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February 21, 2012

Der Kampf gegen den Atomstaat

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von AG Grauwacke

In drei Kapiteln erzählt das Buch “Autonome in Bewegung” die Geschichte der Anti-Atom-Bewegung in der BRD aus autonomer Perspektive

I. Ende der 70er: “Der Bauplatz muss zur Wiese werden!”

Wie alles anfing: Die erste Bewegungsphase 1973 bis 1977

In enger Abstimmung mit den großen Energieversorgungsunternehmen und mit dem Siemens-Konzern beschleunigt die SPD-Bundesregierung Anfang der 70er Jahre den Ausbau des westdeutschen Atomprogramms. Die “Ölkrise” 1973/74 ist der propagandistisch willkommene Anlass für Kanzler Schmidt und Forschungsminister Matthöfer, mit Milliardensubventionen die Entwicklung des modernen 1300 Megawatt-Druckwasserreaktors noch massiver zu fördern. Das Atomprogramm soll die BRD in der Energieversorgung autark machen. Unabhängiger von Rohstoffen wie Öl, welches dummerweise in einer Region sprudelt, auf die man nur begrenzten Zugriff hat und deren Entscheidungsträger sich erdreisten, diesen Rohstoff nicht so billig abzugeben wie andere Güter des Trikonts, der “Dritten Welt”. Aber auch unabhängiger von Energieträgern wie Kohle, die in den Augen der Herrschenden den Nachteil hat, dass viele Arbeiter nötig sind, um sie zu fördern. Arbeiter sind ein potentieller Unruhefaktor, den es auszuschalten gilt durch eine Form von Energiegewinnung, die weniger arbeitsintensiv ist.

Der Widerstand gegen die Atompolitik von Regierung und Konzernen entwickelt sich lange vor dem Auftreten der “Autonomen”. Die erste spektakuläre Widerstandsaktion ist 1974/75 die Bauplatzbesetzung gegen das geplante Atomkraftwerk Whyl am Rande des Kaiserstuhls (Baden-Württemberg). Ist Whyl noch ein eher regionaler Konflikt, so werden die ersten Demonstrationen in Brokdorf, 60 Kilometer nordwestlich von Hamburg an der Elbe gelegen, im Herbst 1976 zur Geburtsstunde der bundesweiten Anti-AKW-Bewegung. Der ländliche, bäuerliche Konflikt vor Ort bleibt im Gegensatz zu Whyl relativ schwach. Dafür treten die wie Pilze aus dem Boden schießenden großstädtischen Bürgerinitiativen aus Hamburg, Hannover, Bremen und Göttingen auf den Plan.

Bauplatzkämpfe 1976

Ich lebte damals in Bremen und hatte die dortige ‘Bremer Bürgerinitiative gegen Atomanlagen’ (BBA) nach der ersten Brokdorfdemo mitgegründet.

Wie für die Hamburger und Göttinger war es für uns überhaupt keine Frage: Wenn wir nach Brokdorf fahren, nehmen wir ale Klamotten mit, von Helmen, Ostfriesennerzen (wegen der Wasserwerfer), über Seile, Enterhaken bis zu Signalraketen (das war großkalibrige Signalmunition aus der Seefahrt, die gegen die tieffliegenden Bullenhubschrauber eingesetzt wurde). Schließlich sollte der auplatz wieder zur Wiese werden, und das ging nur gegen den Widerstand der Bullenarmada. Am 13. November 1976 scheiterte unser Vorhaben, obwohl von den 30.000 sich mehr als 10.000 an den Zaunkämpfen beteiligten. Aber wirlernten schnell, und vier Monate später kam es in Grohnde zu den wohl heftigsten militanten Auseinandersetzungen in der Geschichte der Anti-AKW-Bewegung. Die Schlacht war von uns richtig militärisch vorbereitet worden mit Trainingscamps zur Überwindung von Flüssen und hohen Zäunen, hängend am Drahtseil. Doch letztlich scheiterte auch in Grohnde die Besetzung, viele wurden festgenommen bzw. schwer verletzt.

Im eigentlichen Sinne sind das keine Bürgerinitiativen, sondern zunächst noch lose, aber im Verlauf der Kämpfe an den Bauzäunen sich sehr eng zusammenfügende Kreise von Stadtteilgruppen, Bezugsgruppen, Sanitätsgruppen etc., in denen sich zumeist junge Linke und Linksradikale organisieren. Parteimitglieder sind nicht gerne gesehen, auch K-Gruppen-Mitglieder bestenfalls wohl gelitten.

Was viele Außenstehende verwundert, ist die rasant anwachsende Bereitschaft zu massenhafter Militanz und die Entschlossenheit, persönlich ungeheuer viel zu riskieren. Woher kommt das?

Erstens fühlen wir uns zu ersten Mal seit Jahren in unseren Kämpfen an den Unis oder Schulen nicht isoliert, sondern eng mit der Bevölkerung vor Ort verbunden, die zwar meistens unsere Aktionen nicht gutheißt, aber auch nicht offen ablehnt. Teilweise freut sie sich sogar, wenn die Polizei als Büttel der Atommafia in die Defensive gedrängt wird. Der Spruch “Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht” gilt auch für uns, er drückt ganz gut das Verbindende mit den Bürgern aus. Wenn wir solche Transparente in Dörfern, in den Kleingärten oder an der Straße sehen, wird uns warm ums Herz.

Zweitens geht es uns aus den Großstädten nicht ausschließlich um die jeweiligen Bauplätze: Wir kämpfen an den Bauzäunen von Brokdorf und Grohnde nicht nur gegen das Atomkraftwerk, sondern auch gegen die Atommafia, gegen die Energieversorgungsunternehmen NWK, RWE, VEBA und wie sie alle heißen, letztendlich besonders gegen den die Atommafia schützenden Staat.

Drittens entsteht nach dem 13. November 1976 eine ganz neue Bewegung, mit eigener Musik, Kleidung, Kultur und neuen politischen Inhalten. Binnen Monaten werden wir immer mehr. Wenn wir an den Bauzäunen rütteln, spüren wir, dass wir an den Fassaden der überkommenen Formen der parlamentarisch- sozialdemokratischen Macht und ihrer Arroganz rütteln. Politiker, Richter, Staatsanwälte, Experten sind zunehmend verunsichert und können mit der Vehemenz der neuen außerparlamentarischen Bewegung nicht umgehen, die Bürger und Chaoten in einem großen Sammelsurium vereint.

Es gibt von Anfang an Versuche, die Bewegung in einen guten, dialogbereiten Teil und einen gewalttätigen zu spalten (siehe die berühmte Spalterdemo Brokdorf/Itzehoe am 19. Februar 1977: Die Friedlichen von der DKP bis zum Bundesverband Bürgerinitiativen bleiben in der Kreisstadt Itzehoe, während die von den Medien als “Chaoten” eingestufte Mwehrheit in die Wilstermarsch gen Brokdorf zieht). Auf den Bundeskonferenzen der Anti-AKW-Bewegung wird heftig über die “Gewaltfrage” gestritten, es gibt Zerwürfnisse, und dennoch kommen wir bei den nächsten Aktionen immer wieder zusammen.

1977 finden in der gesamten BRD unzählige Aktionen gegen die Atomkraftwerke statt. Rasend schnell weitet sich die neue Bewegung von Norden nach Süden aus. Neben den AKW-Standorten rückt zum ersten Mal Gorleben in den Blickpunkt, denn hier plant die Atommafia, das erste bundesdeutsche Endlager für Atommüll zu errichten und eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) zu bauen.

Diese erste Bewegungsphase geht zu Ende mit der Demonstration gegen den geplanten Schnellen Brüter in Kalkar im September 1977, mitten im “deutschen Herbst”, der RAF-Hysterie und Schleyer-Fahndung. Bei diesem Plutoniumreaktor lassen die Herrschenden überhaupt nicht mit sich spaßen. In Malville, am Standort des französischen Schnellen Brüters, ist es zwei Monate vorher zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der französischen Polizei gekommen. Die dortigen CRS-Einheiten sind mit Knüppeln, Gas und gezielt geschossenen Blendschockgranaten derart brutal vorgegangen, dass ein Demonstrant, der Physiklehrer Vital Michalon, ums Leben kam und die französische Anti-AKW-Bewegung nachhaltig zerschlagen wurde.

Die deutsche Polizei fährt bei der Kalkar-Demo ungeheuer auf, kontrolliert Zehntausende mit gezogenen MPs auf den Autobahnen , lässt Tausende überhaupt nicht in ihren Bussen losfahren, stoppt Züge auf offener Strecke mit Hubschraubern. Die SPD-Regierung probt den Bürgerkrieg, Bundeskanzler Schmidt sagt in bewusster Anlehnung an die Propaganda gegen die RAF den “Straßenterroristen” den Kampf an. Trotzdem erreichen über 30.000 den Bauplatz. Aber gegen Panzerwagen sind die erfolgreich durchgeschleusten Enterhaken machtlos. Hier wird der Bewegung auf brutale Weise vorgeführt, dass der Staat alle militärischen Register ziehen wird, falls er die Bewegung anders nicht zerschlagen kann. Infolge dieser zugespitzten Konfrontation ziehen sich viele erst mal zurück, andere gehen zu den sich gerade gründenden Grünen, und Dritte kümmern sich hauptsächlich um die Kriminalisierten.

