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February 14, 2011

Streik ohne Ende

Filed under: deutsch — translationcollective @ 8:11 pm

Die Sache ist klar. Die Partei der Ordnung hofft, mit aller Gewalt, uns wieder nach Hause zu kriegen. Gewerkschaften und Regierung haben sich erfolgreich geeinigt. Darauf zumindest. Sie setzen zweifelsohne auf unsere unglückselige Neigung, jenes heimtückische Gefühl der Leere, in dem wir derart perfekt verlernt haben zu leben und zu kämpfen. Darin täuschen sie sich. Wir werden nicht nach Hause gehen, wir, die wir uns nirgendwo zuhause fühlen. Wenn es einen einzigen Raum gibt, den wir als bewohnbar empfinden, dann liegt er mitten in diesem Geschehen, in dem wir leben, in den Intensitäten, die hier Gestalt annehmen. Je nach den Mitteln, vor allem, die wir uns zu geben wissen werden.

Die Sache ist klar. Ein aufständischer Prozess verstärkt sich in dem Maße, wie die Offenkundigkeiten, die in den Augen der Beteiligten die Realität bilden, kaum wahrnehmbar zu schreienden Wahrheiten in den Augen aller werden. Da der Kapitalismus ist eine allumfassende Lüge, wird die Form seiner Negation hingegen in einer Vielzahl von Welten bestehen, ein zusammenhaltendes Gemenge auf Grund der Wahrheiten, die sich mit ihnen verbinden.

Die Worte, mit denen sich eine Situation für sich selbst lesbar macht, bestimmen unmittelbar die Formen, und den Geist. Die erzwungenen Objektivierungen können bestenfalls ihre unscharfen Konturen erfassen. Die Vielfalt der Analysen, dem soziologischen Lexikon oder dem Radikalismus der Aktivisten entsprungen, verbreiten einvernehmlich eine identische Verwirrung: kurzatmige Verteidigung oder interessierten Pessimismus. Insgesamt fehlt ihnen dieses Minimum an taktischem Sinn, durch den eine Parole wirkliche Lesbarkeit gewinnt, ein wahrhaftig Gemeinsames, das einzig in der Lage ist, die Möglichkeiten freizusetzen, die von der Situation eröffnet werden. Und die programmierten Entmutigungen wie einen bösen Geist beiseite zu schieben. Die Durchschlagskraft dieser Stimme liegt in der Wahl der Worte wie in der Positivität ihrer Orientierung.

Um die strategische Verständlichkeit der laufenden Ereignisse zu erhöhen, erweist sich eine erste Geste als notwendig. Jene, sich zu verorten, sich zu orientieren. Von irgendwo zu sprechen, nicht etwa von einem bloßen Standpunkt aus, sondern aus einer Partei.

1.

Von Anfang an, und das ist einer ihrer Verdienste, hat die Bewegung die Dinge an der Wurzel gepackt. Verallgemeinerte Blockaden der Ökonomie, wohlüberlegtes Organisieren einer totalen Lähmung, Verweigerung von Kompromissen und Verhandlungen. Direkte, rohe Sprache. Damit setzten sie schlicht jene Parolen wirksam um, die gewohnheitsmäßig dazu verurteilt waren, angsterfüllte Erwartung zu sein, oder Scheinhandlung. Der Streik hat sich in den Körpern, in der Entschlossenheit materialisiert. Auch dadurch konnte er wirklich bedrohlich erscheinen. Wodurch sich die Bewegung, vom Gesichtspunkt der angewendeten Praktiken, jenseits einer einfachen sozialen Bewegung verortete. Wodurch sie bereits jetzt in einen aufständischen Prozess einfließt. Dies ist unser Ausgangspunkt.

2.

Stellen wir fest: Nichts bleibt heute mehr von der alten revolutionären Bewegung. Und während ihre Nachfolge immer tiefer in den Windungen staatsbürgerlicher Zufriedenheit zu versinken scheint, können wir ab und an das Gefühl einer Leere verspüren. Diese Leere gilt es zu bewohnen. Und zu einer Chance zu machen.

3.

