln für unsere Vorfahren. Das Spektakel bedeutet, dass die Beziehungen zwischen Menschen nicht lediglich durch Waren vermittelt werden, sondern durch Bilder, die das Kapital herstellt. In dem Moment, indem sich die Kapitalakkumulation auf der Suche nach immer neuen Märkten zu immer absurderen Höhen aufschwingt, kolonisiert das Kapital das soziale Leben der Menschen selbst. Der Kapitalismus ist in der Lage, unser soziales Leben in genau dem gleichen Ausmaß zu kolonisieren, wie er jede andere Form des Lebens zu kapitalisieren vermag. Ein Schritt in dieser Kolonisierung war es, die Multitude ihrer traditionellen Lebensformen zu berauben, um sie in den Fabriken an die Arbeit zu schicken. Doch irgendwie hatten die ArbeiterInnen nach der Arbeit wieder ihre Freude, warfen ihre Arbeitsklamotten ab und wurden wieder menschlich: Sie spielten Musik in der Bar, träumten im Park, lagen einander in den Armen. Um nun immer mehr Profit zu extrahieren, wurden die Arbeitsstunden immer länger und die Fließbänder immer perfekter. Doch es wurde eine Grenze erreicht im klassischen Kapitalismus. Um mit der Produktion endloser Waren fortzufahren, muss der Kapitalismus heute jegliche menschliche Zeit, jede menschliche Kultur kolonisieren. Ein neues und schreckliches Gefängnis der Vorstellungskraft wird den Menschen über das perfekte Bild der Ware aufgezwungen, rund um die Welt von den Massenmedien elektrisch übertragen. Dieses Bilder von Waren leiten nun unser kollektives menschliches Handeln. Diese globale Ansammlung unverbundener Bilder von Waren und Superstars bildet dann die abstrakte Einigkeit, welche die fragmentierte Menschheit zusammenhält und die sehr realen Trennungen von Macht und Wohlstand maskiert. Über Jahrzehnte produzierte der Kapitalismus in Form der sexy jungen Leute, die in alle Ewigkeit glänzende neue Dinge konsumieren, immer nur das Spektakel seiner Perfektionierbarkeit, die Bilder des von ihm produzierten Mülls wurden stets ausgelassen.

All die offensichtlichen Ursachen und Ergebnisse des Kapitalismus wurden kunstvoll verborgen, von den Millionen Kilogramm Plastik in den Ozeanen zu den endlosen Hektar Wald, die auf Baumstümpfe reduziert wurden. Da der Prozess der Entnahme natürlicher Ressourcen auf einem endlichen Planeten nicht endlos voranschreiten kann, ohne irgendwelche physikalischen Nebeneffekte zu bewirken, die letztendlich noch die hypnotisiertesten Arbeiter aus ihrem spektakulären Schlummer erwecken wird, kann sich das Spektakel nicht länger als Bild des Himmels auf Erden präsentieren. Die von den Waren versprochene Glückseligkeit verwandelt sich in Terror. Der Traum des Kapitalismus wird zum Albtraum, zum Bild der Apokalypse.

Im Zeitalter der Apokalypse muss sich das Spektakel umkehren. In der Analyse Debords stellte das Spektakel, als Ansammlung von Bildern, den Gipfel des industriellen Kapitalismus dar, das Symbol seiner totalen Macht. Heute findet erneut eine durchaus materielle Umgestaltung des Kapitalismus statt, und ihr erster Schritt ist in der Transformation der Bilder des Spektakels zu sehen. Mit Filmen von Al Gore, den Appellen von Wissenschaftlern verbunden mit Aufnahmen der letzten Eisbären, die sich verzweifelt an den letzten Gletschern festhalten, werden die Bilder der Apokalypse endlos wiederholt. Diese Bilder sind keine unschuldigen Abbilder der Wirklichkeit, sie stellen eine bewusste Manipulation unseres Innenlebens dar, um uns zu willigen Sklaven der Transformation des Spätkapitalismus in einen Grünen Kapitalismus zu machen. Der Grüne Kapitalismus ist nicht mehr als die spektakuläre Form des Kapitalismus, der seine eigene Rolle im Konsum der natürlichen Ressourcen leugnet. Das Bild des Grünen Kapitalismus als technologischem Messias der letzten Tage, der eine machtlose Menschheit von der Apokalypse erretten muss, produziert wieder einmal nur eine falsche Einigkeit, welche bloß die tatsächliche Trennung maskiert zwischen jenen, denen das Ganze nutzt und der großen Mehrheit der Menschen auf der Welt, die unter der ökologischen Zerstörung leiden.