Die ersten “Autonomen” in der Anti-AKW-Bewegung

In der Zeit von 1977 bis 1981 zeigen sich die ersten Ansätze der späteren autonomen Gruppen. Die K-Gruppen verlieren immer mehr an Anziehungskraft und gesellschaftspolitischer Bedeutung oder gehen in der grünen Partei auf. Der orthodoxe Linksradikalismus wird durch eine neue undogmatische Bewegung von Linksradikalen verdrängt. Dies gilt z.B. für das Umfeld des Göttinger ‘Arbeitskreis gegen Atomenergie’ oder einzelne Stadtteilgruppen der BBA in Bremen, obwohl sich damals die wenigsten als “Autonome” bezeichnen. Einige Gruppen aus Hamburg und vor allem der dortige ‘Arbeitskreis Politische Ökologie’ verwenden aber schon damals den Begriff “Autonome”. Die Hamburger haben schon Ende 1978 in Abgrenzung zur Machtpolitik des KB (Kommunistischer Bund) in der dortigen Anti-AKW-Bewegung “autonome Strukturen” aufgebaut und Grundlegendes zum autonomen Selbstverständnis formuliert: “Es genügt nicht, eine ‘richtige’ Geselschaftstheorie zu haben und verbal die Gesetzmäßigkeiten unserer Gesellschaft immer wieder aufzuzeigen, sondern eigenbestimmte Lebensstrukturen müssen erfahrbar werden. Diese Strukturen können zur Zeit hauptsächlich nur Widerstandsstrukturen gegen das herrschende wirtschaftliche und politische System sein. Erst wenn die Menschen erfahren, dass es möglich ist, ihr eigenes Handeln im Rahmen des Widerstands selbst zu bestimmen, um sich somit vor der Willkür und Kontrolle derjenigen zu schützen, die z.Z. die wirtschafliche und politische Macht innehaben, werden sie Vertrauen in ihre eigene Kraft bekommen und Veränderungen für ihre Interessen durchsetzen können.” (zitiert aus ‘Bilanz und Perspektiven zum Widerstand gegen Atomanlagen, 1978).

Hier klingt schon deutlich die Wichtigkeit der Herausbildung des (autonomen) Subjekts im Kampf gegen das System an und demzufolge wird auch die Stellvertreterpolitik der bürgerlichen und kommunistischen Parteien als “kleinbürgerliche Machtpolitik” zurückgewiesen. Die Identitätsfindung verläuft aber noch weitgehend über die Abgrenzung zu den K-Gruppen. Doch im Laufe der Bewegung wächst das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die Richtigkeit des eigenen Tuns. Dazu zählt sowohl das militante Vorgehen gegen die Bullen und die “Büttel der Atommafia” als auch das oftmals sich sehr mühsam entwickelnde Gespräch mit den Anwohnern an den AKW-Bauplätzen.

Mit dem 6. Mai 1980, der Demo gegen das Rekrutengelöbnis vor dem Bremer Weserstadion, beginnen dann die Autonomen ihren medialen Aufstieg. Politische Verortungen wie “Autonome” oder “Linksradikale” sind für uns in der Bewegung in Bremen allerdings Fremdworte. Wir begreifen uns als entschiedene Systemgegner, Punkt. Wichtig ist, dass unsere Aktionsformen die Militanz mit einschließen, sich jedoch nicht darauf beschränken. Das macht die Stärke der Anti-Atomkraft-Bewegung aus. Etliche sehen sich durchaus als Revolutionäre, Anarchisten, Sozialisten. Aber eine Partei mit Programm und Sekretär lehnen nahezu alle ab, denn im Gegensatz zu den K-Gruppen ist für uns vor allem wichtig, dass wir uns in kollektiven und sozialen Strukturen bewegen. Zugespitzt formuliert: Unser politisches Bewusstsein in der Anti-AKW-Bewegung ist 1980 überwiegend längst nicht so “autonom” wie unsere Praxis. Erst nach und nach setzt sich der in Hamburg 1978 begonnene Prozess der Identitätsstiftung und Namensfindung in anderen Städten durch.

Die zweite Bewegungsphase: Von Gorleben nach Brokdorf und wider zurück

Der zweite Bewegungs-Zyklus beginnt mit dem Gorleben-Treck. Ende März 1979 ziehen mehrere hundert Bauern mit ihren Traktoren nach Hannover, um gegen das dortige Gorleben-Hearing zu protestieren. Jetzt rückt plötzlich der bäuerliche Widerstand in den Mittelpunkt der Bewegung und initiiert die bis dahin größte Anti-Atomkraft-Demo. Über 100.000 kommen am 31. März mit zig Sonderzügen und Bussen zum Regierungssitz von CDU-Ministerpräsident Albrecht, zusätzlich angestachelt durch den Reaktorunfall in Harrisburg am 28. März, der die wildesten Bedrohugsszenarien bestätigt. Harrisburg und die us-amerikanische Ostküste entgehen damals nur um Haaresbreite dem Super-Gau, der Reaktorkernschmelze.

Der Gorleben-Treck bildet einen neuen Aufbruch. Kalkar und der militärische Aufmarsch des Staates sind vergessen. Jetzt ist plötzlich wieder friedlicher Protest angesagt. Gorleben bleibt Ausdruck und Kristallisationspunkt des betont gewaltfreien Teils der Bewegung Den Höhepunkt dafür bildet das riesige Hüttendorf am Bohrloch 1004 im Mai 1980, als durch mehr als 2000 AKW-Gegner die ‘Republik Freies Wendland’ ausgerufen wird. Der Traum von einer Welt ohne Atomkraft, Gewalt und Hass wird am 4. Juni jäh durch ein Großaufgebot der Bullen mit Panzerwagen und Planierraupen zerstört. Die niederschmetternden Erfahrungen wirken nach bis in den ein halbes Jahr später beginnenden Berliner Häuserkampf. Aufgrund der eigenen Erlebnisse auf 1004 erntet das gewaltfreie Widerstandskonzept nur noch Hohngelächter.

In Brokdorf wird der Baustopp Ende 1980 aufgehoben, und das will die Anti-AKW-Bewegung mit allen Mitteln wieder rückgängig machen. Damals scheren Demoverbote überhaupt nicht. Im Gegenteil, das wochenlange mediale Hin und Her um das Demoverbot stachelt nur noch mehr an und mobilisiert Zehntausende.

Die große Brokdorf-Demo am 28. Februar 1981 ist der Beginn des bewussten Zusammengehens von Autonomen, Hausbesetzern und lokalen AKW-Gegnern. Aus den Erfahrungen der Demoverbote und Polizeiabsperrungen der vergangenen Jahre ist gelernt worden. In der Überwindung dieser Hemmnisse zeigt sich das Zusammenkommen von ländlichem und städtischem Widerstand.

Auf nach Brokdorf!

Da die Demo von der Polizei verboten war, war allen klar: Es wird nicht leicht, an den Bauzaun zu gelangen. Dementsprechend entschlossen und phantasiereich traten die einzelnen Konvois auf. Nur zwei Beispiele: Der Südzug aus Göttingen und Hessen wurde auf der Autobahn weit vor Hamburg gestoppt. Kurzentschlossen montierten Hunderte die Leitplanken ab und die Autos und Busse fuhren auf der Gegenfahrbahn an der Polizeisperre vorbei. Wir Bremer fuhren nachts um ein Uhr mit fast 10.000 AKW-Gegnern los, mussten wegen einer Polizeisperre die Autobahn vor Rotenburg verlassen und schlängelten uns auf Bundesstraßen bis nach Hamburg-Harburg, wo wir wieder unbehelligt die Autobahn nach Norden benutzen konnten. Wir hatten nicht nur Kradmelder dabei, die uns immer über die nächsten Bullensperren informierten, sondern auch einen Piratensender, der den 10 Kilometer langen Konvoi auf dem laufenden hielt. Es wurden auch noch ein paar gezielte Falschmeldungen über unsere Route durch den Äther gejagt, so dass die mitfahrenden Zivis mit ihren (falschen) Richtungsmeldungen ihre Einsatzleitung vollends verwirrten.

Vor Brokdorf ist dann wegen der Kälte, dem unbarmherzigen Wind und äußerst harten Polizeieinsätzen bald Schluss. Die meisten von uns sind nach kilometerlangen Fußmärschen über zugefrorene Wiesen und Gräben und wegen der einbrechenden Dunkelheit zu erschöpft, um noch den Bauzaun anzugreifen. Zudem behindern die Bulen durch umfangreiche Absperrungen u.a. mit sandgefüllten Containern den Anmarsch. Eine Woche später veröffentlicht der ‘Stern’ ein Foto, auf dem mehrere AKW-Gegner einen in den Graben gefallenen Polizisten verprügelt. Es beginnt eine bis dahin nicht gekannte Hetze und Kriminalisierung der Anti-AKW-Bewegung. Für die Autonomen in der Anti-AKW-Bewegung wird der Kampf gegen den Staat und seine Repressionsmaschine zu einem ihrer Hauptthemen.

Schon nach der Grohnde-Demo 1977 haben sich die ersten Ermittlungsausschüsse gegründet, weil damals die Bullen etliche Demonstranten festnahmen. Einige AKW-Gegner waren untergetaucht, andere wurden 1978 zu Haftstrafen verknackt. Nach der Brokdorf-Demo fahndet die Justiz nun bundesweit nach militanten AKW-Gegnern und leitet die ersten 129a-Verfahren ein. Der Prozess in Itzehoe gegen Markus Mohr und Michael Duffke, anfänglich wegen versuchten Mordes, wird zum Brennpunkt der Anti-Kriminalisierungs-Kampagne, die von vielen Autonomen aus Norddeutschland mitgetragen wird. In der ersten Instanz werden sie zu drakonischen Strafen von 6 ½ Jahren bzw. 3 Jahren verurteilt; in der Berufung reduziert sich das erheblich.

