translationcollective

February 27, 2010

Die bewaffnete Freude

Filed under: deutsch — translationcollective @ 10:48 pm

bewaffnete freude – PDF

von Alfredo M. Bonanno

Einleitung

Dieses Buch entstand 1977 in Italien während der revolutionären Kämpfe, die zu jener Zeit dort geführt wurden. Beim Lesen muss daher berücksichtigt werden, dass sich die Situation inzwischen grundlegend verändert hat.
Die revolutionäre Bewegung und in ihrem Inneren auch die anarchistische, befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer Entwicklungsphase und alles schien möglich, auch die Verbreiterung des bewaffneten Kampfes.
Vor einer Gefahr musste man sich jedoch hüten: Vor der Spezialisierung und Militarisierung, die eine kleine Minderheit von Militanten den Tausenden von GenossInnen aufzwingen wollte, die mit allen Mitteln gegen die Repression und die Versuche des Staates, die Herrschaft des Kapitals wiederherzustellen, kämpften, obwohl diese Versuche des Staates – ehrlich gesagt – ziemlich schwach waren.
So war die Situation in Italien, aber etwas Ähnliches geschah auch in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und anderen Ländern.

Daher war es sehr wichtig, zu verhindern, dass diese zahlreichen Aktionen, die täglich von GenossInnen verwirklicht wurden – Angriffegegen Personen und Strukturen der Herrschaft und des Kapitals – nicht von der dirigistischen Logik einer bewaffneten Partei, wie z.B. der Roten Brigaden in Italien – um nur ein Beispiel zu nennen – geführt wurden.
Genau daraus besteht der Geist dieses Buches. Es zeigt, wie aus einer täglichen Praxis der Befreiung und Zerstörung eine freudige Logik des Kampfes entsteht und nicht eine tödliche und schematische Methode, die in den vorgefertigten Regeln einer führenden Gruppe festfährt.
Einige dieser Probleme existieren inzwischen nicht mehr. Sie wurden von den harten Lektionen der Geschichte gelöst. Der Zusammenbruch des realexistierenden Sozialismus hat plötzlich und vielleicht für immer, die dirigistischen Bestrebungen der MarxistInnen jeglicher Couleur neu angepasst. Jedoch hat er nicht den Wunsch nach Freiheit und anarchistischem Kommunismus zerstört, der inzwischen überall und insbesondere unter den jüngeren Generationen kursiert, sondern ihn im Gegenteil wieder entflammt. Allerdings berufen sich diese in den meisten Fällen nicht auf die traditionellen Symbole des Anarchismus, seine Erkennungszeichen und Theorien, denn auch diese werden, aus Gründen, die ich zwar verstehen kann, aber nicht teile, für Ideologismen gehalten.
Und genau aus diesem Grund erscheint die Lektüre dieses Buches heute wieder aktuell, allerdings ist die Aktualität eine andere. Es ist keine Kritik mehr gegenüber einer schwerfälligen Struktur, die versucht, Mitläuferinnen zu gewinnen, und die sowieso nicht mehr existiert, sondern auf freudige Weise fähig sein möchte, den Individuen auf ihrem Weg der Zerstörung all dessen, was unterdrückt und massregelt, ihre eigenen starken Fähigkeiten zu verdeutlichen.
Bevor ich schliesse, muss ich daran erinnern, dass dieses Buch in Italien zur Zerstörung verurteilt wurde. Ein Urteil des höchsten Gerichtes in Italien hat seine Verbrennung beschlossen. Alle Bibliotheken, die ein Exemplar besassen, bekamen durch einen Brief des Innenministeriums die Anweisung, es zu verbrennen. Nicht wenige BibliothekarInnen haben sich geweigert, das Buch zu zerstören, denn sie hielten dies für eine Praxis der Nazis und der Inquisition, doch die Bände in den Bibliotheken sind nach dem Gesetz nicht einsehbar. Das Buch darf also in Italien nicht verkauft oder verliehen werden und viele GenossInnen, die ursprünglich ein Exemplar besassen, haben dies bei Beschlagnahmungen während zahlreicher Hausdurchsuchungen verloren.

Weil ich dieses Buch geschrieben habe, wurde ich zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Alfredo M. Bonanno
Catania, 14. Juli 1993

I
Aber warum schiessen diese guten Jungs Montanelli in die Beine? Wäre es nicht besser gewesen, ihm in den Mund zu schiessen?
Natürlich wäre es besser gewesen. Aber auch belastender, rachsüchtiger und unheimlicher. Eine Bestie wie ihn zum Krüppel machen, kann ausser der Rache und Bestrafung eines Faschisten und Dieners der Herrschenden, wie Montanelli einer ist, auch eine tiefergehende und bedeutungsvollere Seite haben.
Ihm in die Beine zu schiessen bedeutet, ihn zum Hinken zu zwingen und ihn damit immer an seine Missetaten zu erinnern. Und ausserdem ist es ein angenehmerer Spass, als ihm in den Mund zu schiessen, wobei ihm das Gehirn aus den Augen spritzen würde.
Viele unserer GenossInnen stehen jeden Morgen auf, gehen im Nebel den Weg zur Arbeit, treten in die erstickende Atmosphäre der Fabrik oder eines Büros, nur um dort immer wieder die gleichen Gesichter vorzufinden: Das der AbteilungsleiterIn, der SpionIn, der StreberIn, die sieben Kinder zu ernähren hat. Diese GenossInnen spüren die Notwendigkeit der Revolution, des Kampfes und der physischen Auseinandersetzung, selbst wenn diese tödlich sein kann. Aber sie spüren auch, dass all dies ihnen ein bisschen Freude bereiten muss und zwar sofort und nicht erst später. Diese Freude pflegen sie in ihren Phantasien, wenn sie mit geduckten Kopf im Nebel gehen, Stunden in Zügen oder Strassenbahnen vergeuden, während sie einer nutzlosen Arbeit im Büro oder in der Fabrik nachgehen, die dazu dient, die nutzlosen Mechanismen des Kapitals zusammenzuhalten..
Die bezahlte Freude, die ihnen ihrE Chefin jede Woche (den freien Sonntag) oder jährlich (den Jahresurlaub) zugesteht, entsprechen einer Liebe gegen Bezahlung. Die äusseren Merkmale sind dieselben, doch etwas fehlt.
Hunderte von Argumenten häufen sich in revolutionären Büchern, Broschüren und Zeitungen an. Man soll dies und jenes tun, man soll die Dinge in einer bestimmten Art und Weise betrachten, man soll sie so sehen wie X oder Y das sagen, denn X und Y sind die wahren InterpretInnen der X und Y’s vergangener Zeiten, den erdrückenden Bänden der Klassiker.
Auch diese muss man immer in Reichweite haben, denn sie sind ein Teil der Liturgie. Sie nicht zu besitzen, ist ein schlechtes Zeichen und erregt Misstrauen. Doch sie können auch ganz nützlich sein, denn da es sich meist um gewichtige Bände handelt, kann man sie auch irgendeinem Störenfried ins Gesicht werfen. Nicht gerade eine neue Verwendungsmöglichkeit, aber sie bestätigt immerhin die revolutionäre Gültigkeit vergangener (oder gegenwärtiger) Thesen.
In diesen Büchern wird nie über Freude gesprochen. Die Strenge eines Klosters braucht die Atmosphäre, die man auf diesen Seiten atmet, um nichts zu beneiden. Ihre Autoren – Priester einer Revolution der Rache und Bestrafung – verbringen ihre Tage damit, Schuld und Strafen abzuwägen und zu verbuchen.
Andererseits haben diese gestrengen HüterInnen in Blue Jeans einen Keuschheitsschwur abgelegt und verlangen dies nun auch von anderen. Für die Opfer, die sie gebracht haben, wollen sie auch belohnt werden. Schliesslich haben sie die weich gebettete Umgebung ihrer Herkunftsklasse verlassen, ihre Fähigkeiten in den Dienst der Besitzlosen gestellt, angefangen eine Sprache zu sprechen, die nicht die ihre ist und schmutzige Tischdecken und unordentliche Betten ertragen. Da ist es doch das Mindeste, dass man ihnen zuhört.
Sie träumen von geordneten Revolutionen, von schön geordneten Regeln, von Anarchie ohne Turbulenzen. Wenn die Wirklichkeit jedoch einen anderen Weg nimmt, dann brüllen sie sofort gegen die Provokation und zwar so laut, dass sogar die Polizei sie hört.
Die RevolutionärInnen sind fromme Menschen. Die Revolution nicht.