Eine Greenpeace-Anzeige in der New York Times: “Es war nicht das Fahrverhalten des Kapitäns der Exxon Valdez, der die Ölkatastrophe in Alaska verursachte, sondern das deine.”

Jedes Verlangen nach einer genuin sozialen Revolution wird auf die asketische Selbstverwaltung des Individuums umgeleitet, die Sorge für sich selbst. Erinnern wir uns, dass Self-Management nicht mehr ist als Verwaltung, mit einem Hauch selbstgerechtem Puritanismus. Nur die Gerechten werden errettet werden, und deine CO²-Emissionen sind eine perfekte Art deine Sünden zu messen. Google hat sogar mit der Produktion von Instrumenten begonnen, die die Selbstverwaltung unseres persönlichen Stromverbrauchs und, zweifellos bald, unserer CO²-Emissionen ermöglicht. Die wahre Erlösung ist es heute, “CO²-neutral” zu sein, oder, “realistischer”, eine Reduzierung des CO² um 50%, um 65%, um 85%. Diese Ziele setzen auf all den Fanatismus der Abmagerungskuren und der Selbstgeißelung. Natürlich ignoriert diese perfekt entfremdete Lösung für den Klimawandel den offensichtlichen Widerspruch, dass ein einzelnes Individuum, das seine oder ihre Emissionen reduziert, wenig bis keine Wirkung hat. Das Ausstöpseln eines Telefonladegeräts etwa reduziert den Energieverbrauch höchstens zu einem Hundertstel von einem Prozent. Hier ist eine dunklere Agenda am Werk. Denn die Weltbevölkerung ist derart enorm, so riesig, dass es unvorstellbar ist, sich auszumalen, diese Multitude zu kontrollieren und in einen Grünen Kapitalismus zu zwingen. Die neuen Sklaven müssen aus freien Stücken in den Grünen Kapitalismus eintreten, sie müssen sich selbst verwalten und sich selbst von allen unreinen Gedanken an Kommunismus und Gewalt reinigen; solche Gedanken müssen als Ergebnis irgendeines neuro-chemischen Defekts oder eines Kindheitstraumas angesehen werden.

Der Grüne Kapitalismus muss sich unter allen Umständen weigern, zuzugeben, dass unsere Produktionsweise für die CO²-Emissionen verantwortlich ist, da diese schreckliche Hypothese zu der offenkundigen Schlussfolgerung führen würde, dass ein solches Gebäude eingerissen werden muss und dass es diejenigen waren, die davon profitieren, dass es die globale Bourgeoisie war, die den katastrophischen Klimawandel tatsächlich verursacht hat. Sie versuchen sich aus der Affaire zu ziehen, indem sie die Schuld an der kommenden Apokalypse einer “kollektiven” Menschheit geben, welche die industrielle Produktion genutzt habe, um ihre “gemeinsamen” Bedürfnisse auf Kosten der Umwelt zu befriedigen – was die historischen Tatsache ignoriert, dass der Klimawandel nicht von der Menschheit als Ganzes herbeigeführt wurde, von jener großen Mehrheit, die unter Tritten und Schreien in die Fabriken und Sweat-Shops gezerrt wurde, sondern vom Kapitalismus, der so eng verflochten ist mit der industriellen Produktion. Tatsächlich offenbaren CO²-Emissionen und Klimawandel etwas, das man nur als Klassenaufspaltung bezeichnen kann: Die CO²-Emission eines Jet-Set-Geschäftsmanns aus England oder Qatar überflügeln die von tausenden Erwerbslosen, sei es in den USA oder in Guatemala, die von der planetaren Bourgeoisie ausgeschlossen wurden, und all der Arbeiter, die von eben jener planetaren Bourgeoisie in den Fabriken von China und Brasilien versklavt werden.