Brokdorf 1981 bildet den Schlusspunkt der militanten und bundesweiten Massenmobilisierung zwischen 1977-1981.

In Gorleben ändern sich die Zeiten. Nach der gewaltsamen Räumung von 1004 wird im Wendland die Gewaltfrage neu diskutiert. Bis dahin stufte die örtliche wendländische Bürgerinitiative schon das Umschmeißen eines Verkehrsschildes als Gewalt ein und distanzierte sich immer wieder von den “gewalttätigen Auswärtigen”, was den Autonomen ganz schön auf die Nerven ging. Doch auch die BI kann die Radikalisierung des Widerstandes nicht stoppen. Jetzt werden die wendländischen Bauern immer phantasievoller und radikaler in ihren Aktionen, und das zieht, immer von Neuem, auch die militanten Teile der Bewegung an.

Am 4. September 1982 wird zum “Tanz auf dem Vulkan” vor der Baustelle des Zwischenlagers eingeladen. Obwohl sich die BI wiederum von den “Gewalttätigen” distanziert, bröckelt die Spaltung zwischen “friedlich” und “militant” erstmals im Gorlebener Wald. Das lässt sich auch darauf zurückführen, dass Autonome in diesen Tagen den Wendländern ihre Gefühle, ihre Ängste und ihre Entschlossenheit offenbaren, und sich hinter den Hassmasken eben keine stumpfen “Gewalttäter” verbergen, sondern Menschen mit einem politisch-solidarischen Anliegen.

Ende Oktober ruft der militante und autonome Teil der Bewegung zur Demo am Schacht Konrad bei Salzgitter auf. Das zukünftige Atommüll-Zwischenlager liegt in einer verlorenen, öden Gegend, bisher ohne Widerstand vor Ort. Es kommen nur 10.000, die Autonomen sind fast unter sich. Trotz einiger heftiger Auseinandersetzungen mit der Polizei hat diese alles weitgehend im Griff. Eine Woche später knallt es auf der Bundeskonferenz der Anti-AKW-Gruppen in Kassel. In der Frage der Gewalt und des Verhältnisses zum Staat stehen sich zwei unversöhnliche Lager gegenüber. Die offene Spaltung wird trotzdem knapp vermieden.

Ende 1982 zerbröckelt die Bewegung, viele ziehen sich zurück, andere machen in klandestinen Kleingruppen weiter, legen die ersten Strommasten um oder kappen auch mal die regionale Stromversorgung, so dass Zehntausende abends zur Tagesschauzeit vor erloschener Glotze bei Kerzenschein sitzen. Doch die Bewegung hat an Anziehungskraft verloren. Militante und Autonome schwimmen nicht mehr wie der Fisch im Wasser, weil der Bewegungsstrom austrocknet.

Die Zeit der Großdemos ist erst mal vorbei, außer im Wendland zerfallen nach und nach die städtischen Anti-AKW-Gruppen. Andere Teile der Bewegung haben sich neuen Brennpunkten zugewandt. Im Rhein-Main-Gebiet tobt der Kampf gegen die Startbahn West, an dem sich viele Atomkraftgegner beteiligen; die neue Friedensbewegung zieht u.a. wegen dem 6. Mai 1980 und der IDEE (eine internationale Militär-Elektronik-Messe) in Hannover ebenfalls viele AKW-Gegner an. Mit ihrer organisatorischen Erfahrung, Kraft und Entschlossenheit tragen sie auch dort zur Radikalisierung und Polarisierung bei.

Dennoch hat die Anti-AKW-Bewegungschon viel erreicht. Die Bundesregierung streicht ihr Atomprogramm gehörig zusammen. Der breite Widerstand gegen den Schnellen Brüter in Kalkar ist der Sargnagel für die Plutoniumsproduktionspläne der Atomindustrie. Diese politischen Erfolge sind der Bewegung damals nicht so bewusst, sie sieht eher die einzelnen Niederlagen an den Bauzäunen und die Repressionsschläge.

Trotz einiger Gegenbeispiele, etwa im Wendland, nehmen die meisten Autonemen die Anti-AKW-Bewegung als soziale Bewegung nur unzureichend wahr. Sie bleiben zumeist in der Pose der Militanten, Revolutionäre, die sich nur ungern auf gleicher Augenhöhe mit den Bürgern auseinandersetzen. Die Autonomen haben sie nicht als Bürgerinitiativbewegung wahrgenommen und zu selten das Gespräch gesucht, sondern sich fast immer abgegrenzt.

So nehmen sie auch nicht wahr, dass durch die Anti-AKW-Bewegung Zehntausende politisch als Linke sozialisiert worden sind. Diese Bewegung war nach der Studentenbewegung die größte außerparlamentarische politische Schule in der Geschichte der BRD. Längst nicht alle sind später zu den Grünen gegangen, sondern haben sich in anderen politischen Bereichen engagiert.

Autonomer Anti-AKW-Widerstand im Wendland in den achziger Jahren

Erfahrungsbericht einer Aktivistin

Nachdem im Jahr 1980 das Anti-AKW-Dorf auf dem Bohrloch 1004 geräumt worden war, ergriffen einzelne Menschen aus dem Wendland die Initiative, eine intensivere Zusammenarbeit mit autonomen Gruppen aus den Städten zu organisieren. Auf 1004 war es zu Auseinandersetzungen besonders mit auswärtigen AKW-GegnerInnen um das Verhalten bei der Räumung gekommen, die “Emigrantengruppe” (hauptsächlich LehrerInnen aus Hamburg mit Wochenenddomizil im Landkreis) und die BI hatten sich mit dem Konzept einer gewaltfreien Sitzblockade durchgesetzt. Am Tag der Räumung konnten viele das hilflose Zusehen bei der Zerstörung des Dorfes nicht ertragen. Ich hatte in Hamburg das Frauenzentrum Rappstraße mitgegründet und klinkte mich, nach langer Abwesenheit aus dem Wendland, wo ich aufgewachsen war, nun für einige Jahre intensiv in die Organisierung ein. Dadurch, dass ich aus dem Wendland kam, gleichzeitig aber auch das Hamburger Wendland-Plenum (im BUU) mitinitiierte, fiel es mir viel leichter, einen direkten Kontakt zwischen einheimischem Widerstand und auswärtigen militanteren AKW-GegnerInnen aufzubauen. Dass die Leute vor Ort an sich eher gewaltfrei sein sollten, schien mir von Anfang an eine Fiktion zu sein.

1982 wurde von einer Handvoll Leute aus dem Landkreis (von den Gorlebenfrauen, den Bauern und Landkreis-Autonomen) als Reaktion auf die Frustration von 1004 das Musikfestival “Tanz auf dem Vulkan” in der Nähe der vorgesehenen Endlagerstätte vorbereitet. Wir wollten bei der abschließenden Aktion zusammen mit autonomen Gruppen aus den Städten die Absperrungen des Zwischenlagers angreifen. Zu dem Festival kamen 10.000 Leute, und am Aktionstag lieferten sich einige hundert Autonome und zahlreiche Ortsansässige im Wald um das Zwischenlager Kämpfe mit der Polizei. Stundenlang waren die Wege zum Zwischenlager verbarrikadiert.

Seit Anfang der 80er Jahre kam es im Wendland zu einer starken Landkommune-Bewegung. Die Erfahrungen des Zusammenlebens auf 1004 und das Erstarken der linksradikalen Bewegung im Wendland zog immer mehr Linke aus den Städten an. Einige wollten linke ultur aufs Land bringen, andere neue Lebensformen weitgehend unabhängig vom kapitalistischen Großstadtalltag erkunden.

1984 plante die BI eine Menschenkette am Rande des Landkreises, um deutlich zu machen, dass Atommüll-Transporte nicht ins Wendland kommen sollten. Viele Landkreis-Autonome und Autonome Gruppen aus den Städten wollten sich an dieser eher symbolischen Aktionsform zunächst nicht beteiligen. So entstand ein Bündnis von örtlichem und autonomem Widerstand. Diese planten eine Blockade der Zufahrtsstraßen ins Wendland, die “Wendlandblockade”. Am Tag der Blockade wurden am Rande der B191 Uelzen-Dannenberg mit Hilfe der örtlichen BIs Camps aufgebaut, die zum Teil im Morgengrauen von den Bullen geräumt wurden. Trotzdem begann das Blockieren der Straße mit Bäumen und anderen Materialien.

Auf den übrigen Zufahrtsstraßen in Wendland kamen andere Blockadekonzepte zustande, so eine Frauenblockade, eine Baiernblockade mit Treckern, eine Autoblockade auf der Strecke nach Lüneburg und eine von einzelnen Mitgliedern der BI mit einer riesigen gebastelten Krake. Einen Tag lang waren die Hauptzugangsstraßen ins Wendland für den Verkehr dicht. Im Gegensatz zu den Aktionen an den Atomkraftwerkstandorten, wo Großdemos und militante Aktionen an den Bauzäunen endeten und für die Bewegung immer weniger Perspektiven boten, war im Wendland eine neue Aktionsform entstanden, an der sich viele Menschen auf unterschiedlichem Niveau beteiligen konnten. Damals wurde zum ersten “Tag X” ins Wendland aufgerufen, der schnell zum Inbegriff des vielfältigen Widerstandes auch in anderen Teilbereichskämpfen wurde und bis heute immer wieder aufgegriffen wird. Nach der Wendlandblockade war klar, dass Blocaden mit Bäumen und Material auf den Fahrtstrecken des Castors eine effektive Methode waren, einzugreifen. Jetzt wurden auch die Bahnstrecken regelmäßig auf Sonntagsspaziergängen besucht.