Ein eigenartiger Aberglaube hat die große Mehrheit der sonst so starr laizistischen Körper in Frankreich befallen: Der Glaube, so schwach wie offensichtlich unerschütterlich, in die Realität der “Sozialen Bewegung”. Sein Unglück liegt in Folgendem: Es ist ein Glaube, an den niemand mehr glaubt. Von “Siegen” zu “Niederlagen” nutzt er sich nur ab, von sporadischen Wiederaneignungen zur endgültigen Enteignung, bis er vollends fadenscheinig wird. Gegenstand dieses Glaubens ist, was das betrifft, nur der Erbe eines Schiffbruchs: den der klassischen Arbeiterbewegung. Die, wie Mario Tronti betont, nicht vom Kapital besiegt wurde, sondern von der Demokratie. Nicht in Form eines gefährlichen äußeren Objekts, sondern indem sie Front machte im Innern. Das Gewicht dieses Bündels an Illusionen lastet umso schwerer auf ihr, als es von uns, die wir kämpfen, nicht erkannt wurde.

4.

Eine Bewegung bestimmt sich auf negative Weise anhand ihrer Grenzen. Gleichsam wird ihr Aktionsfeld durch das beschränkt, über was sie nicht hinausgehen will. Ihre programmatische Endlichkeit verurteilt sie dazu, nichts zu sein als die hysterische Beschwörung eines erwarteten Endes. Ihr Leben selbst ist von der einzigen Idee geleitet, einer immer überstürzteren Flucht nach vorn, um das Ergebnis hinauszuzögern, das ihr Motor war. Denn ihr Ende ist von daher furchtbar, als es in nicht weniger besteht als in ihrem Tod. Eine vom Lauf der Geschichte getrennte Zeitlicheit. Es ist auch nicht seine Berufung anzudauern. Es muss immer wieder, mühsam, von vorn angefangen werden, ausgehend vom gleichen Nichts. Wenn wir davon ausgehen, verkümmern wir nur im immer wieder anfangen, ohne je zu lernen. Da nichts davon bleibt. Klammer zu.

5.

Doch wahrhaftes Handeln hängt nicht von der Traurigkeit dieses Strickmusters ab, es gibt keine “Rückkehr zum Normalen”. Was es hingegen gibt, ist das Andauern eines revolutionären Prozesses, mit seinen Phasen der Beschleunigung und seinen untergründigen Entschleunigungen. Aus dem Blickwinkel eines derartigen Prozesses gesehen, existiert nur eine einzige Zeit. Wo nichts von dem vergessen wird, was nicht geschehen ist. Man kann es auch so sehen, dass es zwei Lager gibt: Auf der einen Seite diejenigen, die darauf sinnen, einen totalen Streik durchzuführen, eine unauflösbare Fesselung der Zirkulationsflüsse, und auf der anderen die Streikbrecher und Bullen. Die Gesamtheit des sozialen Raumes ist dieser grausamen Teilung unterworfen.

6.

In dem Maße, in dem ein Streik sich als an diesem Prozess teilnehmend erkennt, kann er tatsächlich zu einem jener raren Orte werden, an denen sich eine Übertragung von Erfahrungen hält. Sie will der vergangenen Kämpfe nicht gedenken, sie aber sehr wohl erinnern: das heißt, sie ins Gedächtnis zurückrufen. Und dies nicht allein für sich selbst, aber gegen die Sorglosigkeit einer Welt, die damit beschäftigt ist, das Vergessen zu organisieren.

7.