Niemals wird die industrielle Produktion selbst in Frage gestellt. Vielmehr wird ein ganzer neuer Markt von Waren für den Profit produziert: Vom Elektroauto zum “gerecht gehandelten und CO²-neutralen” Café Latte, deren Produktion die reale Krise der natürlichen Ressourcen nur verschärft, während sie dem Ego einer neuen grünen Bourgeoisie schmeichelt, die sich solche edlen Produkte leisten kann, indes der Rest der Welt in Food-Riots zu Boden geht. Grüne Restaurants, grüne Flughäfen, grüne Banken; früh genug wird es auch grüne Gefängnisse und grüne Folterkammern geben.

Diejenigen, die den Staat anrufen, dass er eine Lösung finden soll, blenden aus, dass Lösungen, welche eine weitere Besteuerung der arbeitenden Klasse und der Armen in Form von CO²-Krediten und grünen Sparmaßnahmen beinhalten, nur die zunehmende staatliche Kontrolle unseres täglichen Lebens herbeiführen wird. Diese Rufe nach dem Staat werden einzig und allein dazu genutzt, die Macht des Staates und die Einträglichkeit des Kapitals zu konsolidieren, auch wenn die genutzten Technologien “grün” sind. Es ist lächerlich, um die “kapitalistische Verwaltung” einer Krise zu bitten, die der Kapitalismus selbst geschaffen hat. Wie Debord sagte: Wenn du dem Spektakel vom “Ende der Welt” nicht behilflich sein willst, musst du daran arbeiten, die Welt des Spektakels zu beenden. Es wird mehr brauchen als eine Veränderung unserer Feriengewohnheiten, um die Welt für kommende Generationen zu erhalten.

Diese neue Ära des Kapitalismus wird nicht von einem militärischen Krieg eingeläutet, sondern von der Verallgemeinerung der Konflikte niedriger Intensität, der die Gesamtheit des Lebens umfasst: Der soziale Krieg.

Zunehmende Polizeigewalt, Überwachung und biometrische Ausweise sind einfach nur Taktiken dieses sozialen Krieges gegen den “Inneren Feind”: gegen AnarchistInnen, arbeitslose Jugendliche und MigrantInnen. CO²-Obergrenzen und Emissionshandel werden einfach nur als Ausrede dienen, den Armen dieser Welt neue Sparmaßnahmen aufzuerlegen. Es wird den umfassenden Einsatz von Solarenergie und die Rückkehr der Atomenergie erfordern, um die Lebensform der Bourgeoisie auch nur in den privilegiertesten Ländern aufrecht zu erhalten, währenddessen der Rest der Welt dem Hungertod überlassen werden muss. Tatsächlich stellt der Grüne Kapitalismus heute eine neue Moral dar, die sich morgen in Sparmaßnahmen für die Armen der Welt niederschlagen wird. In allen Ländern wird die Metropole aufgeteilt werden in “Grüne Zonen” für die planetare Bourgeoisie und weite Schwaden des Ausschlusses.

Die Ausbreitung der Sabotage als Offensive im verallgemeinerten sozialen Krieg ist das vielversprechendste Feld des Kampfes gegen den Kapitalismus.

Diejenigen die heute kämpfen sind ohne jeden Zweifel Kinder der letzten Generation, die noch wirklich an den Kapitalismus glaubt. Denn die Jugend hat heute keine Hoffnung. Wenn ein paar sterbende alte Männer die Apokalypse herbeiführen wollen, müssen ihre Kinder den Aufstand herbeiführen. Vielleicht treffen sich ihre Kinder des Nachts in schwarzen Masken. Vielleicht werden diese neugeborenen Saboteure aber auch im hellen Tageslicht operieren, gekleidet als Flugbegleiter und Bauarbeiterinnen, Studentinnen und Barkeeper, Buchhalterinnen und sogar… als Polizist. Die Frage ist, wie der Ausstoß von CO² und die Warenflüsse blockiert werden können, um die ökologische Zerstörung aufzuhalten. Die Flüsse blockieren – nicht nur für den Moment – für alle Zeit. Keine Kompromisse in der Verteidigung der Erde.