Gleichzeitig fanden immer wieder militante Kleingruppenaktionen statt, wie das Heraussägen von Schienen oder das Abfackeln von Baumaterialien bei Firmen, die im AKW-Geschäft aktiv waren. Diese Aktionen führten zu Kriminalisierungsversuchen nach § 129a, die die Bewegung einschüchtern und spalten sollten. Sie verliefen aber alle nach einigen Jahren im Sande. Als endlich die Standortentscheidung anlag, entschied sich die Atomlobby für Wackersdorf als WAA-Standort, weil sie glaubte, dort auf weniger Widerstand zu stoßen. Da sollte sie sich gewaltig getäuscht haben. Zwischen 1982 und 1984 steigt die Zahl der militanten Angriffe auf Firmen, die am Ausbau der Atommüllkippe Gorleben beteiligt sind, sprunghaft an. So erhält die am Ausbau der Castorstrecke beteiligte Firma Heinz Licht des öfteren nächtlichen Besuch, Lastwagen und Baufahrzeuge werden abgefackelt, Parolen wie “Advent, Advent – ein Lichtlein brennt” hinterlassen. Wenig später erwischt es eine Bitumenfirma, die 800 Tonnen Asphalt für das Endlager Gorleben liefern sollte und nun einen Sachschaden von einer Million DM beklagt. In einem Interview mit der Zeitschrift ‘konkret’ erklärt ein Autonomer aus dem Wendland das Verhältnis des militanten Widerstands zur BI Lüchow-Dannenberg und ihrer Distanzierung von Anschlägen: “Man kann ihr daraus keinen Vorwurf machen. Die BI als eingetragener Verein kann nun mal nicht zur Brandstiftung aufrufen. Dann wird daraus ganz schnell eine kriminelle Vereinigung nach § 129a. Ich will mich nicht für die BI aus dem Fenster hängen, aber auf alle Fälle findet die BI ihre Legitimation darin, den bürgerlichen Widerstand zu organisieren. Aber ein bürgerlicher Widerstand, der sich nur ökologisch begründet und nicht politisch, der entwickelt sich nicht weiter. Die BI ist eingeschworen auf das Prinzip der Gewaltfreiheit, das heißt, ab einer gewissen Stufe bleibt die BI systemkonform stehen.”

II. Von Wackersdorf nach Kleve: Der Anti-AKW-Kampf geht weiter

Anfang 1985 beschließt die Bundesregierung auf freundliche Aufforderung der Atomindustrie den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf. Vorherige Pläne dazu im Wendland waren durch Protest und Widerstand verhindert worden. Der damalige CDU-Ministerpräsident Albrecht hatte öffentlich erklärt, eine solche Anlage sei “politisch nicht durchsetzbar”.

Das sonstige Atomprogramm stagniert. Die ursprünglich geplanten ca. hundert AKWs werden gestrichen. Der Schelle Brüter in Kalkar ist schon zu diesem Zeitpunkt eine milliardenschwere Bauruine. Das für AKW-Befürworter wie Gegner wichtige Symbol Brokdorf steht vor der Fertigstellung, neue Anlagen werden nicht mehr projektiert. Nun soll die WAA im angeblich politisch stabileren Bayern, genauer gesagt in der Oberpfalz, errichtet werden. Direkt nach dem Beschluss demonstrieren zigtausend Bürger in der Region gegen den Plan. Die Autonomen sind nicht nur wegen der Radioaktivität und der damit verbundenen Gefahren gegen eine WAA. Diese Anlage soll die Komplettierung des Atomprogramms bedeuten und die BRD in der Energiefrage autark machen. Die WAA ist der letzte Baustein, der den Griff zur Atombombe möglich macht. Durch die objektiven Gefahren der Atomkraft muss der Staat überwachungstechnisch aufrüsten und die Kontrolle möglichst aller ausbauen und verstärken.

Die ersten autonomen Zuckungen dazu gibt es mit der Beteiligung an einem Sommercamp im August 1985. Dieses Camp wird im Wesentlichen von lokalen AKW-Gegnern geplant und zum größten Teil von Auswärtigen besucht, unter denen die Autonomen dominieren.

Prêt-a-porter

Seit diesem Sommercamp haben die beliebten Vermummungsgegenständeihre noch heute allgemeine Bezeichnung “Hasskappen” (vorher hießen sie ganz profan Sturmhauben oder Masken). In diesem Jahr wechselte auch deren Design von gelber Augenumrandung in eine rote, was in der Kombination zum restlichen schwarz sowieso viel schöner war.

Mit der Teilnahme an diesem Camp, in dessen Verlauf der Bauplatz erstmalig besetzt wurde, sind Autonome ein Faktor im Widerstand, an dem niemand mehr vorbei kommt. Vielfältige Kontakte zu Bürgern entstehen ebenso wie zu diversen Bürgerinitiativen. Teilweise entwickeln sich Freundschaften, auf jeden Fall gegenseitiger Respekt und Interesse an verschiedenen Lebensstilen.

Durch den WAA-Widerstand kommt es seitens West-Berliner Autonomer auch zu vielen neuen Kontakten mit süddeutschen Autonomen. In der ersten Hälfte der 80er hatten die norddeutschen Hochburgen und das Rhein-Main-Gebiet im Mittelpunkt gestanden, dazu höchstens noch die süddeutsche Exklave Freiburg.

Im Dezember 1985 werden die ersten Bäume gefällt. Nach einer Demo mit 40.000 Leuten ziehen Tausende, gegen den erklärten Widerstand der konservativen Teile des Anti-WAA-Spektrums, auf die Baustelle und besetzen sie. Ein wildes Durcheinander von Bürgern, Peaceniks, Autonomen und vielen mehr beteiligen sich. Ganz orima ist die Teilnahme von bürgerlichen Aktivisten des Frankfurter Startbahnwiderstands, können die doch den Normalos viel und dazu glaubwürdiger als wir von Bullenbrutalität erzählen und wie gut Verlass auf die Militanten sei. Auch dies trägt sehr dazu bei, dass die Beteiligung der Autonomen bei vielen Einheimischen von vornherein akzeptiert wird und im Widerstand nur ganz selten dieses blöde Spiel Einheimische vs. Auswärtige auf den Tisch kommt. Die Gewaltfrage ist natürlich noch eine, wird aber später viel rascher als im Wendland gelöst. Durch die Entwicklung des Widerstands werden diejenigen Einheimischen bestärkt, die mit Auswärtigen und auch mit Militanten zusammenarbeiten wollen. Die konservativen Kräfte können sich kaum noch durchsetzen.

Richtiger Riecher

Ab Herbst 85 war mir klar, dass ich auf jeden Fall zur Bauplatzbesetzung nach Rodungsbeginn fahren würde. In West-Berlin war zu dieser Zeit nich allzu viel los, ich war häufig im Wendland gewesen, so dass diese Beteiligung nichts grundsätzlich Neues war und auch kein Umschwenken in meinen poitischen Aktivitäten. Klar hatte ich viele Bedenken, angefangen bei der Situation vor Ort, dass nämlich Bayern nicht gerade as Widerstandsregion bekannt war, und dass die CSU mit ihrem Ministerpräsidenten Strauss noch immer für Grabesstille gesorgt hatte. So war z.B. im März 1981 nach einer der wenigen militanten Demos in dieser Region von den Bullen das Nürnberger Zentrum KOMM gestürmt, alle dort anwesenden 141 Leute festgenommen und von politisch geneigten Richtern in U-Haft gesteckt worden. Die CSU hatte sebstverständlich diese Massenverhaftung gedeckt.

Die erste Besetzung wird nach zwei Tagen mit dem damaligen Rekord von 896 Festnahmen von den Bullen beendet. Kurz vor Weihnachten kommt es zur zweiten Besetzung, die immerhin bis zum 7. Januar dauert. Teilweise beteiligen sich 10.000 Menschen daran.

Der Bauzaun entsteht, Sonntagsspaziergänge wie an der Startbahn-West folgen. Die Zeit der Zaunkämpfe beginnt. Die Bullen rüsten massiv auf, bekommen neue Wasserwerfer und dürfen zum ersten Mal in der BRD CS-Gas einsetzen. Ihre Gewalt ist völlig ungezielt und trifft alle, die sich in der Nähe des Zaunes herumtreiben, egal ob gaffender Bürger oder autonomer Chaot. Im Frühjahr ’86 sterben Erna Sielka und Alois Sonnleitner am Bauzaun durch die CS-Kampfgaseinsätze, Bürger aus der Region im Alter von 63 und 38 Jahren. Im Fall von Erna Sielka lehnen die Bullen es ab, sie mit einem ihrer Hubschrauber ins Krankenhaus zu fliegen und verweigern Erste-Hilfe-Angebote durch Demo-Sanitäter. Diese unterschiedslose Brutalität trägt entscheidend zur Radikalisierung der Bevölkerung bei.

Am Ostermarsch zum Bauzaun nehmen 100.000 Menschen teil. Die Polizei setzt 41 Wasserwerfer, die die Wasserversorgung der Region fast lahm legen, und den gesamten CS-Vorrat Bayerns gegen sie ein.

Zu Pfingsten soll ein Zeltlager stattfinden, bei dem es hauptsächlich um Diskussionen und Perspektiven des Widerstands gehen soll. Es gibt, im Wesentlichen vom süddeutschen Autonomenplenum vorbereitet, ein anspruchsvolles Programm. Der Gau in Tschernobyl am 26. April 1986 lässt dies allerdings Makulatur werden.