II
Wir sind alle mit dem revolutionären Problem beschäftigt, wie und was zu produzieren ist. Doch niemand spricht von der Produktion als revolutionärem Problem.
Wenn die Produktion die Basis der kapitalistischen Ausbeutung darstellt, bedeutet eine Änderung der Produktion nur eine Änderung der Art der Ausbeutung, sie bedeutet nicht, die Ausbeutung zu eliminieren.
Eine Katze, auch wenn sie rot angemalt wird, bleibt immer eine Katze.
Die ProduzentInnen sind heilig, man darf sie nicht belangen. Eher noch spricht man sie und ihr Opfer im Namen der Revolution selig und die Würfel sind gefallen.
Und was werden wir essen? fragen sich diejenigen, die sich die meisten Sorgen machen. Brot und Angst, antworten die RealistInnen, die alles vereinfachen, und haben dabei schon ein Auge auf den Kochtopf und das andere auf das Gewehr geworfen. Ideen, antworten die idealistischen PfuscherInnen, ein Auge auf das Buch der Träume und das andere auf die Menschheit gerichtet.
Wer sich an der Produktivität vergreift, muss sterben.
Der Kapitalismus und diejenigen, die ihn bekämpfen, sitzen beide auf dem Kadaver des Produzenten, damit die Welt der Produktion weiterlebt.
Die Kritik der Wirtschaftspolitik ist eine Rationalisierung der Produktionsweise des geringsten Aufwands (derjenigen, die die Früchte der Arbeit geniessen). Die Anderen, also die, die ausgebeutet werden, müssen aufpassen, dass es an nichts mangelt, denn wie könnte man sonst leben?
Wenn das Kind der Finsternis ans Licht kommt, sieht es genauso wenig, wie zuvor im Dunklen. Die Freude lässt es erblinden. Sie bringt es um. Also erklärt dieses Kind die Freude zur Halluzination und verdammt sie.
Die dickbäuchigen und schlappen SpiesserInnen geniessen ihr opulentes Nichtstun, deshalb ist geniessen sündhaft. Es bedeutet, die Anreize der SpiessbürgerInnen zu teilen und die des produktiven Proletariats zu verraten.
Das ist nicht wahr. Die BürgerInnen geben sich grosse Mühe, den Prozess der Ausbeutung am Leben zu erhalten. Auch sie sind gestresst und finden keine Zeit für Freude. Ihre Kreuzfahrten sind nichts anderes als Gelegenheiten, um neue Investitionsprojekte zu planen. Ihre LiebhaberInnen sind nur die fünfte Kolonne der Informationsbeschaffung über die Konkurrenz.
Der Gott der Produktivität bringt auch seine ergebenen DienerInnen um. Schlagen wir ihnen den Kopf ab, kommt ein Schwall von Müll heraus.
Der elende Hungrige muss ja schliesslich Rachegelüste bekommen, wenn er die Reichen umgeben von ihrer Dienerschaft, beobachtet. Also zu allererst die Zerstörung des Feindes, aber nicht ohne Beute zu machen. Denn der Reichtum soll nicht zerstört, sondern benutzt werden. Es spielt dabei keine Rolle, was er darstellt, welche Form er annimmt oder welche Verwendungsmöglichkeiten er zulässt. Das Einzige, das zählt, ist, ihn seinen gegenwärtigen BesitzerInnen zu entreissen, um ihn dann allen zur freien Verfügung zu stellen.
Allen? Aber sicher, allen.
Und wie wird dieser Übergang stattfinden? Mit revolutionärer Gewalt.
Schöne Antwort. Aber was genau tun wir, nachdem wir soviele Köpfe abgeschlagen haben, dass es uns langweilt? Was tun wir, wenn weit und breit keine BesitzerInnen mehr zu finden sind?
Dann sind wir im Reich der Revolution. Jeder Mensch nach seinen Bedürfnissen, nach seinen Möglichkeiten.
Doch Achtung GenossIn. Hier riecht es nach Kalkül. Von Konsum und Produktion wird gesprochen. Man bleibt innerhalb der Dimension der Produktivität und Berechnungen, dort fühlt man sich sicher. Zwei und zwei macht vier. Niemand wird je diese “Wahrheit” verleugnen können. Die Zahlen regieren die Welt. Wenn sie dies schon immer getan haben, warum sollten sie das nicht für immer tun?
Wir alle brauchen solide, greifbare Dinge. Steine, um eine Mauer zu bauen, gegen all die besorgniserregenden Anreize, die auf uns zukommen. Alle benötigen wir die Objektivität. Die Chefetage schwört auf ihren Geldbeutel, die BäuerInnen auf ihren Spaten, die RevolutionärInnen wiederum auf ihre Gewehre. Versucht mal, einen Hauch Kritik zu üben, und schon fällt das ganze objektive Gerüst in sich zusammen.
Die alltägliche Aussenwelt mit ihrem ganz objektiven Gewicht, konditioniert und reproduziert uns in ihrer objektiven Schwere. Wir sind Kinder der alltäglichen Banalität. Auch dann, wenn wir über “wichtige” Dinge wie die Revolution reden, haben wir dabei unsere Augen immer fest auf den Kalender gerichtet. Die Herrschenden haben Angst vor der Revolution, denn sie würde ihnen ihren Geldbeutel wegnehmen. Die BäuerInnen werden die Revolution machen, um Land zu bekommen und die RevolutionärInnen werden sie machen, um ihre Theorien zu bestätigen.
Wenn man das Problem in Begriffe wie Geldbeutel, Land und revolutionäre Theorien fasst, gibt es keinen Unterschied. All diese Objekte sind reine Vorstellung, sie sind der Spiegel der menschlichen Illusionen. Nur der Kampf ist real. Er diskriminiert die Herrschenden vor den BäuerInnen und etabliert einen Pakt zwischen BäuerInnen und RevolutionärInnen.
Die Organisationsformen der Produktion transportieren Ideologie und verdecken damit die substantielle Illusion der Identität der Einzelnen. Diese Identität wird auf die wirtschaftliche Vorstellung von Wert übertragen. Gesetze bestimmen die Interpretation und einige seiner Elemente sind in den Händen der Herrschenden. Das haben wir durch das Konsumdenken festgestellt. Auch die Technologie der psychologischen Kriegsführung und der totalen Repression sind Elemente einer Interpretation der Menschheit unter der Voraussetzung, dass diese aus ProduzentInnen besteht.
Weitere Elemente dieses Kodex stehen für einen anderen Zweck zur Verfügung. Nicht für einen revolutionären, sondern einfach anderen. Denken wir dabei z. B. nur mal an das soziale Konsumdenken, das das herrschaftliche Konsumverhalten der letzten Jahre ersetzen wird.
Aber es gibt auch noch andere Elemente, die weitaus raffinierter sind. Die selbstverwaltete Kontrolle der Produktion ist ein weiteres Element des Gesetzes der Ausbeutung.
Und so geht das immer weiter. Sollte es jemandem in den Sinn kommen, mein Leben für mich zu organisieren, so kann diese Person niemals meine Genossin oder mein Genosse sein. Wenn sie ihre Vorgehensweise dadurch zu entschuldigen versucht, dass es ja wohl jemanden geben muss der etwas “produziert”, weil wir sonst alle unsere menschliche Identität verlieren würden und uns von der “wilden und ungebildeten Natur” überwältigen lassen würden, so werden wir darauf antworten, dass die Beziehung Natur-Mensch eine Illusion des erleuchteten marxistischen Bürgertums ist. Warum sollte man ein Schwert gegen eine Heugabel tauschen wollen? Warum muss der Mensch immer so sehr darauf achten, sich von der Natur zu unterscheiden?

III
Der Mensch braucht viele Dinge.
Für gewöhnlich wird diese Feststellung so interpretiert, dass ein Mensch Bedürfnisse hat und dazu gezwungen ist diese zu befriedigen. Auf diese Weise entsteht eine Verwandlung des Menschen von einer geschichtlich sehr präzisen Einheit in eine Dualität, die gleichzeitig Mittel und Ziel ist. Tatsächlich verwirklicht er sich in der Befriedigung seiner Bedürfnisse (also durch die Arbeit) und ist somit das Mittel zu seiner eigenen Verwirklichung.
Ganz leicht lässt sich erkennen, wieviel Mythologie sich hinter dieser Behauptung verbirgt. Wenn sich ein Mensch ohne die Arbeit nicht von der Natur unterscheidet, wie kann er sich dann über, die Befriedigung seiner Bedürfnisse selbstverwirklichen? Um dies zu tun, müsste er ja schon Mensch sein, also seine Bedürfnisse bereits verwirklicht haben, also müsste er es gar nicht nötig haben zu arbeiten.
Bereits die Ware an sich konstruiert die starke Nutzbarkeit der Symbole. Auf diese Weise wird sie zu einem Bezugspunkt, einer Masseinheit und einem Tauschwert. Dann beginnt das Spektakel. Rollen werden verteilt und reproduzieren sich auf ewig. Ohne bemerkenswerte Änderungen beginnen die SchauspielerInnen mit der Aufführung.
Die Befriedigung eines Bedürfnisses wird zum Reflex und nebensächlich. Das Wichtigste ist nun die Verwandlung des Menschen in eine “Sache” und mit dem Menschen wird auch der Rest verwandelt. Auch die Natur wird zur “Sache”, die benutzt werden kann. Dadurch wird die Natur korrumpiert und korrumpiert wiederum die Lebensinstinke des Menschen. Zwischen der Natur und dem Menschen tun sich Abgründe auf, die irgendwie gefüllt werden müssen. Dafür sorgt wiederum die Expansion des Marktes selbst. Das Spektakel weitet sich so sehr aus, dass es am Ende sich selbst und den eigenen Widerspruch auffrisst. Der Boden und die Bühne treten in dieselbe Dimension ein und begeben sich wieder auf eine höhere Ebene, die noch weiter ist und das Spektakel selbst wieder reproduziert bis in alle Ewigkeit.
Wer versucht dem Gesetz des Marktes zu entkommen, wird nicht zur Sache gemacht und “fällt” aus dem königlichen Sitz des Spektakels. Es wird mit dem Finger auf ihn gezeigt und er wird mit Stacheldraht umgeben. Wer dann den Vorschlag der Globalisierung nicht akzeptiert und eine neue Ebene der Regeln ablehnt, wird kriminalisiert. Sein “Wahnsinn” ist damit offensichtlich. In einer Welt, deren Realität auf Illusionen und deren Sachlichkeit auf Täuschung basiert, ist es nicht erlaubt, Täuschungen abzulehnen.
Das Kapital verwaltet das Spektakel auf der Basis des Gesetzes der Kapitalansammlung. Nichts kann jedoch bis ins Unendliche angehäuft werden. Nicht einmal das Geld. Ein absoluter quantitativer Prozess ist eine Illusion, eine quantitative Illusion. Dies haben die Herrschenden vollkommen erkannt. Daher nimmt die Ausbeutung nun unterschiedliche Formen und ideologische Modelle an, um auf qualitativ unterschiedliche Art genau diese Anhäufung zu ermöglichen, die unter dem quantitativen Aspekt nicht unendlich fortgesetzt werden konnte.
Dass all dies ins Paradoxe und Illusorische geht, interessiert das Kapital nicht weiter, denn es hält schliesslich die Zügel in der Hand und bestimmt die Regeln. Wenn es die Illusion als Realität verkaufen muss, um sich dadurch zu bereichern, dann kann es damit auch gleich weitermachen, ohne sich allzuviele Gedanken zu machen. Es sind schliesslich die Ausgebeuteten, die dann die Rechnung bezahlen. Daher liegt es auch an ihnen, die Illusion zu bemerken und sich darum zu kümmern, die Wirklichkeit herauszufinden. Für das Kapital laufen die Dinge gut so, wie sie laufen, auch wenn sie auf dem grössten illusorischen Spektakel der Welt begründet sind.
Die Ausgebeuteten haben beinahe Sehnsucht nach dieser Illusion. Sie haben sich an ihre Ketten gewöhnt und hängen an ihnen. Manchmal träumen sie von faszinierenden Aufständen und Blutbädern, doch dann lassen sie sich wieder von. den Worten neuer politischer Führungen blenden. Die revolutionären Parteien erweitern die illusorische Perspektive des Kapitals noch .um Horizonte, die das Kapital allein nie erreichen könnte.
Und immer noch ist es die quantitative Illusion, die das Massaker anrichtet.
Die Ausgebeuteten werden angeworben, gezählt und vereint und die wildesten Slogans lassen die Herzen der BürgerInnen hochschlagen. Je mehr Leute sich angesammelt haben, um so grösser werden die Anmassung und die Forderungen der Führungen. Sie machen schliesslich Pläne zur Eroberung und die neue Macht ersetzt die alte. Über all dem lächelt befriedigt der Geist Bonapartes.
Natürlich werden tiefe Veränderungen im Gesetzeswerk der Illusionen vorgenommen. Aber alles muss im Rahmen der quantitativen Anhäufung liegen. Wachsen die militanten Kräfte, so muss auch der revolutionäre Anspruch wachsen. Ebenso muss auch die soziale Profitrate wachsen, die den privaten Profit ersetzen soll. Damit tritt das Kapital dann in eine neue Phase des illusorischen Spektakels. Alte Bedürfnisse bekommen neue Namen und der Gott der Produktion herrscht weiterhin ohne einen einzigen Rivalen.
Sich zu zählen ist schön. Es gibt einem das Gefühl stark zu sein. Daher zählen sich die Gewerkschaften, die Parteien und auch die Herrschenden. Zählen wir uns doch einfach auch und drehen uns weiter im Kreis.
Wenn wir uns dann fertig gezählt haben, versuchen wir die Dinge so zu lassen wie sie waren. Und wenn Veränderungen wirklich nötig sind, dann vollziehen wir sie, ohne irgendjemanden zu stören.
Regelmässig wird die Politik wiederentdeckt und oft findet das Kapital die genialsten Lösungen. Uns fällt dann der soziale Friede mit einer Friedhofsruhe auf den Kopf. Die Illusion wird in einem Masse ausgeweitet, in dem das Spektakel fast alle verfügbaren Kräfte aufsaugt. Alles schweigt. Dann werden die Fehler und die Monotonie der Aufführung wiederentdeckt. Der Vorhang öffnet sich für unvorhergesehene Situationen. Die kapitalistische Maschinerie klagt die Schläge an. Dann plötzlich entdecken wir die revolutionäre Verpflichtung wieder. Eben das ist auch ’68 geschehen. Allen quellen fast die Augen aus dem Kopf und werden ganz wild. Berge von Flugblättern, Broschüren, Zeitschriften und Büchern lassen uns fast ersticken. Alte ideologische Feinheiten werden wie Soldaten in Reih und Glied aufgestellt. Auch die AnarchistInnen haben sich selbst wieder entdeckt, und das auf geschichtliche Weise, wie es der Augenblick erforderte. Alle stumpfsinnig, auch die AnarchistInnen. Wenn irgendeine Person aus dem Tiefschlaf des Spektakels erwachte, sich umsah auf der Suche nach Freiraum und
Luft zum Atmen und dabei die AnarchistInnen entdeckte, sagte sie zu sich selbst: Endlich! Das sind die Leute, mit denen ich zusammensein möchte. Gleich darauf wurde ihr bewusst, das dies eine Dummheit war. Nicht mal in der Richtung liefen die Dinge so, wie sie sollten. Auch dort nur Stumpfsinn und Schauspiel. Und diese Person floh sofort wieder, zog sich in sich selbst zurück, war entmutigt und akzeptierte nun das Spiel des Kapitals. Und falls sie es doch nicht akzeptierte, wurde sie geächtet, auch von den AnarchistInnen.
Die Maschine der 68er hat die besten FunktionärInnen des neuen technokratischen Staates geschaffen, aber sie hat auch Antikörper produziert. Die Prozesse der quantitativen Illusion sind sichtbar geworden. Einerseits haben sie neue Kraft erhalten, um eine neue Vision des Spektakels des Marktes aufzubauen, andererseits haben sie auch Risse bekommen.
Die Sinnlosigkeit des Gefechtes auf der Ebene der Produktion ist offensichtlich geworden. Nehmt die Fabriken, die Länder, die Schulen, die Stadtteile in Besitz und verwaltet sie selbst, sagten die alten anarchistischen RevolutionärInnen. Zerschlagen wir die Macht, in all ihren Aspekten, fügten sie gleich darauf hinzu. Aber tiefer gingen sie nicht, das tatsächliche Übel zeigten sie nicht. Obwohl sie vom Ernst der Lage und seiner tatsächlichen Dimension wussten, zogen sie es vor sie zu verstecken, in der Hoffnung auf eine Spontaneität, die die Revolution hervorbringen sollte. Nur wollten sie auf die Ergebnisse dieser Spontaneität mit den Produktionsmitteln in ihren Händen warten. Was auch immer geschieht, welche Form auch immer die Revolution annimmt, wir müssen die Produktionsmittel in unseren Händen halten, behaupteten sie fest, sonst wird uns der Feind auf der Ebene der Produktion besiegen. Und um dies zu erreichen, gehen sie dann Kompromisse jeder Art ein. Um sich nicht allzuweit vom Raum der Entscheidungen zu entfernen, konstruieren sie schliesslich eine andere Form des Spektakels, das manchmal genauso makaber ist.
Die Illusion des Spektakels hat ihre Regeln. Wer sie verwalten möchte, muss sich diesen Regeln unterwerfen, sie kennen, darauf schwören und sie anderen aufzwingen können. Die erste Regel lautet: Die Produktion bestimmt alles. Wer nichts produziert, ist kein Mensch, und die Revolution ist nichts für ihn. Warum sollten wir Parasiten tolerieren? Müssen denn nicht wir an deren Stelle arbeiten? Müssen wir dann nicht auch deren Überleben sichern? Und überhaupt: All diese Leute ohne klare Vorstellungen und mit dem Anspruch selbst entscheiden zu wollen, sind die nicht “ganz objektiv” konterrevolutionär? Also kommt es darauf an, sie gleich anzugreifen. Wir müssen wissen, wer unsere FreundInnen sind und mit wem wir zusammensein wollen. Wenn wir Angst machen wollen, dann machen wir das alle zusammen, eingegliedert in eine perfekte Ordung, ohne dass irgendjemand es wagt, die Füsse auf den Tisch zu legen oder die Hosen herunterzulassen.
Organisieren wir unsere eigenen Strukturen. Formen wir Militante, die perfekt alle Kampftechniken im produktiven Sektor beherrschen. Die Revolution wird nur von den Produzentinnen gemacht werden, und wir werden da sein, um zu verhindern, dass sie Dummheiten machen.
Nein, das ist alles falsch. Wie können wir verhindern, dass sie Dummheiten machen? Auf der Ebene des illusorischen Spektakels der Organisation gibt es hochtrabendere RednerInnen als uns, die jede Menge Atem zu verschwenden haben. Kampf am Arbeitsplatz. Kampf zur Verteidigung der Arbeit. Kampf für die Produktion.
Wann werden wir diesen Kreis endlich durchbrechen? Wann werden wir damit aufhören, uns in den eigenen Schwanz zu beissen?