Ökologischer Faschismus

“Wir haben unsere Umwelt derart radikal umgestaltet, dass wir nun uns selbst umgestalten müssen, um in dieser neuen Umwelt zu existieren.”

Norbert Werner (1894-1964)

Andere Welten sind möglich, nur, dass einige noch schlechter sind.

Faschismus ist der logische Fluchtweg des Kapitalismus aus der Krise. Der Zyklus der Krise, die zum Faschismus führen kann, sieht wie folgt aus: Die innere Dynamik des Kapitalismus, basierend auf eigennützigen Interessen und Profit, kann die Krise der Überakkumulation nicht überwinden; einzig eine massive Revolution der Produktionsweise und der sozialen Beziehungen weist einen Weg hinaus. Die exakt gleichen Bedingungen, die eine Revolution gegen den Kapitalismus hervorbringen können, rufen seine Verwandlung in den Faschismus hervor. Faschismus ist das Modernisierungsprojekt des Kapitalismus in der Krise. Wir sollten nicht vergessen, dass es Hitler war, der im spät gegründeten deutschen Nationalstaat – der im Hinblick auf Modernisierung über Jahrhunderte hinter dem Rest Europas hinterherhinkte – Autobahnen baute, Fabriken, und sogar die Schrift modernisierte. Der Nationalsozialismus tat, was die Bourgeoisie mit ihrem eigenen Apparat unfähig war zu tun, namentlich, die sich am meisten widerstrebenden Gesellschaftsformen zu beherrschen und sie in einer neuen Einheit zu organisieren. Wie Politiker heute versprachen die Faschisten zynischerweise allen alles, selbst wenn dies Widersprüche mit sich brachte: So fand der Faschismus letztlich Resonanz in der Bevölkerung und führte sie mit dem Arsch voran im langfristigen Interesse des Kapitalismus. Als Antwort auf den Klimawandel wird so gut wie sicher eine neue Art Faschismus aufkommen, entweder, da der Kapitalismus darin scheitert, sich selbst in einen grünen Kapitalismus zu reformieren, oder, was wahrscheinlicher ist, weil die Unterschiede von Faschismus und Kapitalismus verschwimmen. Die rechten Eiferer haben ein Körnchen Wahrheit gefunden, wenn sie erklären, dass sie die neue “grüne” Regierung nicht leiden können, die sie davon abhalten wird, Feuer auf ihrem eigenen Hinterhof zu machen. Wenn man davon ausgeht, dass CO²-Märkte die CO²-Emissionen nur noch steigern werden, würde die vorgebliche Lösung des Problems Klimawandel in Form einer strikten CO²-Reduzierung nicht weniger erfordern als einen autoritären Staat mit Kontrolle über alle Facetten des Lebens. Im Namen der “Rettung des Planeten” werden wir uns selbst unterwerfen, um uns der neuen Kollektivität des Staates in Form des Öko-Faschismus anzuschließen.

Der Öko-Faschismus ist eine Warnung, und da er nur eine kommende Bewegung ist, können wir gegenwärtig keine perfekte Beschreibung anbieten sondern nur eine Skizze seiner Keime.