Es gilt darauf zu achten, dass das Terrain, auf dem sich eine Situation formuliert, nicht seinerseits vermint ist. Das ist bei unserem der Fall. Erste Geste: Verlassen des markierten Terrains, durch das eine Sache, ein Ereignis, als Sache gedacht wird. Eine Sache steht nie für sich selbst. Denn nichts existiert außerhalb des Verständnisses, dass man davon hat. Es könnte sein, dass die Vokabel “soziale Bewegung” selbst, kraft ihrer Verwendung, nichts zu bezeichnen sucht als eine Ohnmacht. Eine semantische Operation einer gewissen Soziologie. Die, solange man sie akzeptiert, jegliche Ausarbeiten einer Strategie ebenso lähmt wie alle kollektive Intelligenz. So wurde die Soziologie selbst vollkommen sozialisiert. Sie befällt jeden Diskurs mit der gleichen Obsession für statistische Kalkulationen. Lässt nichts zu als eine mühsame Objektivierung des Realen entlang deprimierender Kategorien. Doch das, was unsere Welten formt, bleibt weiterhin hoffnungslos außerhalb ihrer Reichweite. Unsere Freundschaften sind für sie nur widersinnige Werte. Die nicht überprüfbare Unbekannte in ihrer Gleichung. Das Unendliche eines Streiks.

8.

Saint-Nazaire: Die Umzüge der Gewerkschaften führen systematisch zu mehrstündigen Auseinandersetzungen. Heroischen Steinwürfen und hastig errichteten Barrikaden. “Sarkozy, fick dich!” tönt es aus tausend Kehlen. Ein Gericht gemeinsam gesteinigt von Gruppen von Aufrührern. Ein Freund sagte “Es ist schön zu sehen, wie eine Stadt aufsteht gegen ihre Polizei.”

9.

Der Sinn des wahrhaften Kampf liegt nicht zwischen den Klassen, zwischen Kapital und Arbeit, sondern zwischen den vereinten Anhängern eines pathologischen Arbeitskultes und denen, die es anwidert. Heute gibt es jene, die noch arbeiten wollen, und jene, die nicht mehr wollen.

10.

Eine verwirrende Omertà herrscht in der Bewegung. Sie besteht im Abstreiten dessen, was die laufenden Ereignisse in einem fort zeigen: Den Ausdruck einer schmerzhaften Verweigerung der Arbeit. Man versteht, dass es hier nicht nur um einen örtlich begrenzten Protest gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit geht, sondern um eine völlige Verurteilung dessen, wie Arbeit allerorts erlebt wird. Als eine Katastrophe, die sie eindeutig in Misskredit bringt. Man sieht darin den sich abzeichnenden Schatten des Todes. Den “Raub der Energien”, der jene behext, die davon betrogen werden. Wir wohnen dem Todeskampf der klassischen Arbeitswelt bei, mit sich reißend die damit verbundene Figur, den Arbeiter. Ruiniert die gemütliche Intimität, die er sich einzurichten schaffte mit seinen Mühen. Obwohl die Arbeit noch nie als etwas anderes erlebt wurde, denn als anhaltende Qual, versuchen offiziöse Spezialisten noch immer die Schwelle festzulegen, jenseits derer sie unerträglich wird.

12.

Die klassische Politik baut auf einige Grundsätze auf, die sie als unüberschreitbar darstellt. Das Prinzip der Gouvernementalität, das heißt, die Organisation eines sozialen Bedürfnisses, kraft dessen “die Dinge regiert werden müssen”, da sie sonst unvermeidlich ins Chaos zurückstürzen würden. Das der Arbeit als Erpressung, das nicht mehr besagt als “Man muss halt leben”, bedingungslos und egal wie. Dem gegenüber vereint eine kümmerliche Solidarität die scheinbare Vielfalt politischer Konzepte und die panischen Ängste, die daran gebunden sind. Die sich letztendlich aus der gleichen blutarmen Anthropologie herleiten. Auf der einen Seite, das kybernetische Projekt verallgemeinerter Regierung, auf der anderen das anarchistische Ideal paradiesischer Selbst-Regierung. Der Mythos von Vollbeschäftigung zugunsten nachhaltiger Entwicklung und die selbstverwaltete Fabel einer freien, gleich verteilten Arbeit. Auf beiden Seiten die gleiche Bereitschaft zur managementmäßigen Verwaltung dessen, was das Leben ausmacht, die gleiche Verbissenheit, die schönsten unserer Instinkte zu unterdrücken. Das gleiche Ziel einer hoffnungslosen Regulation. Totale Mobilisierung und Beschlagnahme bezeichnen im gleichen Zug das ethische und praktische Ideal des streitbarsten Militantismus und der Macht, die sie zu bekämpfen heuchelt.