IV
Was ist die Liebe zur Arbeit doch für ein Wahnsinn!
Was für eine szenische Geschicklichkeit hat das Kapital bewiesen, als es die Ausgebeuteten dazu gebracht hat, die Ausbeutung zu lieben, den Gehängten die Schnur und den Sklaven die Fesseln.
Bis heute hat diese Idealisierung der Arbeit, die Revolution getötet. Die Bewegung der Ausgebeuteten wurde dadurch korrumpiert, dass die bürgerliche Moral Eingang gefunden hat in die Produktion, also etwas, das der Bewegung nicht nur fremd ist, sondern auch noch im Gegensatz zu ihr steht. Es ist kein Zufall, dass zuerst der gewerkschaftliche Teil korrumpiert wurde, denn er steht der Verwaltung des produktiven Spektakels am nächsten.
Der Ethik der Produktivität muss die Ästhetik des Nichtstuns entgegengesetzt werden.
Der Befriedigung der Bedürfnisse nach Spektakel, die uns die Gesellschaft des Marktes auferlegt hat, müssen wir die Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse des Menschen entgegengesetzen. Diese müssen angesichts des primären und essentiellen Bedürfnisses bewertet werden: Dem Bedürfnis nach Kommunismus.
Die quantitative Bewertung des Druckes, den die Bedürfnisse auf den Menschen ausüben, wird damit auf den Kopf gestellt. Das Bedürfnis nach Kommunismus verändert andere Bedürfnisse und ihren Druck auf den Menschen.
Das Elend des Menschen, dem Objekt der Ausbeutung, wurde als Basis der zukünftigen Befreiung gesehen. Das Christentum und die revolutionären Bewegungen sind sich darin in der Geschichte einig. Man muss leiden, um ins Paradies zu gelangen oder um sich das Klassenbewusstsein anzueignen, das zur Revolution führt. Ohne eine Ethik der Arbeit hätte die marxistische Vorstellung vom “Proletariat” keinen Sinn. Die Ethik der Arbeit jedoch ist ein Produkt des bürgerlichen Rationalismus, dasselbe Produkt, das die Eroberung der Macht durch das Bürgertum ermöglicht hat.
Der Korporativismus kommt durch die Maschen des proletarischen Internationalismus wieder zum Vorschein. JedeR kämpft innerhalb des eigenen Sektors, höchstens mit ähnlichen Sektoren anderer Länder werden (über die Gewerkschaften) Kontakte hergestellt. Der Einheitlichkeit der Multinationalen wird dabei die Einheitlichkeit der internationalen Gewerkschaftszentralen entgegengesetzt. Machen wir die Revolution, aber retten wir die Maschinerie, das Arbeitsmittel, das mythische Objekt, das die historische Tugend des Bürgertums reproduziert und nun zum Besitz des Proletariats geworden ist.
Das Erbe der Schicksale der Revolution ist ein Subjekt, das dazu bestimmt ist, KonsumentIn und HauptdarstellerIn des zukünftigen Spektakels des Kapitals zu werden. Die revolutionäre Klasse – idealisiert als EmpfängerIn des Schicksals des Klassenkampfes – verschwindet im Idealismus der Produktion. Wenn die Ausgebeuteten in eine Klasse gezwängt werden, sind schon alle Elemente des illusorischen Spektakels bestätigt, dieselben wie die der bürgerlichen Klasse.
Um dem Globalisierungsprojekt des Kapitals zu entkommen, gibt es für die Ausgebeuteten nur einen Weg: Die Verweigerung der Arbeit, der Produktion und der politischen Wirtschaft.
Aber die Ablehnung der Arbeit darf nicht verwechselt werden mit der Arbeitslosigkeit in einer Gesellschaft, die auf der Arbeit basiert. Die Ausgestossenen suchen Arbeit und finden keine. Es wird ausgegrenzt und kriminalisiert. All das gehört zur komplexen Verwaltung des Produktions-Spektakels. Das Kapital braucht sowohl die Produzierenden, als auch Arbeitslose. Nur ist das Gleichgewicht instabil, Widersprüche explodieren und rufen Krisen unterschiedlichster Art hervor, innerhalb derer der revolutionäre Eingriff stattfindet.
Die Ablehnung der Arbeit, ihre Zerstörung ist die Bestätigung dafür, dass auch Nicht-Arbeitende gebraucht werden. Die Behauptung, dass der Mensch sich über das Nicht-Arbeiten selbst produzieren und objektivieren kann wird bestätigt durch den Antrieb, der aus dem Bedarf an Nicht-Arbeitenden entsteht. Wenn man das Konzept der Zerstörung der Arbeit vom Gesichtspunkt der Ethik der Arbeit aus betrachtet, bleibt man sprachlos. Wie kann das sein? Soviele Menschen suchen Arbeit und sind arbeitslos, und da wird von “Zerstörung der Arbeit” geredet? Das luddistische Gespenst erscheint, um die “Wir-haben-alle-Klassiker-gelesen-RevolutionärInnen” zu erschrecken. Das Schema des Frontalangriffs mit allen Kräften auf die kapitalistischen Kräfte muss identisch bleiben. Die Misserfolge und das Leiden der Vergangenheit haben dabei ebensowenig Bedeutung wie Schande oder Verrat. Stattdessen machen wir immer weiter, im Vertrauen darauf, dass eine bessere Zeit kommen wird.
Um das Proletariat zu erschrecken und in die stagnierende Atmosphäre der Klassenorganisationen (Parteien, Gewerkschaften und Rattenschwanzbewegungen) zu schieben, genügt es darzustellen, was durch das Konzept der Freizeit, also der Zeit ohne Arbeit, erstickt wird. Das Spektakel der bürokratischen Freizeitorganisationen wurde geschaffen, um fruchtbare Vorstellungen zu unterdrücken. Diese Vorgehensweise ist jedoch nichts anderes als ein ideologisches Deckmäntelchen, ein Instrument des totalen Krieges, der die Grundlage des gesamten Spektakels darstellt.
Es ist das Bedürfnis nach Kommunismus, das alles verändert. Durch das Bedürfnis nach Kommunismus wird das Bedürfnis nicht zu arbeiten von einem negativen Aspekt (Gegenposition zur Arbeit) zu einem positiven Aspekt: Das Individuum kann vollständig über sich selbst verfügen, sich absolut frei ausdrücken, mit allen Schemata – auch mit denen die fundamental und unauslöschbar erscheinen – brechen, sogar mit dem der Produktion.
Aber RevolutionärInnen sind treue Menschen und haben Angst mit allen Schemata zu brechen, inklusiv das der Revolution , sofern – soweit es sich hier um ein Schema handelt – es ein Hindernis bei der ganzen Verwirklichung darstellt, die dieses Konzept verspricht. Sie haben Angst davor, sich weder hier noch da zu befinden. Habt ihr jemals RevolutionärInnen ohne ein revolutionäres Projekt kennengelernt? Ohne ein klar definiertes Projekt, das den Massen vorgelegt wird? Was für RevolutionärInnen sind es dann, die es wagen, das Schema, die Hülle und das Fundament der Revolution zerstören zu wollen? Die Konzepte von Quantität, Klasse, Projekten, Schemata, der historischen Mission und anderem Gerümpel in Frage zu stellen, bedeutet das Risiko einzugehen, nichts mehr zu tun zu haben und gezwungen zu sein, in Wirklichkeit ebenso gemässigt wie alle anderen zu agieren. So wie es Millionen andere auch machen, die tagtäglich die Revolution bauen, ohne auf das Zeichen des tödlichen Zerfalls zu warten. Und um dies zu tun, braucht man Mut.
Mit Schemata und quantitativen Spielchen liegt man falsch. D. h. man bewegt sich im illusorischen Teil des revolutionären Projekts und ist nur eine Erweiterung des kapitalistischen Spiels. Mit der Abschaffung der Ethik der Produktivität aber begibt man sich direkt in die revolutionäre Realität.
Schon von diesen Dingen zu sprechen ist schwierig, denn es hätte keinen Sinn darüber anhand einer seitenlangen Abhandlung zu reden. Dazu würde nur noch fehlen zu versuchen, diese Probleme auf eine komplette und endgültige Analyse zu reduzieren. Die beste Form wäre ein symphatisches und einfaches Gespräch, dem es gelingt, die subtile Magie der Wortspiele zu verwirklichen.
Ernsthaft über die Freude zu sprechen, ist wirklich ein Widerspruch.
V
Auch Ausgebeutete finden Zeit zu Spielen. Aber ihr Spiel ist keine Freude, sondern eine makabre Liturgie, ein Warten auf den Tod. Eine arbeitsfreie Zeit, die dazu dient, die Gewalttätigkeit abzubauen, die sich im Laufe der Produktion aufgebaut hat. In der illusorischen Welt der Waren ist auch das Spiel eine Illusion. Man bildet sich ein, zu spielen, stattdessen tut man jedoch nichts anderes als monoton die vom Kapital zugeteilten Rollen zu wiederholen.
Das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man sich die Ausbeutungsprozesse bewusst macht, ist Rache, erst zuletzt die Freude. Die Befreiung wird als Wiederherstellung des Gleichgewichtes betrachtet, das die kapitalistische Bosheit zerstört hat, und nicht als Teil einer Welt der Spiele mit der man die Arbeitswelt ersetzt.
Das ist die erste Phase eines Angriffes gegen die Herrschenden, eine Phase gegenwärtigen Bewusstseins. Was uns trifft, sind die Ketten, Peitsche, Gefängnismauern, die sexuellen und rassistischen Barrieren. All das muss weg. Deshalb bewaffnen wir uns und zielen auf die GegnerInnen, auf die Verantwortlichen.
In der Nacht der Guillotine wird die Grundlage eines neuen Spektakels geschaffen. Das Kapital baut seine Kräfte wieder auf, indem zuerst die Köpfe der Herrschenden rollen, dann die der RevolutionärInnen.
Eine Revolution kann man nicht nur mit der Guillotine machen. Die Rachsucht ist das Vorzimmer der Führung und wer sich rächen will, braucht eine Chefin. Jemanden, der die Leute zum Sieg führt und der die verletzte Gerechtigkeit wiederherstellt. Und wer sich rächen will neigt auch dazu, auf etwas neidisch zu sein, was ihm weggenommen wurde. Ganz abstrakt bedeutet das die Enteignung des Profites.
Die Welt der Zukunft muss eine Welt sein, in der alle arbeiten. Na prima! Auf diese Weise werden wir allen die Sklaverei auferlegt haben, diejenigen ausgenommen, die dafür sorgen, dass das neue Sklaventum weiter funktioniert, also die neuen Herrschenden.
Wie auch immer, die Herrschenden müssen für ihre Schuld bezahlen. Na toll! So werden wir also auch die christliche Ethik der Sünde, der Verdammung und der Busse in die Revolution getragen haben. Ganz abgesehen von Konzepten wie “Schuld” und “bezahlen”, die offensichtlich geschäftlichen Ursprung haben.
All dies ist Teil des Spektakels. Wenn es nicht direkt von den Mächtigen gesteuert wird, kann es doch ganz einfach wieder übernommen werden. Eine Umkehrung der vorgeführten Rollen ist Teil der dramaturgischen Techniken.
Auf einer bestimmten Ebene des Klassenkampfes können die Waffen der Rache und Bestrafung unentbehrlich sein. Unter Umständen hat die Bewegung keine anderen Waffen. Da ist er schliesslich: Der Moment der Guillotine. Doch die RevolutionärInnen müssen sich der Grenzen dieser Waffen bewusst sein. Sie können weder sich selbst noch anderen Illusionen machen.
Im paranoiden Bild einer rationalisierenden Maschinerie, wie das Kapitals eine ist, kann auch das Konzept einer Revolution der Rache Teil einer kontinuierlichen Veränderung des Spektakels werden. Die oberflächliche Bewegung der Produktion entwickelt sich mit dem Segen der Wirtschaftswissenschaften, doch in Wirklichkeit beruht sie auf der illusorischen Anthropologie der Arbeitsteilung.
Die Arbeit macht keine Freude, nicht einmal die selbstverwaltete. Die Revolution kann sich nicht darauf beschränken, die Organisation der Arbeit zu verändern. Jedenfalls nicht ausschliesslich.
Auch Aufopferung, Tod und Rachsucht bringen keine Freude. Ebenso wie es keine Freude macht, sich zu zählen, denn die Arithmetik ist die Negation der Freude.
Wer leben will, produziert nicht den Tod. Die vorläufige Aktzeptanz der Guillotine führt zu ihrer Institutionalisierung. Gleichzeitig aber umarmt jemand, der das Leben liebt, nicht seine AusbeuterInnen, andernfalls müsste diese Person das Leben hassen und stattdessen Aufopferung, Selbstbestrafung, Arbeit und Tod lieben.
Jahrhunderte der Ausbeutung haben auf dem Friedhof der Arbeit einen Berg von Rachgefühlen angestaut. Unerschütterlich sitzen die Häupter der Revolution auf diesem Berg und studieren den besten Weg ihn zu nutzen. Der Ansporn durch rachsüchtige Gewalt muss gegen die Interessen der neuen Klasse der Mächtigen gerichtet werden. Symbole und Fahnen. Slogans und komplizierte Analysen. Der ideologische Apparat stellt sich zur Verfügung, um das zu tun, was nötig ist.
Die Ethik der Arbeit macht die Instrumentalisierung erst möglich. Wer die Arbeit liebt, will sich die Produktionsmittel aneignen, er will nicht dass man blind voranschreitet. Aus Erfahrung weiss man, dass die Herrschenden eine starke Organisation auf ihrer Seite hatten, um die Ausbeutung zu ermöglichen. Man glaubt, dass nur eine ebenso starke und perfekte Organisation die Befreiung möglich macht. Man sollte alles nur Mögliche unternehmen, Hauptsache das produktive Wachstum wird gerettet.
Was für ein riesiger Betrug. Die Ethik der Arbeit entspricht der christlichen Ethik des Opfers, der Ethik der Herrschenden, auf deren Grundlage sich die Gemetzel der Geschichte mit besorgniserregender Methodik wiederholen.
Diese Leute können sich nicht vorstellen, dass man nicht auf Profit aus sein könnte, und auch wenn man die Möglichkeit dazu hat, sich einfach weigern kann diesen zu produzieren. Sie können nicht glauben, dass man einen nicht-produktiven Willen gegen die Arbeit behaupten kann, der fähig ist, nicht nur gegen die wirtschaftlichen Strukturen der Herrschenden zu kämpfen, sondern auch gegen die ideologischen, die das gesamte westliche Denken durchziehen.
Dabei ist es unverzichtbar, zu verstehen, dass die Ethik der Arbeit auch die Basis des quantitativen revolutionären Projektes darstellt. Eine Diskussion gegen die Arbeit hätte keinen Sinn, wenn revolutionäre Organisationen diese innerhalb ihrer Logik des quantitativen Wachstums führen würden.
Die Ethik der Arbeit, wenn man sie gegen die Ästhetik der Freude austauscht, verhindert nicht das Leben, wie einige besorgte GenossInnen behaupten. Auf die Frage: Was werden wir essen? kann ganz ruhig geantwortet werden: Das, was wir produzieren. Nur dass die Produktion nicht mehr die Dimension sein wird, in der sich der Mensch selbstbestimmt, sondern stattdessen in die Sphäre des Spiels und der Freude. Es wird produziert werden, aber nicht wie etwas, das mit der Natur nichts zu tun hat und einmal verwirklicht, sich wieder mit dieser vereinigt, sondern wie etwas, das die Natur selbst ist. Daher wird die Produktion jederzeit gestoppt werden können, wenn genug produziert wurde. Nur die Freude wird unaufhörlich sein. Eine unbekannte Kraft, die den Gespenstern der Zivilisation, die unsere Epoche bevölkern, unbekannt ist und die den kreativen Impuls der Revolution vertausendfachen wird.
Der soziale Reichtum der kommunistischen Welt bemisst sich nicht an der Anhäufung des Profites, auch wenn dieser von einer Minderheit verwaltet wird, die sich Partei des Proletariats nennt. Diese Situation reproduziert die Macht und negiert die Fundamente der Anarchie. Der soziale Reichtum des Kommunismus besteht in der Leistungsfähigkeit des Lebens, das nach der Revolution verwirklicht wird. Der kapitalistischen Anhäufung, darf nicht eine quantitative Anhäufung (auch wenn sie von einer Partei verwaltet wird) entgegengesetzt werden, sondern eine qualitative. Die Revolution des Lebens ersetzt die einfache ökonomische Revolution, ebenso wie die produktive Leistung die kristallisierte Produktion und die Freude das Spektakel.
Die Negation des Marktes des Spektakels der kapitalistischen Illusion sieht eine andere Art des Tausches vor: Vom vorgetäuschten quantitativen Tausch zum realen, quantitativen. Dieser wird nicht mehr auf den Objekten basieren, und somit auf ihrer illusorischen Verdinglichung, sondern auf dem Sinn, den die Dinge für das Leben haben. Und ein Sinn “für das Leben” muss ein Sinn des Lebens und nicht ein Sinn des Todes sein. Daher werden diese Objekte auf den bestimmten Moment begrenzt, in welchem der Tausch stattfindet und sie werden immer eine andere Bedeutung haben, festgelegt von den Situationen, die den Tausch bestimmen.
Ein und derselbe Gegenstand kann dabei ganz unterschiedliche “Werte” haben. Er wird personifiziert. Er wird der Produktion, wie wir sie in der Dimension des Kapitals kennen, entfremdet. Derselbe Tausch bekommt einen Sinn, wenn er als Ablehnung der unbegrenzten Produktion betrachtet wird.
Eine befreite Arbeit existiert nicht, ebensowenig wie vervollständigte Arbeit (Handarbeit oder Kopfarbeit). Aber die Arbeitsteilung und den Verkauf der Arbeitskraft gibt es, also die kapitalistische Produktionswelt. Die Revolution wird immer und ausschliesslich die Negation der Arbeit und die Bejahung der Freude sein. Jeder Versuch zu behaupten, dass eine Arbeit “nur Arbeit” sein kann, ohne Ausbeutung, eine Arbeit “selbstverwaltet” ist, die Ausgebeuteten sich bei einer Arbeit die Ganzheit des Produktionsprozesses wieder aneignen können, ist eine Mystifizierung.
Das Konzept der selbstverwalteten Produktion bleibt als Kampfschema gegen das Kapital gültig und kann in der Tat nicht vom Konzept der Selbstverwaltung des Kampfes getrennt werden. Ist der Kampf vorbei, dann wird die Selbstverwaltung zu nichts anderem, als zur Selbstverwaltung der eigenen Ausbeutung. Wird der Kampf erfolgreich verwirklicht, wird die Selbstverwaltung der Produktion überflüssig, denn nach der Revolution ist die Organisation der Produktion überflüssig und konterrevolutionär.