Die Anzeichen sprechen für sich. George Monbiot, einflussreicher britischer Journalist, sagte seinen ergebenen Fans, dass wir, um die globale Erwärmung zu stoppen, für selbstauferlegte Sparsamkeit auf der Straße kämpfen müssen. Niemals zuvor trat die neue Form des Öko-Faschismus klarer zutage. Faschismus besteht im Kopieren revolutionärer Organisierung durch die Konter-Revolution und der Öko-Faschismus wird darin keine Ausnahme machen. In den 1930ern adaptierten die Nationalsozialisten die Techniken des revolutionären Kommunismus wie die Massenversammlung, den Straßenkampf sowie das Verlangen nach Kollektivität. Die Methodologie des Kommunismus wurde pervertiert, weg von seinen Zielen einer neuen Internationale zum Dienst an Volk und Land. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass der Öko-Faschismus sich darin unterscheiden wird, auch wenn die Quelle seiner neuen Organisationsform der Anarchismus, nicht der Kommunismus sein wird. Als vordergründiges Beispiel kann genannt werden, dass die Faschisten in Deutschland und Bulgarien die Kleidung und selbst die Taktiken des anarchistischen Schwarzen Blocks übernommen haben. Wichtiger ist jedoch ein weniger oberflächliches Beispiel: Anarchistische Subkulturen bildeten die Avantgarde im Übernehmen der vollen persönlichen Verantwortung für persönlichen Konsum, dafür, sich selbst zu “strafen” für das Trinken von Coca Cola, das Essen von Fleisch, den Gebrauch der “falschen” Worte. Es ist daher kein Wunder, dass einige der anarchistischen Subkulturen die ersten waren, die dem Spektakel der Selbstverwaltung im Namen der “Rettung der Umwelt” zum Opfer fielen. Der individualistische Moralismus des Anarchismus kann leicht zu Öko-Faschismus transformiert werden, während die wesentlichen ethischen Fragen weiter ignoriert werden. Diese Methoden der Selbst-Kontrolle, nun rigide erzwungen als Sparmaßnahmen, werden die erste Phase des Öko-Faschismus sein, und dieser Moralismus wird jede Repression gegen die soziale Revolution rechtfertigen. Das Markieren derjenigen, die zuviel konsumieren, derer, die nicht wirklich glauben, derer, die ihre CO²-Kredite überziehen, derer, die erzwungenen Sparmaßnahmen die Stirn bieten, kombiniert mit der Bespitzelung der Nachbarn, militarisierten Grenzen, Lagern für Klimaflüchtlinge… dies ist der Albtraum der Anfänge des Öko-Faschismus. Monbiot und der Rest der planetaren Bourgeoisie sollten sich in ihren hübschen Ökodörfern zuprosten – mit einem Glas selbst angebauten Wein aus Cornwall – da nichts von alledem ihre ach so perfekte grüne Zone stören wird. Ihre Rekuperation des Anarchismus ist fast schon zu perfekt.

Der Kapitalismus fragmentiert unser Leben in tausend kleine Stückchen, der Faschismus bietet an, unser Leben in einer neuen Art Kollektivität wieder zusammenzufügen.

Der Faschismus macht uns das Angebot, es uns zu überlassen, uns als Individuen für das angebliche Allgemeinwohl der Art, der Gruppe, der Nation, selbst abzuschaffen… In Wirklichkeit jedoch versklavt er uns lediglich unter die Herrschaft einer kleinen Clique, eines Führers, eines Propheten. Aus der weitverbreiteten Angst, die jede Krise verursacht, zieht der Faschismus seinen Vorteil aus dem Verlangen der Menschen zu überleben, indem er ihnen anbietet, sie zu beherrschen, um ihr Überleben zu sichern. Wie kommt es, dass wir nach unserer eigenen Beherrschung verlangen? Angst und, in der Krise, die Anziehungskraft der Macht. Es gibt etwas befremdlich wohliges, gar erotisches, in der Unterwerfung des eigenen Selbst unter ein Kollektiv. Anders als der Anarchismus, der Kollektivität auf Grundlage von Assoziation und gegenseitiger Hilfe freier Individuen kreiert, gründet der Faschismus diese neue kollektive Form des Lebens auf der abstrakten Herrschaft eines einzelnen Individuums: Daher der Hang des Faschismus für Figuren wie Hitler oder Mussolini; die gleiche Dynamik trifft auf Stalin und Pol Pot zu. Nicht dazu geneigt, die grundlegenden sozialen Herrschaftsbeziehungen zu verändern, weist der Faschismus konkreten Gruppen von Individuen die Schuld zu. So personifizieren die Öko-Faschisten den Kapitalismus in bestimmten Individuen oder ethnischen Gruppen: Die Vision der Verschwörungstheoretiker vom jüdischen Bankiers gibt die perfekte Vorlage ab. Unglücklicherweise wird dieses “Bilder-Denken” im völligen Zusammenbruch des sozialen Lebens durch das Spektakel nur allzu leicht verstanden. In Abwesenheit wirklicher sozialer Beziehungen wird die Loyalität auf das Bild der Nation, der Rasse, des Gemeinwohls, des Reinen projiziert. In dieser neuen Ära schwindender Ressourcen werden Immigranten vermutlich die erste ethnische Gruppe sein, die darunter zu leiden hat. Wer außer uns Chinesen sollte ihnen zeigen, wie die Bodenschätzen ihres Landes abzubauen sind! Kauft bei Amerikanern! Die Tragödie ist, dass solche Aufrufe mit jedem Tag mehr Resonanz finden, da die jeweiligen Fraktionen der globalen Kapitals diese Fiktionalisierungen nutzen, um ihre einheimischen Bevölkerungen zu manipulieren, weil sie selbst um die künftige Kontrolle des Planeten kämpfen und diese zugleich koordinieren. Nach dem Tod Gottes ist Faschismus das Opium des Volkes, zumindest im Westen.

