translationcollective

March 28, 2011

An alle Arbeitenden – Aufruf zum Generalstreik für den Atomausstieg

Filed under: deutsch — translationcollective @ 8:37 pm

Komitee des Generalstreiks für den Atomausstieg

I can’t cope OH OH I can’t cope, Anymore…

Im Namen der Studenten, der informellen Arbeiter und der Statuslosen der Welt rufen wir zum Generalstreik auf, zum unmittelbaren Aussetzen aller Lohnarbeit, und fordern die unmittelbare Stilllegung aller Atomreaktoren und die Einstellung jeglicher Produktion von Atomwaffen. Wann, wenn nicht jetzt, können wir ein Leben ohne Atomkraft beginnen? Wo, wenn nicht in Japan, das derart unter der atomaren Katastrophe leidet, kann die Sehnsucht nach einer Welt ohne Atomenergie sich Bahn brechen?

Wenn Ihr, die Arbeiter, den Generalstreik für den Atomausstieg ignoriert, bedeutet dies, das aufkeimende Verlangen nach einer Welt ohne Atomkraft zu töten. Entsprechend der Unfähigkeit, die Kreaturen in den Unternehmen zu verurteilen, wird die Welt weiterhin von der Angst vor Atomkraft und der Dummheit der nuklearen Ideologen beherrscht werden (von denen, die Atomwaffen und Atomenergie propagieren). Nicht anders als die TEPCO (Energiekonzern von Tokio) und die NISA (Agentur für nukleare und industrielle Sicherheit) werdet ihr für alle Zeit von der gesamten Menschheit verachtet und verspottet werden.

Informelle Arbeiter, Studenten, die Armen, Lohnarbeiter und kleine Ladenbesitzer sind an ihre Arbeitsplätze in der Metropole gebunden und können nicht weg. Gebunden von der Logik des Kapitalismus versetzt sie die unsichtbare Strahlung just in diesem Moment in Angst und Schrecken. Der radioaktive Wind schlägt ihnen ins Gesicht, und doch können sie ihre Pflichten nicht vernachlässigen. Die Armen (oder wir) sind die Gestalt der heutigen Welt. Inmitten der Katastrophe, gebunden an den Kapitalismus, die Angeklagten der Katastrophe, dazu gebracht, der Katastrophe selbst zu dienen – in diesem Sinne Gestalten dieser Welt. Diejenigen auszurangieren (uns selbst), die in der Metropole bleiben, deren Exodus dringend empfohlen wird, ist nicht nur gleichbedeutend damit, sie (uns selbst) in den Abgrund von Tod und Verzweiflung zu stoßen, sondern auch die von ihnen (uns selbst) verkörperte Welt.

Lasst uns auf das Lied des Windes hören. Der Wind kennt die Antwort, die einzige Antwort besteht in einer Verschiebung, hin zu einer Welt ohne Atomkraft. Die Ausstieg aus der Atomenergie ist die Verpflichtung der gesamten Menschheit und seine Verwirklichung beruht auf dem unmittelbaren Verlassen der Arbeitsplätze von uns japanischen Arbeitern. Wenn Ihr den Mut habt, diesen Streik durchzuführen, wird die gesamte Welt mit Worten der Unterstützung und Taten der Solidarität antworten. Eine globale Bewegung wird entstehen, die den Herrschern der Welt für die Stilllegung der Atomreaktoren das Messer an den Hals setzt. Wenn Ihr den Streik feige ignoriert, wird die ganze Welt erfüllt sein von Bestürzung und Trauer. Der mit Atomenergie vollgepackte Planet wird euch weiter verhöhnen und die Pro-Atomkraft-Ideologen werden nicht einmal verbergen, wie sie euch herabwürdigen. Ihr werdet von der Welt weiterhin als „Sklaven der Konzerne“ verachtet werden.

Wir möchten euch bitten, noch einmal darüber nachzudenken, was eure Arbeitgeber euch verdammt noch mal gegeben haben. Die gegenseitige Unterstützung, Brüderlichkeit und Einvernehmlichkeit, die ihr am Arbeitsplatz mit euren Kollegen teilt, sind keine Geschenke der Unternehmen, sondern Beweis eurer eigenen Kraft. Bitte, unterschätzt nicht euer eigenes Potential. Denkt ihr, dass eure Arbeitgeber eure hochgeschätzten Familienbande und die Beziehungen zwischen euch schützen würden? Während ihr die Situation gebannt auf Bildschirmen verfolgt und versucht, sie richtig zu beurteilen, leben Mütter und schwangere Frauen ein furchtbares Leben in Angst vor Verstrahlung. Könnt ihr, nach alledem, damit fortfahren, ihnen zu sagen: „Keine Panik, macht euch keine Sorgen“? Wir sagen es noch einmal: Bitte, unterschätzt euer eigenes Potential nicht.

Es ist ein Krieg im Gange, in dem es keinen Feind gibt. Die gleichen Wasserwerfer, die in Ägypten auftauchen, um die revolutionären Kräfte niederzuwerfen, spritzen hier in Japan Wasser auf die Reaktoren, die sich heißen Stein verwandeln. Die Truppen, deren Aufgabe es angeblich ist, Angriffe der Achse des Bösen abzufangen, kämpfen gegen die Reaktoren, von denen dampfartige Substanzen aufsteigen.

Während das Trugbild der Nach-Kriegszeit ins Flimmern kommt, wartet der Nationalismus des ideologisch aufgeladenen Arbeiters im neuen Gewand des Wiederaufbaus darauf, die Bühne zu betreten. Es ist zum allgemeinen Verständnis der Welt geworden, dass Katastrophen nichts weiter sind als Geschäftsmöglichkeiten, die Utopie der Macht.

In den Hinterzimmern der Weltgipfel diskutieren die Führer der Welt ihre Nach-Katastrophen Doktrin. Wir sind einfach sprachlos, fragen uns, ob selbst diese einzigartige Verzweiflung, selbst diese einzigartige Hoffnung, die aus der Verzweiflung erwächst, letztendlich mobilisiert, verwaltet und regiert werden wird.

Selbst wenn der Rückfall in ein kritisches Stadium verhindert werden kann, das Vertrauen in Japan kann niemals wiederhergestellt werden. Es ist nicht mal einen Witz wert, dass das einzige von Atombomben verheerte Land in der Welt eine mit Three Mile Island und Tschernobyl vergleichbare atomare Katastrophe herbeigeführt hat. Das Vertrauen in den japanischen Kapitalismus ist verloren. Wenn sich Japan in irgendeiner Weise um seine Vertrauenswürdigkeit schert, muss es alle atomaren Unternehmungen stoppen und eine Bewegung initiieren, das globale nukleare Regime zu stürzen.

Beginnen wir einen wirklichen Krieg! Godzilla und Gwoemul, die Schrecken verbreitenden Kinder der Strahlung, mögen die Feinde der Herrscher und Unternehmen sein, unsere sind es nicht. Unser wirklicher Feind sind die Kapitalisten, die diese Monster erschaffen und die Welt mit ihnen bevölkert haben. Es ist höchste Zeit, sie von der Bühne zu werfen, ihnen jede Basis zu nehmen und  diese Welt von ihnen zu befreien. Unsere Waffe ist der Generalstreik. Verlassen wir die wertlosen Arbeitsplätze, vertreiben wir den Geist mit Namen Ökonomie und tun wir alles, um den Opfern zu helfen. Jetzt!

19. März 2011

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