VI
Wir alle denken die Erfahrung der Freude gemacht zu haben. Zumindestens einmal im Leben, hat jedeR von uns geglaubt glücklich zu sein.
Nur nimmt diese Erfahrung der Freude immer eine passive Form an. Es geschieht uns, dass wir glücklich sind, aber wir können unsere Freude nicht wollen, ebensowenig wie wir die Freude dazu zwingen können, sich zu zeigen.
All das, die Trennung zwischen uns und der Freude, kommt daher, dass wir von uns selbst “getrennt” sind, dass wir vom Ausbeutungsprozess in zwei Teile geteilt werden.
Wir arbeiten das ganze Jahr, um die “Freude” des Urlaubs geniessen zu können. Wenn es dann soweit ist, dann fühlen wir uns verpflichtet uns darüber zu “freuen”, dass wir im Urlaub sind. Das ist eine Qual wie jede andere auch. Dasselbe gilt für den Sonntag. Ein schrecklicher Tag. Die Seltenheit der Illusion von Freizeit, macht uns die Leere des geschäftigen Spektakels, in dem wir leben, deutlich.
Der gleiche abwesende Blick starrt auf ein halbvolles Glas, in den Fernseher, auf das Fussballspiel, den Löffel voller Heroin, die Leinwand des Kinos, die langen Autoschlangen, die bunte Leuchtreklame, die Fertighäuser, die das Bild der Umgebung zerstört haben.
Die “Freude” auf dem Grund der unterschiedlichsten “Aufführungen” des kapitalistischen Spektakels zu suchen, ist rei
ner Wahnsinn. Genau das ist es nämlich, was das Kapital will. Die Erfahrung der Freizeit, die von unseren AusbeuterInnen programmiert wird, ist tödlich. Sie lässt uns nach der Arbeit sehnen. Es endet damit, den sicheren Tod dem augenscheinlichen Leben vorzuziehen.
Aus dem rationalen Mechanismus der kapitalistischen Ausbeutung kann für uns keine wahre Freude kommen. Die Freude hat keine festen Regeln, anhand derer sie katalogisiert werden kann. Auch wenn wir die Fähigkeit brauchen, unsere Freude zu wollen, andernfalls sind wir verloren.
Die Suche nach der Freude ist also ein Akt des Willens. Eine standhafte Verneinung der Bedingungen, die das Kapital festgelegt hat, also seiner Werte. An erster Stelle steht dabei der Wert der Arbeit. Die Suche nach der Freude kann nur über die Suche nach dem Spiel stattfinden.
Auf diese Weise nimmt das Spiel eine andere Bedeutung an, als die, die wir ihm für gewöhnlich in der Dimension des Kapitals verleihen. Das Spiel, das sich wie fröhlicher Müssiggang den Verantwortungen des Lebens entgegensetzt, ist ein falsches und verzerrtes Bild der wirklichen Realität des Spiels. Im Kampf gegen das Kapital, dem gegenwärtigen Stand der Auseinandersetzung und den relativen Bedingungen ist das Spiel kein Zeitvertreib, sondern eine Waffe im Kampf.
In einer seltsamen Ironie der Dinge vertauschen sich dabei die Seiten. Wenn das Leben eine ernste Sache ist, dann ist der Tod eine Illusion, denn solange wir leben, ist der Tod nicht existent. Nun ist das Reich des Todes, d. h. das Reich des Kapitals, das unsere Existenz als Menschen verneint und uns auf eine “Sache” reduziert, “offensichtlich” ausserordentlich ernst, methodisch und diszipliniert. Seine besitzergreifende Erregung, seine ständige ethische Strenge, seine Manie etwas zu tun, verstecken eine grosse Illusion: Die Leere des Spektakels der Geschäftswelt, die Unsinnigkeit der endlosen Anhäufung, die Absurdität der Ausbeutung. Also versteckt die grosse Ernsthaftigkeit der Welt der Arbeit und Produktivität den grossen Mangel an Anständigkeit.
Im Gegensatz dazu versteckt die Negation dieser abgestumpften Welt, die Suche nach der Freude, den Träumen und der Utopie mit ihrem erklärten Mangel an Ernsthaftigkeit die grösste Ernsthaftigkeit des Lebens: Die Negation des Todes.