Das trommelnde Herz des Faschismus war immer schon die Ökologie

Der Traum einer grünen und fruchtbaren agrarischen Welt, ein Traum, der vom Kommunismus idiotischerweise verworfen und bis vor wenigen Jahrzehnten nur vom Anarchismus am Leben gehalten wurde, wird als gegebene Verbindung von Blut und Boden gesetzt. Sie befriedigt das Bedürfnis des Öko-Faschismus nach einer historischen und transzendenten Essenz, auf der er seine abstrakte Einigkeit gründen kann: Die Beziehung zwischen Land und Leuten. Ökologie wurde von ihrem Gründer Ernst Haeckel definiert als “die totale Wissenschaft von den Verbindungen der Organismen zur umgebenden externen Welt”. In einer Fehlinterpretation Darwins glaubte Haeckel, dass nur die Stärksten – seien dies nun Individuen oder Nationen – überleben würden, da er annahm, dass die gleichen “Gesetze” für die natürliche Welt wie für das soziale Leben Gültigkeit besäßen, kurz: Sozialdarwinismus. Und so wurde Haeckel zu einem Befürworter der rassischen Reinheit und trat der Thule-Gesellschaft bei, eine jener Geheimgesellschaften, die Vorreiter der faschistischen Ideologie waren. Hitler errichtete auf der Doktrin der Thule-Gesellschaft das ideologische Fundament des Nationalsozialismus. Der Nazismus sei “politisch angewendete Biologie”, um die Menschheit wieder in Harmonie mit der Umwelt zu bringen. Indem sie ein reines ökologisches Ideal der großstädtischen Anomie des Kapitals gegenüberstellten, waren die Faschisten die ersten, die Ökologie und Politik wirksam miteinander verschmolzen. Die Verbindung zwischen Volk und Land musste erneuert und bereinigt werden, und in diesem Kontext bedeutete das die Ermordung derer, die außerhalb der faschistischen Kollektivität standen. Dieses Denken würde sich nur allzu leicht in die Grenzregime fügen, die rund um die Welt errichtet wurden. Aber Leute wie Kaarlo Linkola, der sich gegen den Kapitalismus der freien Märkte und unbegrenztes Wachstum ausspricht, träumt sogar von noch beunruhigenderen Zukunftsszenarios. In seinem preisgekrönten Buch “Könnte das Leben siegen” gibt er dem Glauben Ausdruck, dass die Menschheit, um die Biokrise zu überleben, aus der Stadt in die landwirtschaftliche Produktion gezwungen werden müsse, Bäume müssten gepflanzt, alle Flugzeuge zu Boden gebracht und die Bautätigkeit gestoppt werden. Während diese Dinge so schrecklich nicht zu sein scheinen, tatsächlich sogar notwendige Schritte zu einer Welt ohne Kapitalismus… fügt Linkola ohne Luft zu holen hinzu, dass Kinder, die für untauglich gehalten werden, getötet werden sollten.