13.

Das Paradox kehrt zurück: Das Anfechten einer Reform bleibt den am weitesten fortgeschrittenen Reformisten vorbehalten. Sich bewegend im Berechnen der Zukunft auf den Punkt genau verlieren sie jede Gegenwart, jede Anwesenheit. Die Schizophrenie des Anarcho-Syndikalisten zum Beispiel kodifiziert, bereits in der Gegenwart, die Nachwelt der Revolution, erlässt Gesetze für “das Danach”. Bereits das Gesetze erlassen für das Danach bedeutet, die Zeit des Jetzt zu vergessen. Die unwiderlegbare Notwendigkeit einer Gegenwart zu verlieren, die uns fehlt und für die wir streiken. Die Tiefe einer Zeit, die sich nicht auf die Flachheit chronologischer Leisten reduzieren lässt. Die Vorhersehbarkeit einer Zukunft wird immer im Krieg sein mit dem unsichtbaren Bestimmungsort der Gegenwart. Die Programmierung einer Zukunft reimt sich stets auf die Unmöglichkeit eines Hier. “Zeit frei geben” zu Gunsten einer verbesserten Verwaltung der Arbeitszeit, hier haben wir sie, die fragwürdigsten Utopismen. Gegen eine gewisse Quantität toter Arbeit zu opponieren, bis sich die Möglichkeit eines lebendigen “Werks” eröffnet, bringt die Verfechter eines solchen Optimismus nur weiter in Misskredit. Es ergibt sich keine qualitativ geschwächte Arbeit aus einer quantitativen Minderung ihrer Dauer. Es gibt keine Arbeitsdauer, denn Arbeit ist Dauer, ertragene Zeit.

14.

Der Mediendiskurs bemüht sich nunmehr, vom Klima des Streiks zu sprechen, als würde es sich dabei um ein völlig neues Gebiet der meteorologischen Wissenschaft handeln. Man macht sich Sorgen über die Verknappung als wäre sie eine drohende Hitzewelle; man schildert den Aufruhr der Schüler wie einen plötzlichen Schneesturm; man schwätzt über den Streik wie man es über die Problematik von Niederschlägen tun würde. So hat jeder was zu sagen nach dem Regen, alle wettern über die Vorhersagen. “Wie ein Donnerwetter soll das Volkszorn in die Blockierer einschlagen!”. Aber das zieht nicht, ganz klar. Das allabendliche zur Schau stellen all der “Unzufriedenen”, der “Als-Geiseln-Genommenen”, der “Verzweifelten-am-Benzinhahn”, in unermüdlichen Sondersendungen aneinandergereiht, wie entführte Touristen in Indien oder in der Tiefe einer Mine verschüttete chilenische Bergleute, erweist sich als Vorbote einer ziemlich prekären Strategie der Macht.

15.

In einer Welt, in der sich die Zirkulation der Flüsse auf globales Niveau ausdehnt, kann die Partei der Blockade, die gleichsam jene des Aufstands ist, logischerweise nicht hoffen zu siegen, so sie nicht, auf ebenso globaler Ebene, die für ihr Fortbestehen notwendigen Solidaritäten knüpft. Ihr Aktionsfeld kennt keine Grenzen. Ganz wie das Ausmaß und die Tragweite ihrer Selbstgefälligkeit.

16.

Barcelona, 29. September 2010. Ein Tag des Generalstreiks. Ein Tag auf zehn Jahre plätschernder Stille. Das, von dem man dachte, dass es sorgfältig ins Ghetto einer Szene “gegen das System” eingeschlossen wäre, innerhalb beobachtbarer Grenzen einer Peripherie unter Kontrolle, erwacht und entflammt von Neuem, entflammt endlich. Zehn Jahre sozialistischer Demokratie waren vierzig Jahren Faschismus schließlich nicht gewachsen. Die Ordnung, die an diesem Tag erschüttert wurde, sollte in der Tat entfernt das Aussehen eines aufgescheuchten Falangisten annehmen. Jeder auf der Straße fand sich, durch die gelockerten Steine und eingeschlagenen Schaufenster, darin wieder. Auch im Lachen und im Applaus, als die Polizei flüchten musste, als sie an der Reihe war, fast schon verfolgt.