Auch auf dieser Seite der Barriere, im physischen Kampf mit dem Kapital, kann das Spiel unterschiedliche Formen annehmen. Viele Dinge können aus Spass’ getan werden. Viele der Dinge, die wir normalerweise mit Ernsthaftigkeit machen und uns dabei die Maske des Todes aufsetzen, die uns das Kapital leiht.
Das Spiel ist charakterisiert von einem Lebensimpuls, immer neu und in Bewegung. Wenn wir agieren, als wenn wir spielen würden, bringen wir diesen Impuls in unsere Aktionen. Wir befreien uns vom Tod. Das Spiel gibt uns das Gefühl zu leben. So wie wir normalerweise agieren, fassen wir alles als Aufgabe auf, als etwas, das wir tun “müssen”, wozu wir verpflichtet sind.
In diesem immer wieder neuen Gefühl, dem exakten Gegenteil der Entfremdung und dem Wahnsinn des Kapitals können wir die Freude erkennen.
Die Freude besitzt die Möglichkeit mit der alten Welt zu brechen und sich mit neuen Zielen, anderen Werten und Bedürfnissen zu identifizieren. Auch wenn die Freude selbst nicht als das Ziel der Menschen betrachtet werden kann, so ist sie doch die bevorzugte und freiwillig ausgemachte Dimension, die den Kampf gegen das Kapital verändert.
VII
Das grosse Spektakel des Kapitals hat uns bis zum Hals mit hineingezogen. Abwechselnd als AkteurInnen oder ZuschauerInnen, vertauschen wir die Rollen, schauen einmal selbst mit offenem Mund den anderen zu oder lassen uns ein anderes Mal von den anderen zuschauen. Wir haben uns alle in die Kristallkutsche gesetzt, obwohl wir wussten, dass es sich eigentlich um einen Kürbis handelt. Die Illusion einer Fee, hat unser kritisches Bewusstsein getrogen. Nun müssen wir das Spiel auch mitmachen, zumindest bis Mitternacht.
Elend und Hunger sind immer noch die treibenden Kräfte der Revolution. Doch das Kapital ist bereits dabei, das Spektakel zu erweitern: Es hat vor, neue AkteurInnen ins Spiel zu bringen. Das grösste Spektakel der Welt wird uns aus der Fassung bringen und es wird immer schwieriger und besser organisiert werden. Neue Clowns werden sich finden, um auf die Tribüne zu steigen, neue Raubtiere werden gezähmt werden. Die VertreterInnen des Quantitativen, die VerehrerInnen der Arithmetik, werden als erste eintreten und von den Lichtern der ersten Reihen geblendet sein. Hinter sich her werden sie die Massen an Bedürfnissen und die Ideologien der Befreiung ziehen.
Was sie aber nie vernichten werden können, ist ihre Ernsthaftigkeit. Der grössten Gefahr, der sie entgegensehen, ist ein Lachen. Freude ist tödlich innerhalb des kapitalistischen Spektakels. Alles hier ist düster und traurig, alles ist ernst und gesetzt, alles ist rational und programmiert, und das gerade deshalb, weil alles so falsch und illusorisch ist.
Abgesehen von der Krise, den Widersprüchen der Unterentwicklung, des Elends und des Hungers, muss das Kapital noch die letzte Schlacht schlagen, und zwar die entscheidende gegen die Langeweile.
Auch die revolutionäre Bewegung muss ihre Schlachten schlagen. Nicht nur die traditionellen gegen das Kapital, sondern auch neue gegen sich selbst. Die Langeweile greift sie von Innen an, versetzt ihr einen Stoss, lässt sie ersticken und macht sie unbewohnbar.
Doch vergessen wir einmal die VerehrerInnen des kapitalistischen Spektakels, die vollkommen damit zufrieden sind, bis zum Schluss ihre Rolle zu spielen. Sie denken, dass Reformen die Dinge wirklich verändern können. Doch dieser Gedanke ist eher ein Deckmantel als irgendetwas anderes. Sie wissen nur zu gut, dass Veränderung der Parteien zu den Regeln des Systems gehört. Indem man die Dinge nach und nach ein wenig verrückt, ist man am Ende dem Kapital wieder nützlich.
Dann gibt es da die revolutionäre Bewegung, wo es nicht an Leuten mangelt, die mit Worten die Macht des Kapitals angreifen. Diese Leute schaffen eine grosse Verwirrung, dreschen grosse Phrasen, von denen sich kein Mensch mehr beeindrucken lässt, am allerwenigsten das Kapital. Letzteres benutzt sie heimlich für die schwierigsten Stücke ihres Spektakels. In dem Moment, in dem einE SolistIn benötigt wird, bringt es eine dieser Personen ins Spiel. Das Ergebnis ist tief betrübend.
Die Wahrheit ist, dass es notwendig ist, den Mechanismus des Warenspektakels zu zerschlagen, indem man in den Machtbereich des Kapitals eindringt, in das Zentrum seiner Koordination, in den Produktionskern selbst. Stellt euch mal vor, was für eine wunderbare Explosion der Freude, welch grosser kreativer Sprung nach vorne, welch aussergewöhnliches Ziel “ohne Ziel”.
Nur ist es sehr schwierig, freudig und mit den Symbolen des Lebens in den Mechanismus des Kapitals einzudringen. Meist ist der bewaffnete Kampf das Symbol des Todes. Nicht weil er den Herrschenden und ihren DienerInnen den Tod bringt, sondern weil er fordert, die Strukturen der Macht des Todes durchzusetzen. Anders konzipiert wäre er wirklich die Freude in Aktion, wenn er fähig wäre, die strukturellen Bedingungen, die ihm das Geschäftsspektakel selbst auferlegt, zu zerbrechen, wie etwa die Konzepte der militärischen Partei, die Eroberung der Macht, die Avantgarde.
Da haben wir einen weiteren Feind der revolutionären Bewegung: Das Unverständnis, d. h. sich vor neuen Bedingungen eines Konfliktes zu verschliessen, mit dem Anspruch, die Modelle der Vergangenheit anzuwenden, die zwischenzeitlich schon Teil des geschäftlichen Spektakels sind.
Das Verkennen der neuen revolutionären Wirklichkeit fördert ein theoretisches und strategisches Verkennen der revolutionären Fähigkeiten der Bewegung selbst. Es ist nicht so wichtig, zu behaupten, dass es jede Menge Feinde gibt, die so nahe sind, dass es wichtig ist, sofort etwas zu unternehmen, jenseits der internen theoretischen Diskussionen. All dies versteckt die Unfähigkeit, der neuen Wirklichkeit der Bewegung zu begegnen, die Unfähigkeit, die Fehler der Vergangenheit zu überwinden, die ernste Konsequenzen für die Gegenwart haben. Und diese Verschlossenheit fördert jede Art der rationellen politischen Illusion.
Kategorien wie Rache, Führung, Partei, Avantgarde und quantitatives Wachstum haben nur einen Sinn innerhalb der Dimension unserer Gesellschaft und dieser Sinn unterstützt die Verfestigung der Herrschaft. Aus einem revolutionären Blickwinkel gesehen, d. h. der totalen und endgültigen Vernichtung der Macht, verlieren diese Kategorien ihren Sinn.
Wenn wir uns im Nicht-Ort der Utopie bewegen, wo die Ethik der Arbeit auf den Kopf gestellt ist, im hier und jetzt der verwirklichten Freude, befinden wir uns im Inneren einer Struktur der Bewegung, die sehr weit von geschichtlichen Formen
ihrer Organisation entfernt ist.
Diese Struktur verändert sich ständig, indem sie jedem Versuch der Kristallisierung entgeht. Charakteristisch für sie ist die Selbstorganisierung der ProduzentInnen am Arbeitsplatz, und die zeitgleiche Selbstorganisierung der Kampfformen zur Verweigerung der Arbeit. Nicht Aneignung der Produktionsmittel durch historische Organisationen, sondern Verweigerung der Produktion durch den Anstoss der Organisationsstrukturen, die sich ständig verändern.
Das gleiche gilt in der nicht garantierten Wirklichkeit. Die Strukturen ergeben sich auf der Basis der Selbstorganisierung, stimuliert von der Flucht vor Langeweile und Entfremdung. Die Einfügung eines programmierten Zieles, das eine Organisation auferlegt, die ausserhalb dieser Strukturen entstanden und gewollt ist, bedeutet den Tod für die Bewegung und eine Wiedereinführung des geschäftlichen Spektakels.
Die meisten von uns, sind an diese Vorstellung der revolutionären Organisierung gebunden. Auch die AnarchistInnen, obwohl sie die autoritäre Verwaltung der Organisierung ablehnen, können nicht anders, als historische Formationen immer noch als gültig anzuerkennen. Auf dieser Basis erkennen wir alle, dass die widersprüchliche Realität des Kapitals mit ähnlichen Mitteln angegriffen werden kann. Wir tun dies, weil wir davon überzeugt sind, dass diese Mittel legitim sind, da sie aus demselben Terrain der Auseinandersetzung mit dem Kapital stammen. Wir geben nicht zu, dass irgendjemand das anders sehen könnte. Unsere Theorie identifiziert sich mit der Praxis und der Strategie unserer Organisationen.
Es gibt viele Unterschiede zwischen uns und den Autoritären. Aber vor dem gemeinsamen Glauben in die historische Organisation fallen diese vollkommen weg. Die Anarchie wird durch die Arbeit dieser Organisationen erreicht (die substantiellen Unterschiede begegnen uns nur in dem Punkt der Methode der Annäherung an dieses Ziel). Aber dieser Glaube zeigt uns etwas sehr wichtiges auf: Den Anspruch unserer gesamten rationalistischen Kultur, sich die Bewegung der Wirklichkeit zu erklären und zwar auf eine progressive Weise. Diese Kultur basiert auf der Annahme einer nicht rückgängig zu machenden Geschichte und der analytischen Fähigkeit der Wissenschaft. All dies erlaubt uns, die Gegenwart als ein Zusammenfliessen aller Kräfte der Vergangenheit zu bewerten, als den Höhepunkt des Kampfes gegen die Macht der Finsternis (die Ausbeutung des Kapitals). Auf diese Weise werden wir wesentlich weiter sein, als unsere Vorfahren und die Fähigkeit besitzen, eine organisatorische Theorie und Strategie zu entwickeln und zu verwalten, die das Resultat der Summe aller vergangenen Erfahrungen ist.
Alle, die diese Interpretation von sich weisen, finden sich automatisch ausserhalb der Realität wieder, da diese per Definition dasselbe ist wie die Geschichte, des Fortschritts und der Wissenschaft. Wer verweigert, ist gegen die Geschichte, den Fortschritt und die Wissenschaft. Urteile ohne Berufung.
Von diesem ideologischen Panzer gestärkt, gehen wir dann auf die Strassen. Hier stossen wir auf eine Realität des Kampfes, die anders strukturiert ist. Diese Strukturen funktionieren auf der Basis von Anreizen, die im Bild unserer Analysen nicht vorkommen. Eines schönes Tages, im Laufe einer friedlichen und von der Polizei genehmigten Demonstration, wenn die PolizistInnen anfangen zu schiessen, reagiert die Struktur, auch die GenossInnen schiessen und die PolizistInnen fallen. Ein Fluch! Die Demonstration war doch friedlich. Wenn sie zu einer billigen Guerilla verkommen ist, dann muss da Provokation im Spiel sein. Nichts darf aus dem perfekten Rahmen unserer ideologischen Organisation fallen, da diese nicht “ein Teil” der Wirklichkeit ist, sondern sie ist die “ganze” Wirklichkeit. Was darüber hinausgeht, ist Wahnsinn und Provokation.
Einige Supermärkte werden zerstört, ebenso einige Läden, Kaufhäuser und Waffengeschäfte werden geplündert, teure Autos angezündet. Es ist ein Angriff auf das geschäftliche Spektakel in seinen augenscheinlichsten Formen. Die auftretenden Strukturen bereiten sich auf diese Richtung vor. Ganz plötzlich nehmen sie Form an mit einem unverzichtbaren Minimum an präventiver, strategischer Orientierung. Ohne grosses Drumherum, ohne lange analytische Einleitung, ohne komplexe Unterstützungstheorien greifen sie an. Die GenossInnen identifizieren sich mit diesen Strukturen. Die Organisationen des Machtgleichgewichts, des Wartens und des Todes lehnen sie ab. Ihre Aktion ist eine konkrete Kritik der wartenden und selbstmörderischen Position dieser Organisationen. Ein Fluch! Es muss eine Provokation gegeben haben.
Man löst sich von den traditionellen Formen, Politik zu machen und greift fest und kritisch in die Bewegung selbst ein. Die Ironie wird als Waffe benutzt und das nicht im stillen Kämmerchen eines Schreibenden, sondern in der Masse, auf der Strasse. In ähnliche Schwierigkeiten werden nicht nur die DienerInnen der Herrschenden gebracht, diejenigen, die bereits öffentlich bekannt sind, sondern auch die revolutionären Führungen der entfernten und nahen Vergangenheit. Die geistige Struktur einer FührerIn oder Kopfes der Gruppe wird in Frage gestellt. Ein Fluch! Kritik ist nur legitim, solange sie gegen die Herrschenden und nach den von der geschichtlichen Tradition des Klassenkampfes festgelegten Regeln abläuft. Wer diese Grenze überschreitet, ist einE ProvokateurIn.
Es wird einem schlecht von den Versammlungen, der Lektüre der Klassiker, den nutzlosen Demonstrationen, den theoretischen Diskussionen bei denen einem der Kopf platzt, den endlosen Unterscheidungen, der Monotonie und der Öde gewisser politischer Analysen. All dem ziehen wir es vor Sex zu haben, zu rauchen, Musik zu hören, spazierenzugehen, zu schlafen, zu lachen, zu spielen, PolizistInnen zu töten, den JournalistInnen die Beine zu brechen, die Richter zu richten und die Kasernen der Carabinieri in die Luft zu jagen. Ein Fluch! Der Kampf ist nur legitim, wenn er den Köpfen der Revolution verständlich erscheint. Andernfalls besteht das Risiko, dass diesen die Situation entgleitet und deshalb muss es dann eine Provokation gewesen sein.
Beeile dich GenossIn, schiess sofort auf PolizistInnen, RichterInnen, die Herrschenden, bevor es dir eine neue Polizei verbietet.
Beeile dich nein zu sagen, bevor eine neue Repression dich davon überzeugt, dass nein zu sagen sinnlos und wahnsinnig ist und es richtig ist, dass du die Gastfreundschaft einer psychiatrischen Anstalt akzeptieren musst.
Beeile dich das Kapital anzugreifen, bevor eine neue Ideologie es heilig spricht.
Beeile dich die Arbeit zu verweigern, bevor eine neue TüftlerIn
dir wieder einmal weismachen will, dass . Beeile dich zu spielen und beeile dich, dich zu bewaffnen.