Nach dem Gau in Tschernobyl wurden ca. 150 Strommasten umgelegt. Eine Vielzahl von Anschlägen gegen die Infrastruktur der Atommafia forderte Sachschäden in Millionenhöhe. Parallel dazu bilden sich bundesweit mehrere hundert neue Gruppen und Initiativen, die sich neben den offensichtlichen Gefahren der Atomkraft um ihre Ernährung sorgten und die neuesten Strahlenwerte diskutierten. Die Gegner der Atomstromerzeugung waren in dieser Zeit eine gesellschaftliche Mehrheit, die sic bis heute hält. Mit den neuen aktivisten gab es aber wenig bis keine Zusammenarbeit, zu groß waren die politischen Differenzen. Viele standen der Grünen Partei nahe oder sogar den Sozialdemokraten. Die SPD begab sich mit aller Behäbigkeit auf eine verbale Position gegen Atomkraft.

Auf dem Pfingstcamp in Wackersdorf versammelten sich Mitte Mai 15.000 Leute, und mit tatkräftiger Hilfe vieler tausend weiterer Bürger aus der Region kommt es von Samstag bis Montag zu fast pausenlosen Schlachten am Bauzaun. Zwar haben die Bullen vorher stolz verkündet, dass der neue, bereits zweite Spezialzaun nicht zu knacken sei, da die Streben aus supertollem Stahl bestünden, aber entweder ist dies eine Propagandalüge oder die Baufirma, welche den Zaun gezogen hatte, hat sie schlicht betrogen. Dem konzentrierten Einsatz der Sägen halten die Streben jedenfalls nicht sonderlich lange stand und viele einheimische Männer und Frauen werden beim Transport von Wurfgeschossen gesehen und schleudern auch selbst genügend Steine gegen die Bullen. Alles, was im Wendland Jahre gedauert hat und dort nie völlig akzeptiert war, geht in der Oberpfalz in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Viele dieser Leute kündigen in dieser Zeit der Staatsmacht ihre Loyalität auf. Zwar nicht mehr als das, aber immerhin.

Frühjahr 1986 in der Oberpfalz. Unvergessen, wie wir am zweiten Abend der Zaunkämpfe nach Schwandorf zum Essen fuhren und vor einem Restaurant in unserem VW-Bus überlegten, ob dies wohl die geeignete Kneipe für uns wäre, ein stinknormaler bayrischer Gasthof mit dem üblichen Publikum. Während unserer Überlegungen hörten wir Radio. Als der Nachrichtensprecher verlas, dass im Laufe von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen rund um die Baustelle der geplanten Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf 186 Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt worden seien, warfen in der Kneipe alle die Hände in die Luft und applaudierten wie bei einem entscheidenden Fußballtor. Unsere Skepsis hinsichtlich der Kneipe hatte sich erledigt und wir verbrachten dort einen netten Abend.

Am nächsten Tag machten sich die Bullen noch beliebter. Nachdem sie sich nur noch auf die Verteidigung der Baustelle von innen beschränkten und lediglich darauf achteten, dass die Löcher im Zaun nicht zu groß wurden, hatten sie Probleme mit dem Nachschub für ihre Wasserwerfer, da die zentrale Wasserleitung nach drinnen aufgebuddelt und sabotiert wurde. Die Schlacht verlagerte sich teilweise auf das Gebiet innerhalb des Zaunes, durch Dutzende von Löchern strömten Hunderte auf den Bauplatz. In dieser Situation wurden aus Hubschraubern wahllos CS-Gasgranaten auch auf weit vom Zaun entfernt stehende Bürger, Rote-Kreuz-Krankenwagen, Essensstände, sowie andere Versorgungseinrichtungen abgeworfen. Netterweise wurde auch eine Hundertschaft postwendend in die Nähe gestellt, an der alle ihren ganzen Hass abladen konnten. Alte Männer in Unterhemden zusammen mit vermummten Autonomen stürmten auf die Bullen zu. Unter Zurücklassung einer Wanne und eines Streifenwagens gelang denen immerhin noch so etwas wie ein halbwegs geordneter Rückzug. Die beiden Fahrzeuge verursachen in der Folge noch einige Rauchemissionen durch unkontrolliertes Abbrennen in der Öffentlichkeit.

Ein großer Erfolg ist Pfingsten 86 auch, weil sich danach niemand aus dem Anti-WAA-Spektrum von den enormen Krawallen distanziert. Die Hetze der CSU ist grenzenlos: Den Bullen wird im Nachhinein gesagt, sie hätten scharf schießen müssen. Die innere Aufrüstung geht voran, Bayern führt Gummigeschosse ein und das Medienbild der Autonomen wandelt sich von den unorganisierten Chaoten in eine geschlossene und gut ausgerüstete Bürgerkriegstruppe. Die Militanz am Bauzaun stößt drei Wochen später, am 7. Juni 1986, sowohl in Wackersdorf wie auch am gleichen Tag in Brokdorf an ihre Grenzen. Wir müssen erkennen, dass der Staat denselben Fehler zumindest nicht zweimal innerhalb von drei Wochen macht, sondern dass die Aufstandsbekämpfungsstrategen durchaus ihre Lektionen gelernt haben.

Kleve 1986: Die heldenhafte Niederlage

Am 7. Juni 1986, kurz nach der Katastrophe von Tschernobyl, mobilisierte ein breites Spektrum, von Autonomen bid zur Gewerkschaft IG Druck, zu einer bundesweiten Demonstration gegen die Inbetriebnahme des AKW Brokdorf. Für die Autonomen war dies das letzte massenhafte Aufbäumen gegen das Atomkraftwerk an der Unterelbe.

Wir kamen schon zwei Tage vorher mit mehreren hundert Pkw ungehindert durch die DDR/BRD-Grenzkontrollen von West-Berlin nach Hamburg. Dort trafen wir auf unsere Freunde aus der Hafenstraße, mit denen wir gemeinsam in einem Konvoi nach Brokdorf fahren wollten. Die Hafenstraße stellte uns auch das Equipment – große Hämmer, Sägen usw. – zur Verfügung; Schlauchboote, Drahtseile und Enterhaken lagen bereit. Mollies in allen Größen mussten wir allerdings selber bauen. Dafür fuhren wir mit unseren Kleinbussen extra raus ins vornehme Bonzenviertel Blankenese und hielten noch an verschiedenen Tanken, um unsere Reservekanister zu füllen. In Blankenese suchten wir uns eine stille Sackgasse und mischten unsere Mollies am hellichten Tag in einem Kleinbus. Am nächsten Morgen um 6 Uhr bot sich ein beeindruckendes Bild auf dem Heiligengeistfeld. Mehr als 1000 Pkw und Dutzende von Reisebussen warteten auf das Abfahrtsignal. Vorneweg fuhren die Hamburger aus der Hafenstraße, dann kamen wir, etwa 200-300 Autonome aus West-Berlin. Die Hamburger hatten den Plan ausgeheckt, das Nadelöhr Itzehoe auf kleinen Straßen zu umfahren. Zu unserem Erstaunen sahen wir auch kaum ein Bullenauto, nur bei Hohenlockstedt tauchten die ersten BGS-Hubschrauber auf. Wir beschlossen, Itzehoe nördlich über Kleve nach Wilster zu umfahren, nachdem uns Motorradmelder Bullensperren auf der Umgehungsstraße von Itzehoe meldeten. Also weiter, es war schon fast 11 Uhr und Brokdorf lag noch über 30 km entfernt.

Die Straßen wurden immer enger und dadurch wuchs der Konvoi auf eine Länge von über 10 km. Plötzlich, an einer Straßenkreuzung in dem winzigen Dorf Kleve, tauchte die erste, relativ kleine Bullensperre auf. Die Demospitze mit den Hamburgern hielt an und alle sollten nach vorne kommen, “die Bullensperre weghauen”. Wir waren kaum die 300 Meter nach vorne gelaufen, da kamen uns schon die ersten, verfolgt von einer Knüppelgarde, wieder entgegen. Binnen Minuten entwickelte sich eine ungleiche Schlacht. Wir mit Mollis, Steinen und Katschis bewaffnet, gegen mehrere hundert SEK-Bullen, die urplötzlich aus der Luft landeten und wie die Kampfmaschinen – unbeeindruckt von Zwillengeschossen, Steinen und Mollis – mit ihren Tonfas durch die Reihen hauten. So was hatten wir noch nicht gesehen. Unsere Zwilengeschosse erwiesen sich zudem als untauglich, weil viel zu kleine Kugeln gekauft worden waren. Zwar gingen auch einige Bullen zu Boden, doch insgesamt waren wir innerhalb von 20 Minuten nur noch auf dem Rückmarsch. Die aus dem hinteren Demozug nach vorne Kommenden wussten überhaupt nicht, was ihnen geschah. Sie hatten von der Bullensperre und den SEKlern nichts mitbekommen. Die Bulen schlugen alle Autoscheiben in der Demospitze kurz und klein und setzten mit den auf der Straße rumstehenden Mollis einige Autos in Brand. Ihr Vormarsch endete erst an der Bussen der Hamburger Grün-Alternativen Liste. Dort gab es Verhandlungen über einen geordneten Rückzug. Nach einer ¾ Stunde war der Spuk vorbei, der Konvoi völlig aufgerieben. Wir konnten nur noch unsere demolierten Autos einsammeln und den Rückzug nach Hamburg antreten. Den Bauzaun von Brokdorf haben wir an diesem Tag nicht mal aus der Ferne gesehen.