17.

Erneut tauchen “Randalierer” auf. Doch niemand lässt sich mehr täuschen von dieser stilistischen Figur. All diese großen Stilmittel berühren die Welt nicht mehr. Einzig vielleicht die französische Studentenvereinigung UNEF und der französische Veteranenverband werden sich noch sensibel dafür zeigen. Um was geht es heute? Man könnte von einer gewissen Rückkehr sprechen, unserer Rückkehr: Rückkehr der Gewalt der Arbeitenden, Rückkehr der Gewalt der Kinder auf der Straße, Rückkehr der Gewalt der “Alten”, die Steine aus ihren Taschen holen, um sie den “Jungen” anzubieten – in Würdigung dessen, was sie nie aufgehört haben zu wollen. Dieser Satz eines alten Mannes in Lyon, als er dort jungen Aufrührern begegnet: “Wir geben euch die Steine, die wir nicht mehr werfen können.” Das, was so gut verlernt wurde, kommt heute mit der Gewalt des Verdrängten wieder zum Vorschein. Die mit der Figur des “Randalierers” verbundene Magie scheint nicht mehr sehr wirkungsvoll zu sein in einem Moment, da der Vorstadtjugendliche, der Fremde, der Anarchist, kurz: der da-draußen, nichts Wichtiges mehr abgrenzt. Von welchem Außerhalb, von welchem Rand kann allen Ernstes die Rede sein, in einer Welt, die kein außen kennt? Die Frage der Gewalt stellt sich nicht mehr, sie zwingt sich allen auf.

18.

Zugleich verdienen die aufständischen Praktiken, die weiterhin in der Bewegung eintreffen, in einer anderen, spezifischeren, überraschenderen Form wiedererkannt zu werden, der Blockade der Ökonomie. Eine vollständige Lähmung der Innenstädte durch die unkontrollierbare Wiederkehr der Konfrontationen und Plünderungen über viele Tage hinweg. Die waffenstarrende französische Anti-Terror-Einheit GIPN steht einer entwaffneten Menge gegenüber. Aus all dem ist zu lernen: Die Strategie der ökonomischen Blockade darf in keiner Weise von der unabweisbaren Notwendigkeit getrennt werden, die Polizei in ihrer Gesamtheit aufzureiben oder in die Flucht zu schlagen.

19.

Man verortet sich niemals nur innerhalb einer Bewegung, sondern in Beziehung zu ihr, ihr gegenüber, vielleicht sogar gegen sie. Gegen jene, die ihre Unhaltbarkeit halten. Der Rückfluss ihrer Leere und ihrer Hoffnungslosigkeit. Es geht darum, die materiellen und affektiven Bedingungen anzugreifen, die uns an diese Welt binden. Jede Rückkehr in die Normalität nicht nur unmöglich, sondern auch unerwünscht zu machen. Daher eine Kartographie dessen zu erstellen, was uns hält: Flüsse, Mächte, Affekte, Logistik und Versorgung. Uns entlang der Fäden unserer konspirativen Freundschaften das aufständische Wissen anzueignen, mit dem wir diese Welt zum Zusammenbruch bringen können. Wir haben die ersten Buchstaben des Alphabets des Aufruhrs gelernt. Was heißt: Die Raffinerien paralysieren, die Treibstoffdepots, die Autobahnen, die Häfen. Haufenweise Abfall in den Straßen hinterlassen und Barrikaden daraus bauen. Die Schaufenster einschlagen, die uns zurückverweisen in unsere Abwesenheit. Die Fragen, die wir uns außerdem stellen müssen: Wie die Atomanlagen ein für alle Mal stilllegen? Wie den Streik umwandeln in Desertion? Wie sich ernähren, sich pflegen, sich lieben ohne diese Welt in Frieden zu lassen?

“Die einzige Rettung für die Besiegten ist es, nicht auf irgendeine Rettung zu warten.”

Frankreich, 27. Oktober 2010

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