VIII
Das Spiel innerhalb der Logik des Kapitals ist rätselhaft und widersprüchlich. Das Kapital benutzt es wie einen Baustein des geschäftlichen Spektakels. Hier nimmt es eine Zweideutigkeit an, die es von sich aus nicht besitzt. Eine Zweideutigkeit, die aus der illusorischen Struktur der kapitalistischen Produktion entsteht. Das Spiel wird auf diese Weise zur Aufhebung der Produktion, zur Einfügung der Ruhe in das tägliche Leben. Somit existiert eine Programmierung des Spieles und seiner szenenhaften Nutzung.
Ausserhalb der Herrschaft des Kapitals ist das Spiel durch seinen eigenen kreativen Schwung harmonisch strukturiert. Es ist nicht an diese oder jene- Darstellung gebunden, wie sie die Produktionskräfte wollen, sondern es entwickelt sich unabhängig davon. Nur in dieser Realität ist das Spiel angenehm und macht Freude. Es hebt nicht die Traurigkeit des Risses auf, der seinen Ursprung in der Ausbeutung hat, im Gegenteil, das Spiel verwirklicht sie vollständig, macht sie zum Teil der Lebensrealität. Diese stellt sich dadurch den Kniffen entgegen, die von der Realität des Todes – ebenfalls durch das Spiel – inszeniert werden, um dadurch die Traurigkeit weniger traurig zu machen.
Die ZerstörerInnen der Realität des Todes, kämpfen gegen das mythische Reich der kapitalistischen Illusion, ein Reich, das auf die Ewigkeit ausgerichtet ist und sich im Staub der Zufälligkeit wälzt. Die Freude an der Zerstörung geht aus dem Spiel der zerstörerischen Aktion hervor, aus dem Erkennen der tiefen Tragödie, die diese beinhaltet, im Bewusstsein der Kraft des Enthusiasmus, der es schafft, die Spinnweben des Todes zu zerreissen. Wir unterscheiden nicht zwischen Schrecken und Schrecken, zwischen Tragödie und Tragödie, zwischen Tod und Tod, sondern zwischen diesen und der Freude.
Eine Polizistin oder einen Polizisten zu töten, bedeutet nicht, sich die Robe der RichterIn überzuziehen und sie schnell von den Blutflecken der vergangenen Urteile reinzuwaschen. Die Gerichte und die Strafen sind immer Teil des kapitalistischen Spektakels, auch dann wenn die RevolutionärInnen dabei ihre eigene Rolle spielen. PolizistInnen zu töten bedeutet nicht, ihre Verantwortung abzuschätzen, dabei wird nicht der Klassenkampf kalkuliert. Man programmiert damit auch keine Vision der Beziehung zwischen revolutionärer Bewegung und AusbeuterInnen, sondern man antwortet damit sofort auf ein Bedürfnis, das sich im Inneren der revolutionären Bewegung herausstrukturiert hat. Ein Bedürfnis, das all die Analysen und Rechtfertigungen dieser Welt nicht allein hätten hervorbringen können.
Es ist das Bedürfnis nach dem Angriff auf die FeindInnen, die AusbeuterInnen und die, die ihnen dienen. Langsam reift es innerhalb der Strukturen der Bewegung. Erst wenn es nach aussen tritt, geht die Bewegung von der defensiven Phase in die des Angriffs über. Die Analysen und die moralischen Rechtfertigungen sind die Spitze des Berges, sie sind nicht im Tal, vor den Füssen derer, die auf die Strasse gehen, bereit ihnen den Fuss zu stellen. Sie sind in der systematischen Gewalt, die das Kapital seit Jahrhunderten auf die Ausgebeuteten ausübt. Aber sie müssen nicht unbedingt in vollendeter und gebrauchsfertiger Form ans Licht kommen. Dieser Anspruch ist eine weitere Form unserer rationalisierenden Intentionen, unseres Traumes die Wirklichkeit einem Modell anzupassen, das nicht zu ihr passt.
Lasst uns die Kosaken zu Fall bringen. Lasst uns nicht die Rolle der Reaktion unterstützen, die nicht zu uns passt. Lasst uns nicht die zweifelhafte Einladung des Kapitals annehmen. Anstatt auf unsere eigenen GenossInnen oder uns selbst zu schiessen, ist es immer noch besser auf einen Polizisten oder eine Polizistin zu feuern.
In der Geschichte gibt es Momente, in denen die Wissenschaft im Bewusstsein derer existiert, die kämpfen. In diesen Momenten braucht es niemanden, der die Wahrheit interpretiert, denn diese ergibt sich aus den Dingen selbst. Es ist die Realität des Kampfes, aus der die Theorie der Bewegung hervorgeht.
Die Entstehung des Marktes hat die Gestaltung des Kapitals gezeichnet, den Übergang von der feudalen Produktionsform zur kapitalistischen. Der Eintritt der Produktion in die Phase des Spektakels hat es nötig gemacht, die Welt des Handels auf alles auszudehnen, was existiert: Liebe, Wissenschaft, Gefühle, Bewusstsein usw.. Das Spektakel hat sich enorm erweitert. Diese zweite Phase stellt nicht, wie die MarxistInnen behaupten, eine Korruption der ersten Phase dar, sondern es handelt sich um eine ganz andere Phase. Das Kapital frisst alles auf, sogar die Revolution. Wenn diese nicht mit dem Schema der Produktion bricht, wenn sie weiterhin versucht, eine alternative Produktion zu schaffen, wird das Kapital sie im Inneren des Spektakels der Wirtschaft schlucken.
Nur der Kampf in der Realität der Auseinandersetzung kann nicht geschluckt werden. Einige seiner Formen, die in bestimmten Organisationen kristallisieren, können in das Spektakel eingefügt werden. Wenn sie aber mit der fundamentalen Bedeutung, die das Kapital der Produktion zuweist, brechen, wird diese Einbeziehung sehr schwierig.
Der arithmetische Diskurs und der der Rache haben in der zweiten Phase keinen Sinn. Wenn sie bestärkt werden, nehmen sie eine metaphorische Bedeutung an.
Das illusorische Spiel des Kapitals (Warenspektakel) muss durch das wirkliche Spiel des bewaffneten Angriffes gegen das Kapital ersetzt werden, um die Fälschung und das Spektakel zu zerstören.