Tags darauf, am 8. Juni, trafen sich ca. 2000 Demonstranten auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg zu einer Protestdemonstration durch die Innenstadt, um gegen die Vorfälle des Vortages zu demonstrieren. Ohne Vorwarnung griffen die Bullen die Versammelten an. Es kam zu dem berüchtigten “Hamburger Kessel”. Sie kassierten 846 Demonstranten ein, ließen sie 12 Stunden im Kessel stehen und schleppten sie danach auf die Wachen und in umfunktionierte Turnhallen.

Währenddessen errichteten Demonstranten außerhalb des Kessels Barrikaden und gingen mit Steinen gegen die Bullen vor. Taxifahrer veranstalteten einen Solidaritätskonvoi. Sie wurden von den Bullen angegriffen, ihre Autos z.T. schwer besschädigt. Der gesamte Hamburger Stadtteil St. Pauli wurde abgesperrt, U-Bahnhöfe geschlossen.

Am Donnerstag den 12. Juni demonstrierten an die 50.000 Menschen in der Hamburger Innenstadt – aufgerufen hatte ein breites Bündnis von Gewerkschaften über linke Grüne bis zu Autonomen – gegen die Polizeiübergriffe, forderten die sofortige Stilllegung des AKW Brokdorf und den Rücktritt des Innensenators Lange.

In dieser Zeit meinten einige Promis einen Spaltpilz in Form eines “offen Briefes an die Anti-Atombewegung” lancieren zu müssen. Dieser plumpe Spaltungsversuch blieb weitgehend ohne Wirkung. Aber da auch der spätere Bundesinnenminister Schily dieses Pamphlet unterschrieb, soll zumindest eine kurze Passage zitiert werden. Zunächst biedern sie sich an: “Unseren berechtigten Protest gegen die von der Polizei geübte Gewalt und gegen Polizeimethoden, wie man sie bisher nur von menschenverachtenden Diktaturen gewohnt war, ist (…) viel Wirkung genommen worden. (…) Natürlich sind wir nicht so steril und leidenschaftslos, dass uns ein provozierend-martialisches Auftreten der Polizei, ihre oft erlebte Brutalität und Willkür kalt lassen würden. Zorn und Abscheu erregen uns dann nicht weniger als Euch auch. Und wir verstehen sehr gut das Aufbegehren gegen solchen Staatsterror, das Sich-Wehren-Wollen gegen Wasserwerfer, CS-Gas und Schikanen”. Damit soll aber lediglich die entschiedene Distanzierung legitimiert werden. Die Bewegung könne nur mit absoluter Gewaltfreiheit Erfolg haben, Gewalttäter (die “Hilfstruppen der Atomlobby”) sollten bei “künftigen Demonstrationen (…) keine Chance mehr haben, unseren Zielen so massiv zu schaden, wie sie das in den letzten Wochen leider getan haben”. Zahlreiche Anti-AKW-Gruppen, autonome Gruppen und selbst Teile der Grünen widersprachen öffentlich, erreichten aber längst nicht solch eine Medienresonanz wie die Promis des späteren rot-grünen Bündnisses.

Nach den Erfahrungen des Sommers ’86 kommt es zu auf den ersten Blick merkwürdigen Gemeinsamkeiten. Konservative Kräfte aus dem Widerstand und Autonome propagieren aus unterschiedlichen Gründen die Parole “Weg vom Bauzaun”, während andere Gruppierungen (BIs, Grüne, KB) unverdrossen für die nächste und übernächste Großdemo zu mobilisieren versuchen. Die Sonntagsspaziergänge gehen währenddessen weiter. Mal passiert mehr, mal weniger, ebenso wie sich mal mehr, mal weniger Spaziergänger einfinden.

Der autonome Teil der Anti-AKW-Bewegung mobilisiert im Herbst zu einer bundesweiten Kampagne gegen die Siemens-Kraftwerkunion, dem Produzenten aller bundesdeutschen Atommeiler. Der Anti-AKW-Widerstand soll damit eine stärkere antikapitalistische Akzentuierung erfahren. Dies gelingt am deutlichsten bei der Demo gegen die Plutoniumschmiede in Hanau im November 1986. An dieser Demo für eine sofortige Stillegung der Brennstäbefabrik beteiligen sich auch einige fortschrittliche Sektionen der lokalen Gewerkschaften. Es ist eine der wenigen Demonstrationen, bei der es im Ansatz gelingt, den Kampf gegen das Atomprogramm mit dem Klassenkampf zu verbinden, wie es auch in einem der Leittransparente ausgedrückt wird: “Stilllegung der herrschenden Klasse”.

Kollateralschaden

Im September kam zum ersten Mal im Zusammenhang mit Demonstrationen in der BRD ein Bulle ums Leben. Auf einer unweit vom Wackersdorfer Baugelände verlaufenden Bahntrasse jagten Bullen mit einem Hubschrauber im Tiefflug Demonstranten. Sie waren offensichtlich so in ihre Menschenjagd vertieft, dass sie einen herannahendem Güterzug samt seiner Warnsignale nicht bemerkten. Der Lokführer zog es vor abzuspringen und so crashte der Zug in den Hubschrauber, von dem mitsamt Besatzung nicht viel übrig blieb.

Die Autonomen drängen darauf, den Widerstand auszuweiten und zu radikalisieren. Die WAA wird zwar im Taxöldener Forst gebaut, aber die Pläne und das Material dafür kommen von überall her und eben auch aus der Region selbst. Der Widerstand soll sich stärker auf den Alltag beziehen, Arbeitsverhältnisse und Wirtschaftsstrukturen zum Thema machen. Die Angriffspunkte sollen auf die gesamte Infrastruktur (Baufirmen, Zufahrtswege, Gerichte, Knäste, Medien, Bullenapparat) ausgeweitet werden.

Es sollen damit mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Durch das “Weg vom Bauzaun” soll die ausschließliche Konfrontation mit einem hochgerüsteten Bullenapparat ergänzt und damit verdeutlicht werden, dass die WAA allein am Bauzaun nicht verhindert werden kann. Den Autonomen geht es nicht nur um den Kampf gegen die WAA, sondern gegen den Atomstaat insgesamt.

Dieses Konzept stößt natürlich an seine Grenzen. Ist es mittlerweile für “den Oberpfälzer” kein allzu großes Problem mehr, Steine auf Bllen am Zaun zu werfen, sind Blockaden einer alteingesessenen Betonfirma mit explizit antikapitalistischen Begründungen doch etwas viel und schwer vermittelbar. So werden in der Oberpfalz andere Aktivitäten der Anti-AKW-Bewegung auch nur beschränkt wahrgenommen. Zur bundesweiten Demoim November 1986 in Hanau fahren lediglich zwei Busse aus der Region. Die Blockadetage Mitte Oktober werden im Wesentlichen von autonomer Seite getragen, aber an den Kundgebungen beteiligen sich immerhin auch viele Einheimische.

Es gibt erhebliche Unruhe in diesen drei Tagen in der Region. Wir sind aber an unsere Grenzen gelangt mit der Vermittlung unserer Inhalte und der Radikalisierung von ehemals “ganz normalen Bürgern”. Sie sind zwar weiter – und das ganz vehement – gegen den Bau der WAA, aber wollen nicht mit uns für die soziale Revolution kämpfen. Das ist nicht weiter verwunderlich. Trotz dieses weitgehenden Schweiterns ist viel, sehr viel erreicht worden. Menschen in einem vorher als widerstandsfreie Region verschrieenen Landstrich haben eine autoritäre CSU-Regierung von einer Krise in die nächste getrieben und ganz unverblümt und ohne jede Skrupel mit auswärtigen “Straßenterroristen”, “RAF-Sympathisanten”, “mit Stahlkugeln bewaffnetem Chaotenpack”, welches “von Gaddhafi bezahlt und ausgebildet wird” etc. pp. zusammengearbeitet, gelacht, getrunken, gefeiert und vor allem gekämpft. Im Mai 1989 kommt das offizielle Aus: Die WAA wird nicht gebaut, der Widerstand war erfolgreich.

Terror ante portas

Einen Tag nach Ende der Blockadetage – 18 Autonome packten gerade ihre Sachen, frühstückten, duschten und wollten kurze Zeit später aufbrechen – wurde die Tür unserer netten Gastgeberin aufgetreten. SEK-Bullen aus Wiesbaden und Göppingen stürmten mit gezogenen Knarren die Wohnung. Wer sich nicht rechtzeitig mit den Händen im Nacken auf den Boden legte, dem wurde durch Fußtritte empfindlich nachgeholfen. Ach du Scheiße! Hatten sie vielleicht doch rausbekommen, dass wir das gestern mit der brennenden Barrikade auf der Bundesstraße waren, oder was sollte das? Während der anderthalb Stunden auf dem Fußboden kamen kaum Informationen durch, wir wussten nur, dass sich Ähnliches in einer zweiten Wohnung abspielte, in der auch Berliner Genossen waren. Beim Abtransport war schon alles viel harmloser, jeweils sechs Leute in einem Bulli mit lediglich zwei gemütlichen bayerischen Papibullen – nicht gerade das, was wir nach dem Beginn der Aktion erwartet hätten. Als wir von denen die Begründung für das Ganze hörten, waren wir doch sehr überrascht: Steckbrieflich gesuchte RAF-Mitglieder seien bei uns gesehen worden – aha.

Der offizielle Verzicht hat auch etwas mit Kapitalinteressen zu tun. Denn es ist um ein vielfaches billiger, das Geschäft der Wiederaufarbeitung in Sellafield (Großbritannien) und La Hague (Frankreich) erledigen zu lassen. Das war es allerdings auch schon vor dem Beschluss, in der BRD eine WAA zu bauen. Der vom Widerstand immer als auch zentrale Begründung gegen das WAA-Projekt benannte potenzielle Griff zur Atombombe ist auf unabsehbare Zeit vereitelt.