Faschismus ist die technophile Ideologie der Apokalypse

Die Vision einer grünen und harmonischen Zukunft, die als Kern des Faschismus dient, wird stets in einer entfernten und niemals wirklich anbrechenden Zukunft realisiert werden, alle technologische Macht jedoch, die unter dem Kapitalismus entwickelt wurde, soll unmittelbar jetzt zum Einsatz kommen, wieviel Leben es auch koste. Der Faschismus ist insofern apokalyptisch, als er die gegenwärtige Welt im Hier und Jetzt zerstören muss, um ihren perfekten Zustand in einer unendlich aufgeschobenen Zukunft wiederherzustellen. Dies erklärt seine scheinbare Schizophrenie, den Kontrast zwischen den Schloten von Auschwitz und den Anordnungen, überall in Nazi-Deutschland mit biologischem Anbau zu beginnen [1]. Tatsächlich verbindet eine grundlegende Logik die perfektionistische Ökologie der Nationalsozialisten mit ihren Bestrebungen, wie jeder produktive Landwirt das zu beseitigen, was sie als Abfall ansahen. Da die Apokalypse in der Zukunft liegt, können in der Gegenwart alle technologischen Methoden eingesetzt werden, um das tausendjährige Reich eines neuen Himmels auf einer neuen Erde herbeizuführen. Anders als jene Puristen, für die Mittel und Wege vereinbar sein müssen, sind Öko-Faschisten nur zu gern bereit, Massenbewegung und Hochtechnologie zur Verwirklichung ihres Zustands ursprünglicher Werte zu nutzen. In der Ära globalen Klimawandels wird diese Kombination sogar noch verlockender, denn Öko-FaschistInnen werden sich die Technologieverliebtheit des Kapitalismus zunutze machen und der Öko-Faschismus ist nur allzu bereit, jede nur denkbare Technologie zu nutzen, um das Überleben von Volk und Land zu sichern. Mehr als der traditionelle Kapitalismus werden Öko-FaschistInnen dazu fähig sein, eine Alternative zum aktuellen Kapitalismus vorzulegen, die persönliches Überleben an das Versprechen bindet, das Öko-System mittels Technologie zu erneuern. Selbstverständlich wird die tatsächliche Wiederherstellung immer wieder hinausgeschoben und jede Grausamkeit mit der kommenden Apokalypse gerechtfertigt werden. Und da sie entschlossen sind, die Maschinerie von Ressourcenausbeutung und Kapitalismus ohne Profit am Laufen zu halten, gibt es keinen Zweifel daran, dass der Öko-Faschismus ebenso schnell zur Zerstörung des Planeten führen wird, wenn nicht schneller, wie ein Grüner Kapitalismus, der nur auf seine eigenen Instrumente zurückgreift.

Trotz der vergessenen faschistischen Wurzeln der Ökologie wird der Öko-Faschismus kein Faschismus sein, den wir erkennen, nicht der antiquarische Faschismus der Hakenkreuze, der nach dem Rauch von Auschwitz stinkt. Es wird ein weitaus düsterer und subtilerer Faschismus sein.