IX
Es ist ganz einfach, du kannst es selbst tun. Allein oder mit wenigen vertrauensvollen GenossInnen. Dazu braucht man keine grossen Mittel, nicht einmal eine grosse technische Vorbereitung.
Das Kapital ist verletzbar, man muss nur entschlossen sein, es zu tun.
Unmengen von Geschwätz haben uns abgestumpft. Es ist keine Frage der Angst. Wir haben keine Angst, wir sind nur vollgestopft mit vorgefertigten Ideen und schaffen es nicht, uns davon zu befreien.
Ein Mensch, der zu etwas entschlossen ist, ist nicht unbedingt ein mutiger Mensch, sondern einer, der sich über seine Ideen im Klaren ist. Einer, dem klar geworden ist, wie unnütz es ist, soviele Anstrengungen zu unternehmen, um die vom Kapital zugewiesene Rolle gut zu spielen. Sich dessen bewusst, greift dieser Mensch kalt und entschlossen an und verwirklicht sich in dem Moment, in welchem er dies tut, als Mensch. Er verwirklicht sich selbst in der Freude und das Reich des Todes verschwindet vor ihm. Auch wenn er den Herrschenden Zerstörung und Terror bringt, ist in seinem Herzen und in denen der Ausgebeuteten Freude und Ruhe.
Die revolutionären Organisationen tun sich schwer, dies zu begreifen. Sie schreiben ein Modell vor, das die Simulation der produktiven Realität reproduziert. Das quantitative Schicksal hindert sie an einem qualitativen Sprung auf die Ebene der Ästhetik der Freude.
Auch der militärische Angriff wird von diesen Organisationen auf quantitative Weise entschlüsselt. Die Objektive sind auf die Basis des Frontalangriffs fixiert.
Auf diese Weise kontrolliert das Kapital jeglichen Ernstfall. Es kann sich den Luxus leisten, Widersprüche zu akzeptieren, neue gegensätzliche Formen des Spektakels aufzuzeigen und die negativen Effekte auf die ProduzentInnen auszunutzen, um eine Erweiterung des Spektakels zu konstruieren. Auf quantitativem Gebiet akzeptiert das Kapital die Auseinandersetzung, weil es alle Antworten kennt. Es selbst produziert die Antworten und verfügt über das Monopol der Regeln.
Im Gegenteil dazu ist die Freude des revolutionären Aktes ansteckend und verbreitet sich wie ein Ölfleck. Das Spiel produziert die eigene Bedeutung auf der Basis von Aktionen in der Realität. Aber dieser Sinn wird nicht im Inneren eines Modelles, das von oben regiert wird, kristallisiert. Er zersplittert in tausend Bedeutungen, alle produktiv und instabil. Die innere Beziehung zum Spiel selbst erschöpft sich in der Aktion des Angriffs. Doch der äussere Sinn überlebt, die Bedeutung, die das Spiel für diejenigen hat, die davon ausgeschlossen sind und es sich aneignen wollen. Zwischen denen, die als erste akzeptieren zu spielen und jenen, die die befreienden Folgen des Spieles beobachten, sind sie für das Spiel von essentieller Bedeutung.
So strukturiert sich die Gemeinschaft der Freude. Eine spontane Form in Kontakt zu treten, die für die Verwirklichung der tiefen Bedeutung des Spieles fundamental ist. Spielen ist ein gemeinschaftlicher Akt. Nur selten präsentiert es sich als isolierte Aktion. Oft, wenn es sich so strukturiert, zieht es die negativen Elemente der psychologischen Verdrängung nach sich. Es ist dann keine positive Aktzeptanz des Spiels als kreatives Moment einer Realität des Kampfes.
Es ist der Gemeinschaftssinn des Spiels, der die Willkürlichkeit in der Wahl der Bedeutungen des Spiels selbst verhindert. Ohne die gemeinschaftlichen Beziehungen würde das einzelne Individuum dem Spiel seine eigenen Regeln und Bedeutungen aufzwingen und so unverständlich für alle anderen bleiben. So würde das Spiel in eine zeitweise Aufhebung der negativen Konsequenzen des individuellen Problems (Probleme mit der Arbeit, der Entfremdung und der Ausbeutung) zurück verwandelt werden.
In der gemeinschaftlichen Übereinstimmung wird die Bedeutung des Spiels im Fluss der gegenseitigen Aktionen bereichert. Die Kreativität erhält mehr Raum durch die befreite Phantasie und umgekehrt. Jede Erfindung, jede neue Möglichkeit kann kollektiv, ohne vorgefertigte Modelle, erlebt werden. Sie kann einen lebenswichtigen Einfluss haben, auch einfach dadurch, dass sie sich als kreatives Moment darstellt, auch wenn sie bei der eigenen Realisierung auf tausend Schwierigkeiten stossen sollte.
Eine traditionelle revolutionäre Organisation bringt früher oder später ihre Technikerinnen zum Vorschein. Sie kann dem Risiko der Technokratisierung nicht entgehen. Die grosse Bedeutung, die dem instrumentellen Charakter der Aktion zugestanden wird, verurteilt diesen Weg.
Eine revolutionäre Struktur, die den Moment der Freude in der direkten, revolutionären Aktion zur Zerstörung der Herrschaft sucht, betrachtet die Wege zur Realisierung dieser Zerstörung als Mittel zum Zweck. Diejenigen, die diese Mittel benutzen, dürfen nicht zu deren SklavInnen werden: Ebensowenig jedoch dürfen diejenigen, die sich dieser Mittel nicht zu bedienen wissen, die SklavInnen derer werden, die den Umgang damit beherrschen.
Die Diktatur des Mittels ist die schlimmste aller Diktaturen. Die wichtigsten Waffen der Revolutionärinnen sind die eigene Entschlossenheit, das eigene Bewusstsein, die eigene Entscheidung in Aktion zu treten und die Individualität. Die dinglichen Waffen sind Mittel und als solche müssen sie immer wieder einer kritischen Bewertung unterzogen werden. Es ist notwendig, eine Kritik an Waffen zu entwickeln. Wir haben schon zu oft erlebt, dass Maschinenpistolen oder militärische Effizienz als heilig betrachtet wurden.
Der bewaffnete Kampf ist keine Angelegenheit, die nur die Waffen betrifft. Diese allein können nicht die revolutionäre Dimension repräsentieren. Die komplexe Realität auf eine einzige Sache zu reduzieren ist gefährlich. In der Tat bringt das Spiel das Risiko mit sich, das Experiment des Lebens ausschliesslich als Spielzeug zu betrachten, indem es zu etwas magischem und absolutem erhoben wird. Es ist daher auch kein Zufall, dass in den Symbolen vieler kämpfenden revolutionären Organisationen eine Maschinenpistole auftaucht.
Man muss noch weiter gehen, um den tiefen Sinn des revolutionären Kampfes als Freude besser zu verstehen und um den Illusionen und Fallen einer erneuten Vorstellung des geschäftlichen Spektakels mit mythischen oder mythisierten Objekten zu entgehen.
Bei der Bekämpfung des bewaffneten Kampfes macht das Kapital eine letzte Anstrengung. Um auf einem Terrain zu widerstehen, auf dem es sich nicht ganz sicher fühlt, braucht es die Kooperation der öffentlichen Meinung. Daher kommt die Entfesselung eines psychologischen Krieges, in welchem die raffiniertesten Waffen der modernen Propaganda eingesetzt werden.
Im Grunde genommen ist das Kapital in seiner momentanen physischen Ausdehnung verletzbar gegenüber einer revolutionären Struktur, die Zeit und Ort des Angriffs selbst bestimmen kann. Das Kapital kennt seine Schwächen genau und versucht dem abzuhelfen. Die Polizei reicht ihm dazu nicht aus, ebensowenig die Armee. Es braucht die ständige Wachsamkeit der Menschen, selbst der des niedersten Proletariats. Um dies zu erreichen, muss es die Klassenfronten spalten. Unter den armen Leuten muss es den Mythos der Gefährlichkeit der bewaffneten Organisationen verbreiten, ebenso den Mythos der Heiligkeit des Staates und den der Moral, der Gesetze usw..
Indirekt bringt es also die Organisationen und ihre Militanten dazu, eine Rolle zu übernehmen. Innerhalb einer “Rolle” hat das Spielen keinen Sinn mehr. Alles wird “ernst” und somit illusorisch, spektakulär und geschäftlich. Die Freude verwandelt sich in eine Maske. Die einzelne Person wird anonym und lebt in einer Rolle. Sie ist nicht mehr in der Lage, zwischen Wirklichkeit und Schein zu unterscheiden.
Um den magischen Kreis der geschäftlichen Dramaturgie zu durchbrechen, müssen wir jede Art von Rolle ablehnen, auch die der Berufsrevolutionärin.
Der bewaffnete Kampf muss jeder Charakterisierung der Professionalität und Arbeitsteilung entgehen, die ihm die äussere Form der kapitalistischen Produktion vorgeben will.
“Tu es selbst.” Den globalen Inhalt des Spiels brichst du nicht mit der Verarmung, die aus seiner Rolle resultiert. Verteidige dein Recht auf Freude am Leben. Sei ein Hindernis für das kapitalistische Projekt des Todes. Es kann in die Welt der Kreativität nur dann eindringen, wenn es ihm gelingt, das spielende Individuum in eineN MitspielerIn zu verwandeln und das lebende schöpferische Individuum in ein totes, das nur glaubt zu leben.
Wenn die Welt des Spiels zentralisiert wird, hat es keinen Sinn mehr von einem Spiel zu sprechen. Mit unserem Vorschlag der “bewaffneten Freude” müssen wir auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es dem Kapital womöglich gelingen könnte, sich die revolutionären Vorschläge einzuverleiben. Dieses Einverleiben kann eben über eine externe Verwaltung der Welt des Spiels erreicht werden, wenn dabei die Rollen der Spielenden, der Gegenseitigkeit der Spielgemeinschaft und der Mythologie des Spielzeugs festgelegt werden.
Wenn die Fesseln der Zentralisation, der militärischen Partei zerrissen werden, werden dadurch die Ideen des Kapitals durcheinandergebracht, denn diese sind auf die spektakuläre Produktivität des quantitativen Marktes eingestellt. Auf diese Weise wird die koordinierte Aktion der Freude für das Kapital rätselhaft. Sie wird zum Nichts, zu etwas zwecklosem, etwas, das keinerlei Realitätsbezug hat. Und zwar deswegen, weil das Sein, das Ziel und die Realität des Kapitals reine Illusionen sind, wohingegen das Sein, das Ziel und die Realität der Revolution konkret fixiert sind.
Dem Gesetz des produktiven Bedürfnisses wird das Gesetz des Bedürfnisses nach Kommunismus entgegengesetzt. Die Entscheidung des einzelnen Individuums innerhalb der Gemeinschaft der Spielenden werden im Licht dieses neuen Bedürfnisses bedeutungsvoll. Der Mangel an Realität und die illusorische Substanz der Modelle der Vergangenheit, der des Todes, wird aufgedeckt.
Die Zerstörung der Herrschenden bedeutet Zerstörung der Ware, und die Zerstörung der Ware entspricht der Zerstörung der Herrschenden.