Unterstützung der Anti-Atombewegung im Juni 1986

In diversen Städten der BRD bereiteten sich viele Militante auf die Fahrt nach Kleve vor. Die dort Zurückbleibenden wollten dort wo sie lebten versuchen, Angriffspunkte zu finden.

Wir in West-Berlin wollten die herrschende Presse und Bürgermeister Diepgen ein bisschen verärgern. So überlegten wir uns, die Auslieferung der Springerpresse zu behindern, indem wir einfach ihren Fuhrpark abfackeln.

Ein Punkt der Vorbereitungen bestand darin, Handschuhe zu kaufen. Ich übernahm diese verantwortungsvolle Aufgabe und begab mich zu Karstadt am Hermannplatz, um billige weiße Stoffhandschuhe (die schwarzen waren alle) und schwarze Stofffarbe zu kaufen. Zuhause machte ich mich sogleich daran, die Handschuhe zu färben.Fertig. Meine kleine aber wichtige Aufgabe schien erledigt.

Wir schauten uns das Gelände vorher gut an, zählten die Fahrzeuge, suchten nach Kameras und Wachschutz und checkten die Arbeitszeiten der Fahrer. Die Bullen hatten erhöhte Wachsamkeit angesagt und in der Nähe des Springergebäudes ist auch eine recht große Bullenstation, die wir im Auge behalten mussten.

Der Tag der Arbeit: Es regnet. Ein Nieselregen vom feinsten.

Das Material – UnkrautEx/Zucker-Mischung im Pariser – ist fertig.

Wir sind startklar, die Laune gut. Aber es regnet in Strömen. Dort angekommen – der Regen prasselt immer noch auf uns nieder – können wir viele Fahrzeuge präparieren und zünden. Der Rückzug ist auch sicher, und so gehen wir nach der Arbeit gut gelaunt in unsere damalige Lieblingskaschemme, um ein Bierchen zu schlürfen.

Im hellen Licht der Kneipe sehen wir dann entsetzt, unsere Hände sind alle dunkelblau – gefärbt von den Handschuhen.

Wer mehr über die Geschichte des Widerstands gegen die WAA Wackersdorf erfahren möchte, kann in der Broschüre “Abgebrannt. Eine Wiederaufarbeitung des Widerstands gegen die WAA Wackersdorf 1981-88 aus autonomer Sicht” rumstörbern. Die Broschüre in guten linken Archiven noch vorhanden sein.

III. Der Castor kommt

Mitte der Neunziger Jahre wird nach einer längeren Pause das Wendland als Aktionsterrain für Autonome wieder interessant. Denn nun soll er wirklich kommen: der Castor. Jahrelang geisterte er als Phantom durch das Wendland, zuletzt wurde ein Transport im November 1994 in letzter Minute gerichtlich untersagt. Im Wendland hatten jahrelang immer wieder Aktionen gegen Atommülltransporte, gegen die geplante PKA (Pilotkonditionierungsanlage) und gegen staatliche Repression und Einschüchterungsversuche stattgefunden. Diese wurden in erster Linie regional getragen und mit Unterstützung von Anti-AKW-Gruppen aus den Städten bedacht, allerdings unter geringer Beteiligung autonomer Gruppen.

Im Frühjahr 1995 wird es nun wirklich ernst mit dem Castor und alle, die dachten, der kommt nie, werden leider eines Schlechteren belehrt. Der autonome Widerstand äußert sich in erster Linie in Anschlägen auf die Bahn und dem Umsägen von Strommasten. Ein handliches Werkzeug, die Hakenkralle, ist bald in aller Munde und mancher Hand. Ein solches Werkzeug ziert eine Oberleitung, bis ein Zug des Weges kommt, mit dem Stromabnehmer die Kralle mitnimmt und kräftig alles herunterreißt, um alsbald wegen Elektrizitätsmangel auf offener Strecke stehen zu bleiben. Es wird allseitig versucht, die Parole “den Castor stoppen, bevor er losfährt” umzusetzen,was natürlich nur zum Teil gelingt. Ins Wendland fahren von den Älteren viele angeblich nur aus Nostalgie, weil sie in den Achzigern oft dort waren und viel Positives erlebt hatten. An einen großen Aufschwung im Anti-AKW-Kampf denken dabei die Wenigsten. Es geht eher darum, alte Bekanntschaften und Freundschaften aufzufrischen und zu schauen, ob an diesem Symbol der Anti-AKW-Bewegung noch einmal etwas in Schwung kommt.

Es kommt! Und der erste Castor-Transport schlägt für den Staat mit 55 Mio. DM (ca. 28 Mio. Euro) allein an Polizeikosten zu Buche. Diese Summe ist immens, indessen dürfte der politische Preis sehr viel höher anzusetzen sein. Die Parole aus dem Widerstand verändert sich in die Richtung, dass jeder weitere Transport finanziell und politisch noch teurer werden soll. Die Anschläge auf Einrichtungen der Bahn nehmen nach dem ersten Trasport zu: Weit mehr als hundert Hakenkrallen finden ihren Weg in die Oberleitungen und auch so mancher Brandsatz zündet. Die Bahn ist vom Widerstand als allererste Adresse für Aktionenauch militanter Art benannt. Ohne sie sind Castor-Transporte so nicht möglich und sie ist bundesweit angreifbar. Die Fucussierung macht der Bahn zunehmend zu schaffen und angeblich werden in dieser Zeit Überegungen angestelt, ob ein Ausstieg aus den Transporten zu verantworten ist.

Eine der spektakulärsten Aktionen ist ein Ablenkungsangriff mehrererDutzend AktivistInnen auf das Zwischenlager in Gorleben. Im Schutze dieser Aktion versuchen andere, den Verladekran in Dannenberg mit Hilfe von Schweißbrennern umzustürzen. Die Bilder der Überwachungskameras des Verladekrans laufen zwar auf Monitoren im Zwischenlager, aber durch das entstandene Chaos will mensch die nötige Zeit gewinnen. Die Aktion scheitert nur knapp.

Im Wendland ist über die Jahre eine für BRD-Verhältnisse einmalige Struktur entstanden. Die vielen zugezogenen AktivistInnen aus den Städten sind Mitte der Neunziger lange genug ansässig, um von den BäuerInnen und anderen Alteingesessenen als zuverlässige und korrekte MitstreiterInnen akzeptiert zu sein. Nicht zuletzt dadurch ist die Stimmung gegenüber angereisten Autonomen offener als noch in den Achzigern. Die Militanten aus dem Landkreis und auch die Auswärtigen sind als diejenigen akzeptiert, die zwar Putz machen, auf die aber hinsichtlich Absprachen Verlass ist. Und ein bisschen Gewalt gegen Bahnschienen oder Straßen erscheint vielen aus dem Landkreis als nicht mehr richtig schlimm. Natürlich gibt es immer noch dogmatische Gewaltfreie. Der Umgang untereinander ist dennoch eher pragmatisch. Man versucht halt, sich bei den unterschiedlichen Aktionsformen nicht in die Quere zu kommen. Ein wichtiger Faktor als Bindeglied zwischen Bürgerinitiative und Militanten ist die “bäuerliche Notgemeinschaft”. Diese akzeptiert radikale Aktionsformen, solange die Gewalt sich gegen Sachen richtet. Wenn sie ihre Trecker ineinander verkeilen, ist es für die BäuerInnen überhaupt kein Problem, wenn im Schutz dieser Blockde die Straße unterhöhlt wird. Es gibt konkrete Absprachen, sie stelle gerne Material zur Verfügung und fragen auch schon mal bei den Autonomen an, ob es nicht möglich wäre, die Bullen an einem bestimten Ort zu beschäftigen und abzulenken, damit aie ein gutes Stück entfernt eine Aktion machen können. Dabei wissen sie natürlich genau, was Autonome in der Regel unter “Bullen beschäftigen” verstehen. Anders dagegen agiert die Gruppe “X-Tausend-mal-quer”, die sich unabhängig von der BI organisiert, aber die gleichen Aktionsformen wie Sitzblockaden durchführt und daher ein Stück weit von der BI als Konkurrenz begriffen wird. Dazu kommen quasi hierarchische Strukturen durch den immer gleichen Sprecher und das Durchdrücken von medial wirksamen Orten als alleiniges Aktionsterrain von X-Tausend-mal-quer. Dies führt dazu, dass viele dieser Gruppe mit deutlicher Distanz begegnen. Zum zweiten “Tag X” im Mai 1996 kommen sehr viele Auswärtige, darunter nicht wenige Autonome, angereist. Unmittelbar am Veradekran kommt es zu schweren Auseinandersetzungen mit den Bullen, der Transport kommt nur im Schneckentempo voran. Die Bullen stellen über Funk offen Überlegungen an, den Transport auf Grund der Heftigkeit des Widerstands zum Verladekran zurückzuziehen. Sie entscheiden sich für das Durchziehen und brauchen für die 20 Kilometer bis zum Zwischenlager mehr als sechs Stunden. Insgesamt sind 20.000 Schergen im Einsatz, die die Transportkosten auf 110 Mio. DM (ca. 56 Mio Euro) hochtreiben.

Das Wendland und die Castor-Transporte sind damit endgültig ein Kristallisationspunkt der Autonomen. In dieser Zeit gibt es nahezu keine anderen Mobilisierungen, wo mehrere tausend Autonome mit vielen anderen zusammenkommen, es dem Staatsapparat dermaßen schwierig machen und ihn herausfordern. Auch die militante Unterstützung vieler Kleingruppen ist ungebrochen, die Bahn erleidet eine Vielzahl von Verspätungen durch Hakenkrallen. Weitere Sabotageaktionen verursachen Sachschäden in Millionenhöhe und politischen Schaden in ungeahnter Höhe. Die Heftigkeit des Widerstands trifft den Staat völlig unvorbereitet. Auch in den Neunzigern ist es für dieses System unangenehm, wenn Tausende ganz normaler BürgerInnen sagen, “wenn ihr unser Leben nicht achtet, achten wir eure Gesetze nicht”, wenn Loyaität zumindest punktuell aufgekündigt wird, wenn angereisten Militanten Übernachtungsmöglichkeiten und Schutz in der Masse der DemonstrantInnen gewährt wird und alle staatlichen Spaltungsversuche scheitern. Die Bullen und ihr nicht gerade zurückhaltendes Vorgehen tragen ihren Teil dazu bei. Um nur eine ihrer ekligsten Heldentaten zu erwähnen: Dem ca. 70jährigen gehbehinderten Adi Lemke werden von mehreren Schlägerbullen die Scheiben seines Treckers zertrümmert, er selbst wird runtergezerrt und vor laufender Kamera verprügelt. Der damalige Bundesinnenminister und heutige aktenkundige Straftäter Manfred Kanther, sebsternannter Saubermann, spricht vom “Krieg in Gorleben” und bezeichnet alle, die da waren, als “unappetitliches Pack”.

Dem dritten Transport im März 1997 geht eine Vielzahl von teilweise bundesweit koordinierten Angriffen auf die Bahn voraus. Im Wendland selbst nehmen allein ca. 15.000 Auswärtige an den Widerstandsaktionen teil, die sich über insgesamt fünf Tage erstrecken. Das autonome Konzept ist diesmal von der reinen Straßenverbindung vom Verladekran Dannenberg bis zum Zwischenlager Gorleben auf einen Teil der Schienenstrecke Lüneburg-Dannenberg und damit über den Landkreis hinaus ausgeweitet. Für diese letzten fünfzig Kilometer braucht der Castor-Zug mehr als sechs Stunden. Einigen AktivistInnen ist es gelungen, sich auf der Bahnstrecke anzuketten bzw. festzubetonieren. Bundesweit werden mehr als 30.000 Bullen eingesetzt, davon allein im Wendland 18.000.

Trotzdem gelingt es im Schutz einer Treckerblockade in Splietau, die Straße zu unterhöhlen und damit eine von zwei möglichen Transportstrecken zu sabotieren. Die sogenannte Nordstrecke wird darauf von den Bulen besetzt, so dass es weder Kleingruppen gelingt noch durch Massenmilitanz möglich ist, auf die Straße zu kommen. Die gewaltfreie Aktionsgruppe X-Tausend-mal-quer hat sich die medienwirksamsten Plätze direkt vor dem Verladekran gesichert, wo auch grüne SpitzenpolitikerInnen zum letzten Mal vor der Regierungsbeteiligung im Bund ihre angebliche Solidarität mit dem Widerstand ausdrücken. Nachdem die anwesenden BGS-Einheiten nur sehr langsam in der Lage sind, die Sitzblockade ausfzulösen, werden Berliner Schlägerbullen herangezogen, die die friedlichen BlockiererInnen mit Knüppelschlägen, Fausthieben und Fußtritten von der Straße befördern. Die Aatonomen haben an diesem Transporttag nur wenig zu bestellen, ein letzter militanter Versuch von mehreren hundert Leuten auf die Nordstrecke zu kommen, ist in der Nacht zuvor gescheitert. Am Transporttag ist der Wald zwar bis an die Strecke bullenfrei, aber nur wenige sind vor Ort. Aus dem Camp in Gusborn wird der hoffnungslose Versuch gestartet, über freies Feld auf die Straße zu kommen, bereits der erste Angriff ist auch der letzte und verpufft völlig.

Trotzdem werden die Aktionen rund um Tag X³ allgemein als Erfolg gewertet, nicht umsnst dauert es vier Jahre bis der nächste Transport nach Gorleben rollt. Die Polizeikosten sind ähnlich hoch wie beim Transport 1996, Spaltungen im Widerstand hat es nicht gegeben, aber eine sehr große Mobilisierung.

Die Nacht in Gusborn

Konspirative Organisierung unter ca. 300 Personen, soweit dies möglich ist. Unser “Auftrag”: die auf der Nordstrecke massiv vertretenen Bullenkräfte angreifen. Ziel: auf die für den Transport einzig noch mögliche Straße zu kommen, diese zu unterhöhlen oder im Schutze dieser Aktion dies zumindest anderen zu ermöglichen, die das zu erwartende Chaos bei den Bullen zeitgleich an einem anderen Ort ausnutzen wollen. Wenn wir an der Straße sind, sollen viele andere aus dem großen Camp in Gusborn in den Wald mobilisiert werden. Zusammen werden wir es schaffen – so die Hoffnung.

Auf der Strecke im Wald sind über uns Hubschrauber im Tiefflug mit eingeschalteten starken Scheinwerfern. Unklar, ob unser Losgehen nicht ganz unbeobachtet blieb oder dies polizeilicher Routine entspringt. Vor Ort sind denkbar ungünstige Voraussetzungen – am Ende des Weges steht direkt ein Wasserwerfer, also gehen wir runter vom Weg direkt durch den Wald, der an dieser Stelle sehr viel lichter wird. Die Bullen erwarten uns anscheinend, entgegen meinen Erwartungen wagen sie sich sehr wohl in den Wald und bleiben nicht nur auf der Straße. Sie haben das Licht ihrer Wasserwerfer und Wannen im Rücken, ich gucke direkt rein und kann kaum unterscheiden, wer sich direkt vor mir aufhält. Die Aktion endet in einem totalen Desaster, nicht wenige werden zusammengeschlagen und verletzt. Zum Glück hält sich wenigstens die Zahl der Festgenommenen in Grenzen.

Der vierte Transport findet im März 2001 zum ersten Mal unter einer rot-grünen Regierung statt. Die bange Frage geht um, ob die grünen Spaltungsversuche und ihr Ausstiegsblabla ihre Wirkung zeigen. Weit gefehlt, die Grünen sind relativ irrelevant für die Mobilisierung. Viele kommen auch von außerhalb und das Geschehen hat sich von der Straße fast vollständig auf die Schiene verlagert. Der Widerstand gegen diesen Transport wird allgemein als der wirksamste angesehen. Menschen aus dem gewaltfreien Spektrum, die sich auf den Schienen festbetoniert haben, zwingen den Zug mit den Castoren erstmals zum Umdrehen. Er verspätet sich gegenüber dem Bullenzeitplan um mehr als einen Tag. Dementsprechend geraten alle Einsatzpläne aus den Fugen und die Bullen sind nur noch sehr bedingt Herr der Lage. Es ist fast überall möglich auf die Schienen zu kommen, nur meistens stellt sich sofort die anschließende Frage, was denn jetzt und vor allem womit tun? Ein bisschen den Schotter beiseite schieben ist ja schön und gut, nur bringt das nicht viel. Das geeignete Werkzeug haben leider nur die wenigsten dabei. Die Stimmung ist trotzdem bestens und eigentlich sagen alle auf Wiedersehen beim nächsten Transport. Leider kommen längst nicht alle wieder.

Trotz großer Mobilisierungen und auch nicht gering zu schätzenden Erfolgen bleibt es eine reine Anti-Castor-Bewegung, die sich dort regt. Der laufende Betrieb von AKWs spielt keine größere Rolle und es gelingt auch nicht, in die Ausstiegsmätzchen der rot-grünen Regierung bspw. durch Großdemos zu intervenieren und einen gesellschaftlichen Druck aufzubauen. Über die Jahre powern sich die DaueraktivistInnen durch eine Reihe von Aktivitäten aus, aber “die Massen” lassen sich wirklich nur ins Wendland und mit größeren Abstrichen zum bisher einzigen Transport nach Ahaus 1998 mobilisieren. Hintergrund dürfte die eben einmalige wendländische Widerstandstradition unter Beteiligung vieler aus der Bevölkerung sein, die den Angereisten mal das Gefühl gibt, nicht immer nur eine totale Minderheit zu sein. Aber auch dies scheint mit dem November Transport 2001 zumindest unter Linksradikalen vorbei zu sein. Deren Beteiligung an den Aktionen zu diesem Transport lässt stark zu wünschen übrig und kann auch nicht mit der übergroßen Beanspruchung durch Anti-Kriegs-Aktivitäten erklärt werden, da in diesem Bereich auch nicht gerade der Bär tanzt. Auch beimTransport im November 2002 kommen – im Vergleich speziell mit 1997 – nur relativ wenig Autonome und andere AktivistInnen im Wnedland zusammen. Dennoch müssen wieder 16.000 Bullen eingesetzt werden und die Transportkosten liegen bei rund 28 Mio. Euro. Viele Linksradikale bleiben zu Hause, weil sie nur bereit sind ins Wendland zu fahren, wenn der Widerstand wieder so gewaltig wird wie 1997. Das wird er aber nicht von selbst. Zur Zeit werden im Wendland leider kleinere Brötchen gebacken, aber der Widerstandswille vor Ort ist ungebrochen.

Autonome begleiten den letzten Transport u.a. mit einer Scherbendemo in Hamburg. Ein gelungener Weg, den im Landkreis anwesenden Bullenmassen aus dem Weg zu gehen und dennoch wirksam zu agieren…

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