Der kommende Faschismus wird nicht mal den Begriff “Faschismus” benutzen, und er wird nicht einmal notwendig nationalistisch sein, wenngleich dies der Fall sein kann. Es gibt ein verbreitetes Missverständnis über den Faschismus, namentlich, dass es dem Faschismus nur um “Entmischung” und “Reinerhaltung” von Rasse und Nation geht. Die Ermordung des “volksfremden Elements” der nicht-integrierten Roma passt allzu gut in die Gussform des klassischen Rassismus, aber mit der Vernichtung selbst der vollkommen integrierten sechs Millionen europäischen Juden im Holocaust geschah noch etwas darüber hinaus. Dass der Faschismus nur einen Extremfall von Rassismus und Nationalismus darstellt, ist ein Mythos. Die Realität ist sehr viel komplizierter. Die Selektion der Juden und Roma für die Vernichtung war nur der Anfang. Wenn wir die Selektion von Kommunistenn, Anarchisten, Queers, Behinderten und Kriegsgefangenen dazuzählen, steigt die Zahl der Opfer des Holocaust um mehr als das Doppelte. Die wahre Natur des Faschismus offenbart sich in einem letzten Gesetz – dem “Gemeinschaftsfremdengesetz” – das, von Hitler im Januar 1945 vorgelegt, nicht mehr zur Umsetzung kam. Dieses Gesetz hätte dafür gesorgt, dass die Selektion, die mit dem Holocaust begonnen wurde, niemals zu einem Ende kommt. Als nächstes sollten die Schwachen, die moralisch zügellosen, die unzulänglichen Teile der faschistischen Gesellschaft… sie alle sollten getötet werden. Diese Selektion würde alle betreffen, deren Verhalten sich nicht perfekt genug an die Vision der perfekten faschistischen Gesellschaft anpasste, eine Selektion, die immer stringenter immer weiter gegangen wäre und sich unendlich in die Zukunft erstreckt hätte.

Als “Gemeinschaftsfremde” wurden in diesem Gesetz diejenigen klassifiziert, “die nach ihrer Persönlichkeit und Lebensführung, insbesondere infolge von außergewöhnlichen Defekten des Intellekts oder des Charakters erkennen lassen, daß sie nicht imstande sind, aus eigener Kraft den Mindestanforderungen der Volksgemeinschaft zu genügen”, sowie jene, “die bald als TTunichtguteoder Schmarotzer ein nichtsnutzes, unwirtschaftliches oder ungeordnetes Leben führen und damit andere oder die Allgemeinheit belasten oder gefährden, bald als Taugenichtse einen Hang zum Betteln oder Landstreichen, zu Arbeitsbummelei, Diebereien, Betrügereien oder anderen kleinen Straftaten an den Tag legen”. Schließlich auch die, “die aus Unverträglichkeit oder Streitlust den Frieden anderer oder der Allgemeinheit wiederholt stören”. Wie die gigantischen Datenbanken von heute, begann die Diktatur der Nazis mit einer “Volkszählung” genannten Erfassung der Individuen, riesige Datensammlungen wurden angelegt. Parallel wurde von allen erwartet, sich selbst zu verwalten und daran zu arbeiten, zu völlig reinen und vorbildlichen Bürgern zu werden; oder beim Versuch, dieses Ideal zu erreichen draufzugehn. Es ist auf gewisse Art beunruhigend, die grünen Kapitalisten immer mehr davon reden zu hören, diejenigen zu “bestrafen”, die mehr CO² freisetzen als erlaubt. Die Logik des Faschismus ist die Logik der “Perfektionierung” des Menschen, um so eine “harmonische und ökologische” Gemeinschaft zu bauen. Dass der Staat bald dazu in der Lage sein wird, die ökologische Tugend seiner Bürger zu messen, könnte nur ein erster Schritt sein. Der kommende Öko-Faschismus wird die Möglichkeit bieten, ein Projekt abzuschließen, das die Faschisten mit dem Gemeinschaftsfremdengesetz auf den Weg brachten und nicht mehr beenden konnten: die komplette Rekonstruktion des Menschen im Interesse des Kapitals durch die unseelige Allianz von Ökologie und Kybernetik.

Anmerkung [1]: Hier irren die GenossInnen, oder messen einer Anordnung zu viel Gewicht bei. Autarkie und die Steigerung der Produktivität standen von Beginn an im Zentrum der NS-Agrarpolitik, weshalb vielmehr die massive Verwendung von Dünger forciert wurde. Es finden sich aber zuhauf andere Beispiele, diesen scheinbaren Widerspruch zu belegen, nicht nur im Reichsnaturschutzgesetz. So verkündete etwa Reichsforstmeister und Oberster Beauftragter für den Naturschutz Hermann Göring 1934, die “unerträgliche Folter” der Tiere müsse ein Ende haben. Er drohte, alle in ein Konzentrationslager zu schicken, die immer noch glauben, Tiere behandeln zu können, wie es ihnen beliebt.

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