X
. Auf dass die schlecht angefangenen Aktionen ein gutes Ende haben werden. Auf dass die Revolution, die so weit von den RevolutionärInnen entfernt ist, sich unabhängig von ihrem verbliebenen Wunsch nach sozialem Frieden verwirkliche.
Das Kapital wird den weissen Kitteln das letzte Wort überlassen. Die Gefängnisse können nicht mehr lange bestehen. Alte Festungen aus der Vergangenheit, einer Vergangenheit, die nur noch in der überzogenen Phantasie einiger pensionierter ReaktionärInnen überlebt, werden mit der Ideologie einstürzen, die auf der sozialen Orthopädie beruht. Verurteilte wird es nicht mehr geben. Die Kriminalisierung, die das Kapital in seinen rationalsten Formen ausübt, wird auf die Irrenanstalten übergehen.
Das Spektakel abzulehnen, bedeutet ausserhalb der Realität zu sein, wenn alle Realität zum Spektakel gehört. Die Regeln abzulehnen, die das Gesetz des Geschäfts uns auferlegen will, bedeutet wahnsinnig zu sein. Der Preis dafür, sich zu weigern vor einem Gott der Waren niederzuknien, ist, in die Irrenanstalt eingeliefert zu werden.
Die Therapie dort wird sehr radikal sein. Allerdings keine inquisitorischen Foltern und Blutspuren an der Wand mehr, denn diese Dinge beeindrucken die öffentliche Meinung und bringen die braven BürgerInnen dazu einzugreifen. Sie produzieren Rechtfertigungen und Entschädigungen und bringen die Harmonie des Spektakels durcheinander. Stattdessen die totale Vernichtung der Persönlichkeit, die als einzige Radikalkur für Geisteskranke anerkannt wird und niemanden stört. Solange der normale Mensch sich von der unvergänglichen Atmosphäre des kapitalistischen Spektakels umgeben fühlt, wird er den Eindruck haben, dass sich die Türen der Irrenanstalt nie hinter ihm schliessen werden. Die Welt des Wahnsinns wird ihm fremd sein, auch wenn immer eine Irrenanstalt in greifbarer Nähe der Fabriken, Schulen und jedem Viertel zur Verfügung stehen wird.
Geben wir acht, mit unserer kritischen Stumpfheit nicht auch noch den staatlichen Funktionärinnen mit den weissen Kitteln den Weg zu ebnen.
Das Kapital gibt den interpretativen Code vor, um ihn unter den Massen zu verbreiten. Auf der Basis dieses Codes wird die öffentliche Meinung dahingehend angepasst, in den AttentäterInnen auf die Ordnung der Dinge der Herrschenden und den Revolutionärinnen praktisch nur Verrückte zu sehen. Daher auch die Notwendigkeit ihnen die Türen der Irrenhäuser zu öffnen. Auch die gegenwärtigen Gefängnisse, die immer mehr nach deutschem Modell rationalisiert werden, verwandeln sich zuerst in Spezialknäste für Revolutionärinnen, dann in Vorzeigegefängnisse und schliesslich in wahrhaftige Lager zur Manipulation der Gehirne und zu guter Letzt in Irrenhäuser.
Dieses Verhalten des Kapitals entsteht nicht nur aus der Notwendigkeit, sich gegen die Kämpfe der Ausgebeuteten zu verteidigen. Es ist zudem die einzig mögliche Antwort auf Basis der internen Logik des Gesetzes der wirtschaftlichen Produktion.
Das Irrenhaus ist für das Kapital ein physischer Ort, an dem die Globalität der Funktion des Spektakels unterbrochen wird. Verzweifelt wird versucht, auch den Knast in diese globale Unterbrechung zu führen, aber das kann nicht gelingen, weil er von den grundlegenden Ansprüchen seiner orthopädischen Ideologie blockiert wird.
Der Ort’ des Irrenhauses dagegen hat keinen Anfang und kein Ende, er besitzt weder Geschichte noch die Wandelbarkeit des Spektakels. Er ist ein Ort des Schweigens.
Der andere “Ort” des Schweigens hingegen – der Friedhof – hat im Gegenteil die Fähigkeit laut zu sprechen. Die Toten sprechen und unsere Toten sprechen sogar sehr laut. Unsere Toten können belastend sein, sehr belastend sogar. Daher versucht das Kapital immer weniger Tote zu schaffen, während parallel dazu die Zahl der “Besucherinnen” der Irrenhäuser anwachsen wird. Die “Heimat des Sozialismus” kann uns in diesem Bereich viel beibringen.
Das Irrenhaus ist die perfekteste therapeutische Rationalisierung der Freizeit. Eine Arbeitspause ohne Traumata für die Handelsstrukturen. Fehlende Produktivität ohne Negierung der Produktivität. Irre können auch ohne Arbeit existieren und durch das Nicht-arbeiten bestätigen sie erneut die Weisheit der Arbeit als Gegensatz der Verrücktheit.
Indem wir sagen: Es ist nicht der richtige Moment für einen bewaffneten Angriff gegen den Staat, öffnen wir die Türen der Irrenanstalten weit für die Genossinnen, die diesen Angriff durchführen. Indem wir sagen: Es ist nicht der richtige Moment für die Revolution, ziehen wir die Fesseln an den Betten fest. Indem wir sagen: Diese Aktionen sind objektiv gesehen provokant, ziehen wir uns die weissen Kittel der Folterknechte über.
Zu den Zeiten, in denen die Zahl der Gegnerinnen gering war, funktionierte das Maschinengewehr gut. Zehn Tote sind noch erträglich, dreissigtausend, hunderttausend oder zweihunderttausend würden einen fundamentalen Punkt in der Geschichte anzeigen, einen revolutionären Bezugspunkt mit so blendender Leuchtkraft, dass für lange Zeit die Harmonie des geschäftlichen Spektakels getrübt würde. Ausserdem ist das Kapital schlauer geworden. Medikamente haben eine Neutralität, die Munition nicht besitzt und liefern ein therapeutisches Alibi:
Dem Kapital soll sein eigener Status der Verrücktheit ins Gesicht geschleudert werden. Die Begriffe des Gegensatzes müssen sich wandeln.
Die Neutralisierung des Individuums ist eine konstante Praxis der wirtschaftlichen Gesamtheit des Kapitals. Die Gesellschaft ist eine riesige Irrenanstalt. Die Verflachung der Meinungen ist ein therapeutischer Prozess und eine Todesmaschinerie. Ohne diese Verflachung kann sich die Produktion nicht in der spektakulären Form des Kapitalismus realisieren. Und wenn die Ablehnung all dessen, die Akzeptanz der Freude gegenüber der Wahl des Todes, ein Zeichen von Wahnsinn ist, wird es Zeit, dass alle anfangen die Falle zu erkennen, die sich unter all dem verbirgt und bereit ist zuzuschnappen.
Die ganze Maschinerie der kulturellen Tradition des Westens ist eine Todesmaschinerie, eine Verneinung der Realität, ein Reich der Falschheit, das jede Art von Schandtaten, Missbräuchen, Ausbeutung und Genozid anzieht. Wenn die Ablehnung dieser Logik der Produktion als Wahnsinn verurteilt wird, ist es notwendig, den Unterschied zwischen Wahnsinn und Wahnsinn zu erklären.
Die Freude bewaffnet sich. Ihr Angriff ist die Überwindung der geschäftlichen Halluzination, der Maschinerie und der Ware, der Rache und der Führung, der Partei und der Quantität. Ihr Kampf durchbricht die Front der Logik des Profites, der Architektur des Marktes, der programmierten Bedeutung des Lebens, dem endgültigen Dokument des Archivs. Ihre brisante Explosion wirft die Ordnung der Abhängigkeiten um, die Nomenklatur des Positiven und Negativen, das Gesetz der geschäftlichen Illusion.
Doch all das muss sich irgendwie mitteilen können. Der Übergang der Bedeutungen von der Welt der Freude zu der des Todes ist nicht einfach. Die gegenseitigen Gesetzmässigkeiten sind aus den Fugen geraten und und könnten sich gegenseitig annullieren. Das, was in der Welt der Freude als Illusion betrachtet wird, ist in der Welt des Todes Realität und umgekehrt. Derselbe physische Tod über den in der Welt des Todes soviel geweint wird, ist weniger tödlich als der Tod, der als Leben ausgegeben wird.
Daher stammt auch die grosse Fähigkeit des Kapitals, die Botschaften der Freude zu mystifizieren. Auch die RevolutionärInnen, die sich innerhalb der Logik der Quantität bewegen, sind nicht imstande, den Sinn der Erfahrungen der Freude bis auf ihren Grund zu verstehen. Manchmal stammeln sie unbedeutetende Annäherungen, ein anderes Mal geben sie Urteile ab, die sich nicht wesentlich unterscheiden von denen des Kapitals.
Die allgemeine Vorstellung von Bedeutung im geschäftlichen Spektakel ist die Ware. Das aktive Element dieser angehäuften Masse ist die Arbeit. Jenseits dieser Elemente des Bildes von der Produktion gibt es keine Zeichen, die gleichzeitig etwas Positives oder Negatives bedeuten können. Es gibt zwar die Möglichkeit nicht zu arbeiten, aber nicht als Negierung der Arbeit, sondern nur als Pause für einen gewissen Zeitraum. Ebenso gibt es die Möglichkeit, etwas nicht als Ware zu sehen, also das personalisierte Objekt, aber nur als Verdinglichung der Freizeit, also als etwas, das als Hobby produziert wurde für die Zeitspanne, die vom Produktionszyklus zur Verfügung gestellt wird. Die Zeichen sind deutlich: Nicht zu arbeiten und nicht Ware zu sein ist in diesem Sinne für das allgemeine Produktionsmodell funktional.
Nur indem wir die Bedeutungen der Freude und der entsprechenden Bedeutungen des Todes als Elemente zweier gegensätzlicher Welten, die sich gegenseitig bekämpfen, verdeutlichen, können wir einige Elemente der Aktionen der Freude vermitteln. Allerdings müssen wir uns därüber im Klaren sein, dass wir nicht alle vermitteln können. Wer anfängt, die Erfahrung der Freude zu machen, wenn auch in Bereichen, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Angriff auf das Kapital stehen, ist eher bereit, die Bedeutungen des Angriffs aufzunehmen, wenigstens eher bereit, als diejenigen, die in einer veralterten Vision der Auseinandersetzung gefangen sind, einer Vision, die auf der quantitativen Illusion beruht.
Auf diese Weise ist es immer noch möglich, dass sich die Eule zum Flug erhebt.
XI
Mal beiseite mit dem Warten, der Unentschlossenheit, den Träumen vom sozialen Frieden, den kleinen Kompromissen und der Naivität. Alles metaphorischer Kram, den uns das Kapital andrehen will. Mal beiseite mit den grossartigen Analysen, die alles bis in die kleinsten Einzelheiten erklären. Dicke Bücher voller Verstand und Angst. Mal beiseite mit der demokratischen und bürgerlichen Illusion der Diskussion und des Dialogs, der Debatten und Versammlungen, der illuministischen Fähigkeiten der Mafiabosse. Mal beiseite mit der Vernunft und der Weisheit, die die bürgerliche Moral der Arbeit in unsere Herzen gegraben hat. Mal beiseite mit den Jahrhunderten des Christentums, die uns beigebracht haben zu opfern und zu gehorchen. Mal beiseite mit den PriesterInnen jeglichen Ordens und Funktion, den Herrschenden, den revolutionären FührerInnen, den weniger revolutionären und denen, die überhaupt nicht revolutionär sind. Mal beiseite mit der Zahl, der Illusion des Quantitativen, den Gesetzen des Marktes, von Angebot und Nachfrage. Setzen wir uns doch einen Augenblick auf die Ruinen unserer Geschichte als Verfolgte und denken nach.
Die Welt gehört uns nicht, solange sie Herrschende hat und diese so dumm sind, sie sich so zu wünschen wie sie ist. Sollen sie sie sich doch nehmen und damit anfangen, die Ruinen anstelle der Paläste, die Friedhöfe anstelle der Städte, den Schlamm anstelle der Flüsse, den infizierten Dreck anstelle des Meeres zu zählen.

Das grösste illusionistische Spektakel der Welt verzaubert uns nicht mehr.
Wir sind sicher, dass aus unserem Kampf hier und jetzt, die Gemeinschaften der Freude hervorgehen werden.
Und zum ersten Mal wird das Leben über den Tod triumphieren

Armed Joy

La gioia armata

La joie armee

El Placer Armado

Oružana Radost

Silahlı Neşe

O Prazer Armado

Advertisements

Leave a Comment »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Blog at WordPress.com.

%d bloggers like this: